Leader im Kanton in Sachen Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energie mit freiwilligen Massnahmen ist die Gemeinde Zuchwil. Sie hat 2016 als bisher einzige Gemeinde das Label Energiestadt Gold erhalten.

Mit der Schonung des Klimas begann Zuchwil schon vor 15 Jahren. Von ihrem energiepolitischen Handlungspotenzial hatte die Gemeinde damals 55 Prozent umgesetzt. Alle vier Jahre muss sich eine Energiestadt einer Prüfung unterziehen. Bei der letzten Prüfung 2016 waren die Massnahmen zu 76 Prozent erfüllt. Geprüft wird anhand eines Massnahmenkatalogs, der in ganz Europa gleich ist, was den Vergleich mit anderen Energiestädten fördert. Im nächsten Jahr ist wieder eine Überprüfung fällig. Für das Gold-Label müssen 75 Prozent erzielt werden. «Wir stehen aktuell bei 76, 77 Prozent. Damit wir auf der sicheren Seite stehen, geben wir Gas und werden noch zwei, drei Projekte lancieren», erklärt Peter Baumann, Leiter Bau und Planung.

Die Politik muss helfen, sonst geht nichts

In den letzten 15 Jahren habe in der Gemeinde, in der Verwaltung und in der Politik eine starke Sensibilisierung in Sachen Energieeffizienz und erneuerbaren Energie stattgefunden. «Die Politik muss mitziehen. Ein wichtiger Punkt war zu Beginn, auch die FDP davon zu überzeugen, dass die Gemeinde einen Nutzen davonträgt», schaut Baumann zurück. Das sei ihm gelungen. Seither werden die Anliegen der Energiestadt im Gemeinderat mit einer starken Mehrheit gefördert. Heute existiert eine Arbeitsgruppe Energiestadt, in der Gewerbe, Politik und Verwaltung vertreten sind.

Jedes Jahr wird ein neuer Aktivitätenplan erstellt. In sechs Bereichen gilt es, Massnahmen umzusetzen. «Im Bereich Raumordnung haben wir für das neu entstehende Quartier Riverside ein Energie-, ein Mobilitäts-, ein Freiraum- und ein Parkraumkonzept verlangt.» Ein Energiekonzept müsse nicht verlangt werden, aber Zuchwil macht dies nun bei jedem Gestaltungsplan. Eine Massnahme des Energiekonzeptes ist die Verwendung erneuerbarer Energie. «Im Riverside wird, Stand heute, mit Grundwassernutzung geheizt. Es werden Elektrostationen für E-Mobilität einrichten.» Und die Gemeinde plane nach der dritten oder vierten Bauetappe eine Erschliessung mit dem Bus.

Gemeindegebäude auf Fernwärme umgestellt

Eine Schonung des Klimas muss nicht nur mit Verzicht einhergehen. Manche Projekte fördern die Lebensqualität, etwa das Projekt «Einfach mehr Grün». In einem Workshop wurden verschiedene Punkte erarbeitet, wie Zuchwil grüner werden könnte. «Das kann die Biodiversität betreffen. Dazu gehört aber auch der neue Park im Riverside-Quartier. Der wird gerne unterschätzt. Dort stehen 100'000 Quadratmeter zur Verfügung.» Im Dorf sollen bei zwei Kindergärten Hochbeete bereitgestellt werden, wo die Kinder Gemüse anpflanzen würden. «Die Kinder erfahren, wie der Boden bearbeitet werden kann, und wir werten damit auch den Boden auf.»

Die Dynamik im Zusammenhang mit dem Label Energiestadt sei nicht überall so stark wie in Zuchwil. «Am Anfang ging es steil voran, als 2004 Solothurn, Olten, Grenchen, Zuchwil und Oensingen einstiegen. Aber Oensingen beklagte bald ein Ressourcenprobleme. Auch Olten hatte finanziell eine schwierige Phase. Bei uns läuft es eigentlich normal», sagt Baumann. Ausschlaggebend dafür sei der Wille des Gemeinderates gewesen, noch etwas mehr zu machen und das Goldlabel abzuholen. Unterstützung erfährt Baumann in der Gemeinde von der Arbeitsgruppe Energiestadt und überregional von einem Netzwerk der solothurner Energiestädte, zu denen auch die Region Thal, und Hofstetten-Flüh dazugestossen sind. Neu soll auch Selzach angefragt werden, nachdem die Gemeinde das Label Energiestadt erreicht hat. «Haben wir beispielsweise das Projekt ‹Schüler bauen eine Solaranlage›, dann baut jede dieser Energiestädte auf einem der Schulhäuser eine Solaranlage.»

Zuchwil holt mit Projekten auch Bundesgelder ab

Das Energiestadt Gold-Label bringt Bundesgelder nach Zuchwil. Ein Beispiel ist «Booster», das mit 60'000 Franken Bundesbeitrag möglich geworden ist und gemeinsam mit Solothurn durchgeführt wird. In einem Wettbewerb wurden umsetzungswürdige Projekte beurteilt. So soll im Alten Spital in Solothurn etwa ein Secondhand-Kleiderladen entstehen. «Schulraum Natur» will Schulgärten in der Region Solothurn fördern. Oder «so Slow» will dem Pavillon auf dem Dornacherplatz in Solothurn wieder zu neuem Leben verhelfen.

«Ich habe viel dazugelernt», schaut Baumann auf die letzten 15 Jahren zurück. Er hilft heute bei der Ausbildung von Energiestadt-Koordinatoren, hält Vorträge in den Nachbargemeinden oder engagiert sich ehrenamtlich an Standaktionen und trägt somit die Idee weiter. «Es ist für mich nicht nur Beruf, es fasziniert mich auch persönlich, die Energiebuchhaltung einer Gemeinde positiv zu beeinflussen.»