Selzach
Die Parteien rüsten sich für die Gemeinderatswahlen

Erst im Juni wählen die Selzacherinnen und Selzacher ihren neuen Gemeinderat. Dabei verzichten drei der elf bisherigen Gemeinderäte auf eine Wiederwahl.

Nadine Schmid
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Im Gemeindehaus Selzach wird reorganisiert. Doch weniger rasch, als zuerst geplant.

Im Gemeindehaus Selzach wird reorganisiert. Doch weniger rasch, als zuerst geplant.

Michel Lüthi

Im Juni kann die Bevölkerung von Selzach an der Urne darüber befinden, wer wieder oder neu in den Gemeinderat Einsitz nimmt. Die Wahlen finden nicht wie an den meisten anderen Orten am 25. April statt, sondern erst am 13. Juni. Ursprünglich, weil man die Revision der Gemeindeordnung noch über die Bühne bringen wollte. Ob dies noch gelingt, ist aber offen.

Dabei ist schon jetzt klar, dass es das eine oder andere neue Gesicht im Gemeinderat geben wird. Drei Gemeinderäte haben entschieden, nicht mehr anzutreten. Dies sind Hans-Peter Hadorn (CVP), Peter Däster (FDP) und Carmen Zeller (SP) - alle drei sind Gemeinderäte, die sich bereits seit mehreren Legislaturen im Gemeinderat engagieren. Als Begründung gaben sie dann auch an, dass es für sie Zeit für einen Wechsel sei.

Sitze verteidigen

Die drei im Gemeinderat vertretenen Parteien möchten ihre Sitze halten. Die FDP haben fünf, die CVP vier und die SP zwei Sitze. Die Suche nach den Kandidaten läuft, doch noch kann nicht jede Partei detailliert Auskunft geben. «Wir stecken bei der FDP mitten drin, es ist noch etwas zu früh. Die Frist für die Listenabgabe dauert nämlich noch eine Weile», erklärt Gemeindepräsidentin Silvia Spycher.

Spycher tritt noch einmal als Gemeindepräsidentin an. «Nächstes Jahr wird der Bauverwalter Thomas Leimer pensioniert, dann möchte ich noch dabei sein, um die Nachfolge mitzuorganisieren.»

Mehr Frauen gewünscht

CVP, FDP und SP würden gerne mehr Frauen rekrutieren. Die CVP will beispielsweise mit einer vollen Liste, demnach mit elf Namen, antreten. Bisher hätte man sechs bis sieben Kandidaten finden können, davon seien zwei Frauen. «Wir möchten gerne eine ausgeglichene Liste», erklärt Thomas Studer, Vizegemeindepräsident und Präsident der CVP Selzach. Die SP auf der anderen Seite will mit einer Viererliste ins Wahlrennen gehen und dabei die Frauen in den Fokus stellen. «Da Carmen Zeller nicht mehr antritt, ist es uns wichtig, die Frauen bei den Wahlen in den Fokus zu stellen, aber natürlich setzen wir auch Männer auf die Liste», sagt SP-Präsident Stephan von Büren.

Alle drei Parteien sprechen von Schwierigkeiten bei der Frauensuche. Die fehlende Kapazität wurde bei der SP bei Frauen wie auch Männern oft als Absagegrund genannt. «Bei uns gaben viele an, dass es bereits jetzt schwierig für sie sei, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen», so von Büren, dennoch sei er zuversichtlich, dass die Partei in der verbleibenden Zeit noch fündig wird: Einige Anfragen, auch bei Frauen, seien auch noch offen. Die FDP hat bisher eine junge Frau für die Liste gefunden. Spycher hat eine Vermutung, weshalb die Frauen eher absagen: «Als Mitglied im Gemeinderat ist man schon sehr exponiert im Dorf und das muss man wollen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen das tendenziell weniger möchten.»

Studer selbst ist auch auf einen anderen Absagegrund gestossen: «Einige Frauen trauen sich das Amt nicht zu oder rechnen sich keine grossen Chancen aus. Das ist schade, denn ich bin sicher, dass sie in das Amt hineinwachsen. Und die Chancen gewählt zu werden, stehen hier im Dorf gar nicht einmal so schlecht.» (Dazu käme es bei der Suche nach Frauen auch auf das Umfeld der Parteien an. Würde man viele Frauen kennen, könne man auch mehr von ihnen fragen, sagt Studer: «Hat eine Ortspartei bereits viele Frauen, so merkt man das. Dann ist es einfacher, neue Kandidatinnen zu finden, da Frauen tendenziell mehr Kontakt zu anderen Frauen haben.»)

