Man darf davon ausgehen, dass alle Ratsmitglieder, die sich an der hitzigen Diskussion zur Haushaltsplanung 2019 beteiligten, sich mit gutem Willen für die Zukunft Gerlafingens einsetzen. Tatsache ist, dass das auf 40.5 Mio. Franken bezifferte Budget mit einem Aufwandüberschuss von 542'000 Franken für alle Beteiligten den Rahmen der Belastbarkeit der Gemeinde sprengte. Von «beängstigendem Resultat» für die Zukunft der Gemeinde, von dringend nötigem Leistungsabbau, von noch vorhandenen Spielräumen und grösserem Sparwillen war die Rede. FDP, SVP und CVP beantragten deshalb die Rückweisung.

«Jetzt machen wir es uns aber zu einfach», forderte Gemeindepräsident Philipp Heri zu konkreten Vorschlägen und Massnahmen heraus, wo man einen Hebel im geplanten Haushalt ansetzen könne. Man müsse nur endlich die «Schraube anziehen», hiess es von den Budget-Kritikern, denn «Luft» sei genügend vorhanden. «Aber wo genau?», fragte Heri. Aus der SP kam der Vorschlag, sich jetzt gemeinsam in alle Ausgabepositionen hinein zu knien. Darauf folgten nur mehr vage Fingerzeige zur Ausgaben-Reduktion.

Genannt wurden die Repla-Beiträge, die Streichung der Seniorenfahrt (sofort abgelehnt mit 7:3, 1 Enthaltung), die Unterstützungen an «Kinderoase» und das Skilager, die Schulsozialarbeit, deren Kündigungsfrist erst später budgetwirksam würde, die Informatik-Ausgaben im Schulwesen, der angeblich zu aufwendige Unterhalt der Infrastrukturen und als neue Einnahmequelle die Kopfsteuer. Die Steueranlage noch weiter hoch zu schrauben, bringe nichts, war man sich einig.

Rütteln an «Tabu-Positionen»

Allerdings waren sich etliche Ratsmitglieder nicht im Klaren, wie sich die zu 80 Prozent am Haushalt beteiligten «gebundenen», also gesetzlich vorgegebenen, und die restlichen Ausgabepositionen, die für die Gemeinde beeinflussbar sind, unterscheiden. Die Ratsmehrheit will aber in jedem Fall, an den «Tabu-Positionen» rütteln, wies das Budget mit 6:5 Stimmen zurück und beauftragte Finanzkommission und –verwaltung weitere Sparvorschläge auszuarbeiten.

Für die Anschlussgemeinden, die an der Kreisoberstufe und an der Sozialregion Wasseramt-Süd beteiligt sind – für beide Institutionen amtet Gerlafingen als Leadgemeinde – machten Gesamtschulleiter Pascal Hunziker und Sozialamtsleiter Etienne Gasche auf Konsequenzen aus der Verschiebung für deren Haushaltsplanungen aufmerksam.

Steuerkraft ist viel zu gering

Stefan Baschung hatte als Präsident der Finanzkommission, darauf hingewiesen, dass trotz der um 800'000 auf 4.5 Mio. Franken erhöhten Zuwendung aus dem Kantonalen Finanz- und Lastenausgleich der Aufwandüberschuss angesichts der tiefen Steuerkraft der Gemeinde nicht gesenkt werden konnte. «Um die Rechnung ins Lot zu bringen, brauchen wir zusätzlich weit über 100 Steuerpflichtige, die bedeutend mehr als den kantonalen Durchschnitt in die Steuerkasse zahlen», meinte er. Gerlafingen sei in den letzten Jahren zwar einwohnermässig gewachsen, nicht aber bei den Steuereinnahmen.

Die Gemeinde habe es verpasst, das Steuersubstrat qualitativ mittels Ansiedlungsstrategie zu stärken, sagte ein SVP-Vertreter. Auf die Frage, wie er sich das genau vorstelle, antwortet ihm der Gemeindepräsident, dass hoffentlich die Neubauten im Dorf mit ihren hohen baulichen Standards längerfristig für mehr Einkünfte sorgen könnten.

Die Investitionsrechnung über 2.78 Mio. Franken, die die Finanzkommission wegen ihrer Höhe zur Ablehnung empfahl, überprüften die Ratsmitglieder nochmals genau und verschoben diverse Tiefbauvorhaben auf die nächsten Jahre. Zudem hofft man in Gerlafingen, dass die Zusage zur Übernahme aller Sanierungskosten auf Kantonsstrassen durch den Kanton die Investitionsrechnung deutlich um über 800'000 Franken entlasten würde.

Die Verabschiedung des Budgets zuhanden der auf den 19. Dezember verschobenen Gemeindeversammlung ist in zwölf Tagen vorgesehen. Zustimmung fanden jetzt bereits die Teuerungszulage analog dem Vorgehen des Kanton von 1 Prozent für Lehrpersonen und Mitarbeitende der Gemeinde, die Beibehaltung des Steuerfusses von 130 Prozent für beide Kategorien, die unveränderte Feuerwehrersatzabgabe und die Ermächtigung des Gemeinderats, Fremdmittel zur Deckung von Finanzengpässen aufzunehmen.
Der Gemeinderat hat zudem erfahren, dass die Oberfeld-Schulcontainer trotz zahlreicher Interessenten weiter gratis zur Abgabe stehen.