Stahl Gerlafingen
«Safety Days» – damit die Unfallrate in der Stahl Gerlafingen weiter sinkt

Bei der Stahl Gerlafingen heisst es in diesen Tagen «Safety Days». Während der «Safety Days» wird das Wissen um die Sicherheit aufgefrischt, damit Arbeitsunfälle vermieden werden können

Beatrice Kaufmann
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Die Saftey Day bei der Stahl Gerlafingen
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Wichtig ist der richtige Gebrauch von Schutzbrillen und -handschuhen. Hände und Augen sind die am meisten von Unfällen betroffenen Körperteile.

Die Saftey Day bei der Stahl Gerlafingen

Hanspeter Bärtschi

«Und so sieht es aus, wenn eure Hand in eine Walze gerät.» Autsch! Zum Glück ist das, was da gerade plattgewalzt wurde, nur ein Ast.

Geopfert hat ihn Heinz Christen, der seinen Arbeitskollegen der Stahl Gerlafingen im Rahmen der «Safety Days» den sicheren Umgang mit Maschinen zeigt.

Die «Safety Days» werden derzeit auf Initiative der Beltrame Group, der die Stahl Gerlafingen angehört, durchgeführt. In Gerlafingen wird dafür noch bis zum 6. Juli wiederholt ein zweistündiger Kurs angeboten, den alle Mitarbeiter einmal besuchen müssen. Eines der Ziele ist laut Arbeitssicherheitschef Alfred Wüthrich die Vermittlung von neu eingeführten Sicherheitsregeln.

Der Kurs beinhaltet aber auch die Auffrischung von Bekanntem. Bezüglich der Form hat die Firma sich für zwei Posten entschieden, die praxisorientiert angelegt sind. «Ich muss alle Leute erreichen, auch die, die lieber etwas sehen und erfahren, als es nur zu hören», erklärt Wüthrich. Und so stehen wir also am ersten Posten vor der Walze und sehen zu, wie sie den Ast gnadenlos verschlingt. «Die Walze stoppt nicht, wenn etwas hineingerät», erklärt Christen. Für den, der sich dieser oder einer anderen Maschine mit den Händen nähern müsse, gilt daher: «Ausschalten und die Anlage sichern.»

Hände und Augen – das sind die Körperteile, die im Betrieb am häufigsten von Verletzungen betroffen sind. Auf die Gefahren für das Auge sowie auf die Notwendigkeit von Schutzausrüstungen geht Daniel Isch ein. Vorschriftsmässig verteilt er Schutzbrillen, bevor er einem Stück Schweinefleisch mit Salzsäure zusetzt. Ein paar Tröpfchen genügen, um das Fleisch innert Sekundenschnelle zu verätzen. Die Vorstellung, was die aggressive Flüssigkeit an der Netzhaut anrichtet, dürfte den meisten Angestellten den Nutzen von Schutzbrillen klarmachen. Für alle anderen hängen an der Wand Bilder von Augenverletzungen, die durch Verätzungen oder Metallsplitter entstanden sind.

Die Beltrame Group verfolgt mit den «Safety Days» und weiteren Massnahmen ein klares Ziel: Die Unfallrate um 30 Prozent zu senken. Laut Standortleiter Daniel Aebli ist die Stahl Gerlafingen diesbezüglich auf Kurs. «Seit Anfang Jahr hatten wir 15 Betriebsunfälle.» Hochgerechnet liegt die Firma dieses Jahr damit bei 35 Unfällen, 2014 waren es noch 55. Um die Unfallzahl zu reduzieren, bietet die Firma aber weit mehr als den zweistündigen Kurs. «Die ‹Safety Days› sind eine Ergänzung», so Mediensprecherin Linda Krenn. Und Alfred Wüthrich erklärt, dass pro Jahr rund 150 Kurse durchgeführt werden, darunter solche für alle Mitarbeiter, aber auch spezifische wie jene für Kranführer.

Kontrollen erfolgten sowohl extern, via Suva, als auch intern durch die Vorgesetzten. Man werde auch überprüfen, ob das, was an den «Safety Days» vermittelt wurde, umgesetzt wird. Denn letztlich steht und fällt alles mit dem einzelnen Mitarbeiter, der sich an die Verhaltensregeln hält – oder eben nicht. Dass der Firma die Sicherheit der Mitarbeiter wichtig ist, spüre sie schon, sagt eine der Angestellten. Andere betonen, sie fühlten sich sicher an ihrem Arbeitsplatz. Und ein weiterer ergänzt: «Gerade in den letzten zehn Jahren hat sich viel getan.» Das dürfte mit der Risikoanalyse zusammenhängen, die Wüthrich damals eingeführt hat. Da er als Arbeitssicherheitschef nicht überall sein kann, wird er durch über 60 Betriebssanitäter unterstützt. Durch deren Nähe zu den Arbeitern sei erste Hilfe gewährleistet. Das Ziel ist aber natürlich, erste Hilfe gar nicht erst anwenden zu müssen.

Die häufigste Unfallursache ist gemäss Handzettel, den alle Mitarbeiter erhalten haben, unsicheres Verhalten. Gerade unter Fussgängern und Radfahrern beobachte er auf dem Firmengelände regelmässig Verstösse gegen die Verkehrsregeln, erzählt Hans Ulrich Kilchhofer. «Sicherheitsvorschriften sind aber nicht verhandelbar!» Kilchhofer betreut zusammen mit seinem Kollegen Steve Krüger den Posten, der das Verhalten als Verkehrsteilnehmer thematisiert. Anhand eines Gabelstaplers zeigen die beiden auf, wie gross der tote Winkel eines Baufahrzeugs sein kann. Als Fussgänger oder Radfahrer Blickkontakt mit dem Fahrer aufzunehmen, sei folglich Pflicht, betont Kilchhofer. Sich dem Arbeitsbereich eines Fahrzeugs von hinten zu nähern, komme hingegen einem Himmelfahrtskommando gleich. Doch auch die Fahrer selbst nehmen Kilchhofer und Krüger in die Pflicht: «Wer fährt, ist verantwortlich!» Für Fahrer gelte zudem seit neuem – neben Rauch- und Handyverbot – die Gurttragepflicht.

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