SVP hält sich noch bedeckt

Es könnte auch sein, dass die SVP versuchen wird, einen Sitz im Gemeinderat zu erobern. «Ein Selzacher aus der SVP kandidiert für den Kantonsrat. Man muss deshalb damit rechnen, dass die SVP in Selzach auch für den Gemeinderat kandidiert», vermutet Spycher. Bei der SVP selber hält man sich noch bedeckt: «Es ist noch etwas zu früh. Wir werden zu gegebener Zeit kommunizieren», sagt der Selzacher SVP-Kantonsratskandidat Joris Amiet.


zvg

Gemeindepräsidentin Silvia Spycher, blickt auf vier bewegte Jahre zurück.

In einer Legislatur kann in einer Gemeinde vieles geschehen. So ist es auch in Selzach. Die Legislatur 2017–2021 sei eine gute Legislatur gewesen, sagt Gemeindepräsidentin Silvia Spycher: «Wir haben das Gemeindehaus saniert. Auch den Doppelbau des Kindergartens konnten wir realisieren und die Integration der Kinderbetreuung umsetzen.» Spycher findet auch für die Zusammenarbeit des Gemeinderats lobende Worte. «Es ist ein gutes Miteinander. Vielleicht mussten wir ein paar Geschäfte zweimal beraten, aber das gehört auch dazu.» Sie habe das Gefühl, die Bevölkerung sei zufrieden im Dorf. Selzach sei zudem gewachsen, wie es geplant war. «Grösser möchten wir aber nicht werden, nur könnte dies schwierig werden.»

Agentur statt Poststelle

Selzach hat viele Legislaturziele erreicht, wie beispielsweise die Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Kommissionspräsidien oder die neue Umsetzung der neuen Website sowie die E-Tankstelle. Ein Verlust in dieser Legislatur hingegen ist die Poststelle, jedoch habe Selzach durch eine Agentur auf der Gemeinde zumindest einen Teil des Angebots erhalten können. Ab März gibt es nun ein 30-Prozent-Pensum dafür. Es gab bereits Reklamationen, erklärt Spycher: «Unter anderem, weil die Öffnungszeiten eingeschränkt sind – so wird die Agentur beispielsweise samstags nicht betrieben.» Man würde nun die Rückmeldungen sammeln und dann je nachdem das Angebot noch anpassen. Spycher fügt hinzu: «Es ist womöglich noch nicht allen bewusst im Dorf, aber der Verlust der Poststelle heisst: entweder ein eingeschränktes Angebot mit einer Agentur oder nichts.»

Legislatur unter Corona

Natürlich fällt auch die Coronakrise in die Legislatur. Ein einschneidendes Ereignis für die ganze Welt. «Finanziell hat die Krise die Gemeinde bisher nicht wirklich getroffen, da kann ich entwarnen», fasst Spycher zusammen. Jedoch spurlos ging Corona nicht an Selzach vorbei. Sie spüre eine Unruhe in der Bevölkerung. Bedauerlich sei auch, dass man die Senioren- und Team-Ausflüge habe absagen müssen.

Ausblick auf die nächste Legislatur

Einige Geschäfte sind fortlaufend und werden die Gemeinde auch in den nächsten Jahren beschäftigen. Und nach Spycher soll auch die Reorganisation von Verwaltung und Gemeindepräsidium weiterverfolgt werden. Dieses Geschäft wurde wegen des nahen Legislaturendes eingestellt, da sich die Räte nicht einig werden konnten. «Aber das ist ein Thema, das man in der nächsten Legislatur noch aufgreifen sollte, ansonsten könnte es schwierig werden, einen Nachfolger fürs Präsidium zu finden», so Spycher. Sie möchte zwar noch für eine weitere Legislatur als Gemeindepräsidentin walten, jedoch käme sicher einmal die Zeit für ein neues Gesicht. «Ich habe keinen Zweitjob, aber hätte man einen, wäre es unmöglich, beides unter einen Hut zu bringen, und dies, obschon das Präsidium ein 50-Prozent-Pensum ist.»