An der Musikschule BeLoSe (Bellach Lommiswil Selzach) boomt derzeit ein Instrument, welches an vielen Schulen nicht einmal im Angebot steht. Stolz verkündet die Musikschulleiterin Edmée-Angeline Sansonnens, dass aktuell 13 Schülerinnen und 1 Schüler die Harfe lernen: «Ich unterrichte schon über 20 Jahre, aber so eine Nachfrage habe ich noch nie erlebt.» Sansonnens ist nicht nur die Leiterin der Musikschule, sondern auch eine der zwei Lehrerinnen für Harfe an der Musikschule BeLoSe. Sowohl ihre als auch die Schülerinnen der zweiten Lehrerin Saskia Beck zeigten am Donnerstag in der Aula im Schulhaus Kaselfeld in Bellach, was sie wochenlang geübt haben. Nebst Einzelauftritten, aber auch Stücken, die zusammen mit der Lehrerin aufgeführt wurden, kamen die Zuhörenden am Schluss des Konzertes in den Genuss eines besonderen Klangerlebnisses: 14 Harfen standen gemeinsam auf der Bühne. Gespielt wurde das Stück «Murmeln des Flusses» von Christoph Pampuch.

Doch wie kommt es zu dem Boom? Für Edmée-Angeline Sansonnens hängt es mit dem jährlich stattfindenden Instrumenten-Parcours zusammen. Da können die Schülerinnen und Schüler alle Instrumenten anschauen, bespielen und dabei auch die Lehrkräfte kennen lernen. Zudem sei es oft so, dass sich gerade bei den Mädchen Freundinnen untereinander mit dem Instrumentenwunsch «anstecken». Die Tatsache, dass im kommenden Jahr nur drei Schülerinnen das Instrument aufgeben, zeigt, dass es mehr als nur ein Spleen ist. Was bei so einem komplexen Instrument nicht ganz selbstverständlich ist.

Die Harfenistin Saskia Beck sieht mehrere Gründe, worin die Faszination in diesem Instrument liegen könnte: «Ich finde, die Harfe hat sowohl etwas Archaisches als auch etwas Himmlisches. Sie ist nicht nur klanglich, sondern auch optisch ein schönes Instrument. Die vielen Saiten sind einzigartig und verlangen ein koordinatives Verständnis. An so einem Instrument zu sitzen, hat etwas Mystisches.»

Und was fasziniert die Schülerinnen? Die 9-jährige Mona Schluep aus Bellach, die seit zwei Jahren Harfe spielt, hat sich bei dem Parcours für die Harfe entschieden: «Ich war zwar noch etwas unsicher, ob ich nun Harfe oder Klavier spielen sollte, aber dann habe ich die Harfe gewählt. Der Klang gefiel mir besser.» Bereits seit sieben Jahren spielt Juliana Halbenleib aus Selzach Harfe. Die 13-Jährige erzählt, warum sie Harfe gewählt hatte: «Ich mochte die Asterix-Bücher. Und ich fand vor allem den Troubadix mit seinem Instrument so lustig. Da fragte ich meinen Vater, was das für ein Instrument sei, und er meinte, das sei eine Harfe. Also wollte ich Harfe spielen.» Sie sei dann zwar etwas erstaunt gewesen, als sie im Musikhaus stand und die Harfe plötzlich viel grösser war als bei Troubadix. «Heute weiss ich, dass dieser eine Lyra spielte», erklärt die Selzacherin. Sie sei aber bei der Harfe geblieben und bis heute glücklich damit: «Ich darf nun sogar schon mit der grösseren Pedalharfe spielen. Was bedeutet, dass ich noch viel mehr Klänge spielen kann.» Im Moment übe sie fleissig an einem Stück von Alan Walker, aber: «Das ist ganz schön schwierig.»

Wie vielseitig das Instrument wirklich ist, konnte man beim Sommerkonzert in Bellach erleben. Und schaute man dabei in die Augen der sonst noch anwesenden Kinder, kann man sich gut vorstellen, dass sich nächstes Jahr noch ein paar Schülerinnen mehr für die Harfe entscheiden werden.