Lotte war entgegen seines Namens ein männlicher Storch. Im Juni 2015 wurde er in Altreu beringt und mit einem Datenlogger versehen. Lorenz Heer hat sich die Mühe genommen, die Jugendjahre und die erste Brut von Lotte anhand der Daten, die der Logger aufgezeichnet hat, zu verfolgen. Im Anschluss an die Generalversammlung des Vereins «für üsi Witi» erzählte er in einem Vortrag Lottes Leben.

Ende Juni 2015 machte Lotte die ersten Flugversuche. Sie gingen zuerst nur in die nahe Umgebung. Nachts hielt sich der Storch meist im geschützten Nest auf. Am 22. Juli wurden die ersten weiteren Flüge nach Nennigkofen und Messen aufgezeichnet. Und schon am 8. August machte sich Lotte auf den Weg ins Winterquartier. «Im ersten Jahr brauchen die Jungstörche meist recht lange, bis sie in den wärmeren Gefilden ankommen», so Heer. Lotte hielt sich, wie viele andere Störche auch, gerne auf Kehrichtdeponien auf. Unter anderem in Lerida. Er machte aber auch Abstecher nach Marokko und besuchte Madrid, Toledo und Sevilla. Der Logger liefert so genaue Angaben, dass Heer sogar Bilder aus den Parkanlagen zeigen konnte, in denen Lotte teilweise schlief. Im Sommer 2016 kam Lotte zurück in die Schweiz. «Er liess sich Zeit bis in den Juli», so Heer. Lotte hielt sich gemeinsam mit anderen Jungstörchen vorwiegend in der Region Wauwilermoos auf und kam nicht nach Altreu. Im Sommer 2017 war Lotte ebenfalls die meiste Zeit im Luzernischen anzutreffen, flog aber einige Male nach Altreu zu Besuch.

Zurück an den Geburtsort

2018 kam Lotte dann sehr früh zurück in die Schweiz. Bereits am 16. März erreichte er Altreu, flog aber einen Tag später wieder ins Wauwilermoos. «Da dachten wir schon, dass Lotte wohl nicht mehr nach Altreu zurückkommt.» Aber es zog den Vogel doch zurück an seinen Geburtsort. Am 20. März besetzte Lotte die sogenannte Kocher-Tanne, am 23. begann er mit dem Nestbau. «Lotte tat sich zuerst mit einer unberingten Störchin zusammen. Was danach genau geschah, wissen wir nicht. Sicher ist nur, dass es zu einer Umpaarung kam und das Storchenpaar einen Jungvogel grosszog.»

Der Sommer 2018 war bekanntlich heiss und trocken. Das zeige sich auch daran, dass Lotte immer grössere Kreise fliegen musste, um genügend Futter für den Jungvogel zu finden. «Interessant ist auch, das die Störche den Morgen offenbar dazu nützen, selbst zu fressen, und erst am Nachmittag Futter für die Jungen heranschaffen.» Oft würden die Störche in der Dunkelheit fliegen und kommen erst spät ins Nest zurück. Dass die Jungvögel am Sonntag weniger oft gefüttert werden, als an den übrigen Tagen, führt Heer darauf zurück, dass die Bauern am Sonntag nur selten ihre Felder bearbeiten und so die Nahrungssuche schwieriger ist.

Nicht nur im Meer macht Plastik Probleme. Auch die Jungstörche fressen Plastikteile. Teilweise würden sie sie wieder auswürgen. Problematisch sei der Plastik dann, wenn es zu inneren Verletzungen komme deswegen.

Am 15. August machte sich Lotte wieder auf in Richtung Spanien. «Was danach passiert ist, ist unklar. Anfang November gab der Sender keine Daten mehr ab, und man nimmt an, dass Lotte tot ist.»

Der letzte Eintrag für Lotte, zu finden unter https://projekt-storchenzug.com/datenlogger: LOTTE, tot – besendert am 19.6.2015 als Nestling mit GPS-GPRS-Datenlogger Nr. 4479, Ring-Nr. SH 474, in Altreu/Schweiz. Tot seit 1.11.2018. Verunglückt nahe der Deponie von Toledo auf einer Abbauhalde. Todesursache vermutlich Beutegreifer oder Abschuss.