Gerlafingen

Sie wollen absolut alles geben: 16 Schauspieler führen Theaterstück auf

Werden die Schauspieler alles geben?

Werden die Schauspieler alles geben?

Theaterbühne Gerlafingen mit «Perfekt aagleit» oder «The Full Monty uf em Dorf».

Wer erinnert sich nicht noch an das Filmereignis aus dem Jahr 1997 «The Full Monty», das auf vergnügliche Weise schilderte, wie Arbeitslose in der heruntergekommenen englischen Stahlkocherstadt Sheffield mit einer Stripper-Show Geld verdienen wollten. Mit viel Sympathie für diese Idee brachte die Theaterbühne im Stahlkocherdorf Gerlafingen 2007 diese von Walter Millns auf Schweizer Verhältnisse zurechtgestutzte Komödie auf die Bühne. Damals führte Ruedi Bürki Regie, der jetzt für die Neuauflage erneut gewonnen werden konnte. Grund: der seit zehn Jahren bei der Theaterbühne wirkende «Hausregisseur» Markus Leist will sich entlasten und selbst mitspielen.

Arbeitslos sind die sechs Männer zwar nicht, die sich zur späteren Stripper-Show zusammenfinden, aber alle knapp bei Kasse. Das enge Familienbudget verunmöglicht Ernst Kneubühler, dem Abwart der Turnhalle, die Tanzausbildung seiner Tochter in Holland zu bezahlen. Bauunternehmer Vetter muss sich wegen schlechter Geschäfte einen vor seiner Frau geheimgehaltenen Nebenjob bei einer Sicherheitsfirma suchen. Knoblach kann die Schikaniererei durch seinen Arbeitgeber, den Dorfladen-Filialleiter, nicht mehr aushalten. Bräutigam Hübscher, der seine künftige Ehefrau nicht enttäuschen will, ist das gesamte Kapital für die kostspielige Hochzeitsreise abhandengekommen. Und der bereits Ticks entwickelnde Hundehalter Studer leidet unter dem Verlust seines Hundes und möchte sich einen neuen Vierbeiner kaufen.

Striptease statt «Turnerchränzli»

Ein Geldsegen für alle Nöte wäre deshalb nicht zu verachten und führt die Männer unter Anleitung des ideenreichen «Nichtsnutz» David zusammen. Nicht wie beim steifen Programm für das bevorstehende altmodische «Turnerchränzli», sondern auf mitreissende Weise mittels Choreografie mit sexuellen Lockstoffen wollen sie ihr Publikum für die Vorstellung gewinnen. «Denn wenn man sich abzieht, verdient man was», wissen sie längst von weiblichen Auftritten. Aber zuerst gilt es, die moralische Empörung, für die Briefträger Alfons durch Verrat des Vorhabens im Dorf gesorgt hat, zu minimieren. Dargestellt wird er von Hans Sollberger, der seine Mitwirkung in 48 Theaterstücken feiern kann.

Schliesslich freunden sich die Partnerinnen der Stripper mit der Idee an und kommen wie das elektrisierte Publikum in den Genuss einer komödiantischen Vorführung bei reichlich Bühnennebel, der aber ansprechende Details durchscheinen lässt. «Mir tanze, zieh üs ab und wärde rich», lautet die Hoffnung der Stripper-Gemeinschaft.

Die Regie setzt auf kurze Szenen, die dem Stück Drive verleihen. Die schnellen Wechsel unterstützt Bühnenmeister Martin Kägi mit Licht und Ton. Der Bühnenaufbau von Hans Jenni, Fredy Roth und Kurt Weber ist einfach gehalten, um den 16 Mitspielenden Raum zu geben. Das Stück verfügt über alle Qualitäten eines «Gassenfegers». Wer will sich nicht angesichts weltpolitischer Brandherde mal für eine Zeit unbelastet vergnügen. Das Erlebnis verrückter Situationen auf der Bühne ist dazu der beste Weg.

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