Rieholz/Flumenthal
Über 10 Millionen Franken für Fischaufstieg bei Kraftwerk Flumenthal

480 Meter Bauwerk, damit die Fische künftig viel besser das Kraftwerk Flumenthal passieren können. Vielleicht dereinst auch der Lachs.

Urs Byland
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Wasserkraftwerk Flumenthal.

Wasserkraftwerk Flumenthal.

Oliver Menge

Fische, die stromaufwärts das Aarekraftwerk Flumenthal passieren wollen, müssen stark sein. Bei Aufstiegszählungen wurde festgestellt, dass neben den starken nur wenige der kleinen und leistungsschwachen Fische die vorhandene Fischaufstiegsanlage hinter sich lassen können. Schon 2005 wurde die Anlage als «ungenügend» bewertet. Der aktuelle Fischaufstieg ist laut Aussage von Fachleuten zu «schmal, zu kurz, zu klein, zu dunkel, und zu steil».

Die Alpiq Hydro Aare AG beabsichtigt nun, gemäss Gewässerschutzgesetz für die Sanierung der Wasserkraft, die vorhandene Fischaufstiegsanlage zu erneuern. Aare abwärts kann noch keine Lösung für grosse Anlagen wie das Kraftwerk Flumenthal gefunden werden. Die Fische werden Aare abwärts wie bisher in die Turbinenanlage schwimmen und müssen Glück haben, wollen sie überleben. Einzig bei Hochwasser, wenn das Wehr gesenkt wird, können Fische einigermassen sicher absteigen.

Ein grosses Gewässer wird neu geschaffen

Die neue Anlage wird als offenes Gewässer konzipiert, das auch lachsgängig sein soll. Sie ist eines der grössten Gewässer im Kanton, das neu erschaffen wird. Der Höhenunterschied zwischen Oberwasser und Unterwasser des Kraftwerkes wird über ein naturnahes Fliessgewässer, einem anschliessenden naturnahen Raugerinne sowie einem Schlitzpass an der Mündung überwunden. Die gesamte Länge der Fischaufstiegsanlage beträgt 480 Meter.

Fischaufstiegsanlage Erschliessungsplan Kraftwerk Flumenthal.

Fischaufstiegsanlage Erschliessungsplan Kraftwerk Flumenthal.

Zvg

Die Fische starten im Unterwasser, im grosszügigen Mündungsbecken. Dort entlang der neuen (zurückversetzten) Ufermauer wird eine strömungsberuhigte Zone geschaffen und somit die Aufstiegsmöglichkeit für leistungsschwache Arten gewährleistet. Grundsätzlich gilt: das Wasser fliesst runter, die Fische schwimmen hoch. Der Start für die Fische erfolgt in einem Schlitzpass, der in einem 3 Meter breiten und 40 Meter langen Betongerinne 1,43 Meter Höhe überwindet. Nach dem Schlitzpass folgt ein naturnahes Raugerinne in einer Breite von 6 Metern und einer Gesamtlänge von 228 Metern, mit dem 4,56 Meter Höhe überwunden werden. Am Ende des Raugerinnes wird ein Zählbecken zur biologischen Wirkungskontrolle errichtet. Daran schliesst ein Durchlassbauwerk (3 Meter breites und 60 Meter langes Betongerinne) mit einem konstanten Abfluss von 1 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Innerhalb des Betongerinnes werden Querriegel aus Felsgestein angeordnet und damit ein Teil des Höhenunterschiedes (0,72 Meter) abgebaut.

Natürliches Fliessgewässer inklusive

Damit ist der unruhige Teil der Reise durch die Aufstiegsanlage für den Fisch vorüber. Er kommt in einen naturnahen Gewässerlauf mit Kiesschnellen. Dieser Abschnitt ist nicht primär als Fischaufstieg, sondern auch als Lebensraum für Fische geplant. Das natürliche Fliessgewässer wird 10 bis 15 Meter breit und 130 Meter lang sein. Dabei wird eine Höhe von 0,98 Metern überwinden. Im Oberwasser, nahe der Aarebrücke, sollen die Fische nach dem Aufstieg wieder in die Aare schwimmen können. Hier entsteht das 10 Meter breite Einlaufbauwerk. 3 bis 5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fliessen von der Aare ab.

Im Übergang vom natürlichen Fliessgewässer (3–5 Kubikmeter pro Sekunde) zum Durchlassbauwerk (1 Kubikmeter pro Sekunde) wird der Rest des Wassers in eine Röhre geleitet und treibt am Ende eine Turbine an, um den Wasserverlust für den Konzessionär gering zu halten.

Teure Entsorgung von «Attisholz»-Ablagerungen

Aufgrund der umfangreichen Baumassnahmen und unter Berücksichtigung von witterungs- sowie abflussbedingten Unterbrechungen der Bauarbeiten wird eine Bauzeit von etwa 18 Monaten erwartet. Gerechnet wird mit Planungskosten von 1,2 Mio. Franken und Baukosten von 9,2 Mio. Franken. Von den Baukosten sind alleine für Deponiekosten 3,1 Mio. Franken reserviert. Sondierungen haben ergeben, dass das Material, das im Oberbau abgebaut wird, kostspielig entsorgt werden muss und nicht einfach umgelagert werden kann – eine weitere Erbschaft der Cellulose-Produktion im Attisholz.

Der Unterhalt wird auf 6 Mio. Franken veranschlagt für die nächsten 40 Jahre. Davon sind 5 Mio. Franken für Erlöseinbussen des Kraftwerkes durch die Fischaufstiegsanlage über 40 Jahre vorgesehen. Die Kosten des Projekts werden über den nationalen Stromnetzzuschlagsfonds abgeglichen.

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