Selzach

Ödland pflegen wird Fördermassnahme: Selzach will sich für mehr Biodiversität einsetzen

Beat Kohler, Gemeinderat und Mitglied der Umweltkommission, und Karl von Burg, zuständig für die Schnitzelheizung, begutachten die Tonne mit dem Filterstaub aus der Schnitzelheizung in der Fernwärmezentrale.

Beat Kohler, Gemeinderat und Mitglied der Umweltkommission, und Karl von Burg, zuständig für die Schnitzelheizung, begutachten die Tonne mit dem Filterstaub aus der Schnitzelheizung in der Fernwärmezentrale.

Der Selzacher Gemeinderat will den Stromrappen voll und ganz zweckgerichtet für klimafördernde Projekte einsetzen.

Am kommenden Montag können die stimmberechtigten Selzacherinnen und Selzacher es ihren Jugendlichen nachtun und sich fürs Klima einsetzen. Denn der Gemeinderat hat ein Nachhaltigkeitsreglement zuhanden der Gemeindeversammlung verabschiedet. Einerseits sollen Förderbeiträge ausgerichtet werden, um die nachhaltige Erzeugung und Verwendung von Energie zu unterstützen und die Umwelt zu schonen. Andererseits soll ein Nachhaltigkeitsfonds eingerichtet werden.

Förderbeiträge und Fonds werden aus den Mitteln der Vergütung der konzessionierten Stromversorger finanziert. Was kompliziert tönt, ist einfach und wurde bisher auch praktiziert. Der Stromversorger AEK vergütet der Gemeinde 1,1 Rappen pro verbrauchte Kilowattstunde der Selzacher Strombezüger. Das sind etwas über 100'000 Franken jährlich. Die nicht für Förderbeiträge verwendeten Mittel flossen bisher in die Gemeindekasse für irgendwelchen Aufwand. Neu sollen sie Ende Jahr in den Nachhaltigkeitsfonds eingelegt werden. Für diesen Fonds braucht es neu ein Reglement.

Der Fonds muss an die Gemeindeversammlung

Während das Reglement von der Gemeindeversammlung verabschiedet werden muss, sind die Richtlinien für die Förderbeiträge Sache des Gemeinderats. «Hier will sich der Gemeinderat etwas Freiheit bewahren, die Richtlinien dynamisch anzupassen», erklärt Gemeinderat Beat Kohler, Mitglied der Umweltkommission von Selzach.

Gefördert werden Solaranlagen, Wärmedämmung oder Heizungsanlagen. Neu ist, dass laut Richtlinien auch Biodiversitätsprojekte gefördert werden können. Will jemand beispielsweise eine Magerwiese unterhalten, kann er um einen Förderbeitrag anfragen. «Bei der Biodiversität wissen wir noch nicht recht, was wir wie stark unterstützen wollen. Da müssen wir Erfahrungen sammeln, und da brauchen wir auch Unterstützung von Externen», so Kohler. Zu möglichen Förderprojekten gehören etwa das Pflanzen von Bäumen, die Pflege von schützenswerten Einzelbäumen, das Pflanzen von Hecken und Strauchgruppen oder das Anlegen von Ödlandflächen. «Pionierpflanzen, Insekten oder gewisse Bienen- und Wespenarten brauchen diese Ödlandflächen zum Überleben. Ob diese Richtlinie zum Zuge kommen wird, werden wir sehen», erklärt Kohler. «Die ersten Beiträge in Sachen Biodiversität würden wir sicher genau dokumentieren, um für spätere Anfragen gerüstet zu sein», sagt Kohler.

Bei den übrigen Förderbeiträgen werden die Richtlinien des Kantons angewandt auf Stand 2007. «Es gibt einige Dinge, die der Kanton inzwischen nicht mehr unterstützt, wir aber weiterhin unterstützen wollen, beispielsweise Fenster», so Kohler. Reichen die Mittel für das laufende Rechnungsjahr nicht aus, um allen eingegangenen, bewilligungsfähigen Beitragsgesuchen zu entsprechen, erfolgt deren Behandlung, respektive Auszahlung, in der nächsten Rechnungsperiode.

Holt sich Selzach das Energiestadt Gold-Label?

Etwas anders verhält es sich mit dem Nachhaltigkeitsfonds, der mit den Restgeldern geäufnet wird, aber nur wenn die Gemeinderechnung nicht negativ ist. Die Gelder daraus sollen zur Erreichung von Entwicklungszielen aus drei Bereichen verwendet werden: das Räumliche Leitbild, die Legislaturziele des Gemeinderates und das energiepolitische Aktivitätenprogramm (Energiestadt-Label). «Das Restgeld aus der Rückvergütung soll zielgerichtet verwendet werden und nicht einfach in die Gemeindekasse fliessen», so Gemeindeschreiber Mario Caspar.

«Wir können nun auch als Gemeinde selber Projekte mit Geld aus dem Fonds umsetzen», ergänzt Kohler und nennt einige Beispiele: Die Gemeinde soll Besitzer von Bäumen, die im Leitbild als erhaltenswerte Einzelobjekte aufgelistet sind, mit Beiträgen bei der Pflege unterstützen. Ein Legislaturziel ist das Energiestadt-Label. Massnahmen zur Erreichung dieses Ziels, die der Gemeinderat aktuell prüft, sind etwa E-Tankstellen oder Holzschnitzelheizungen. Aktuell hat Selzach

56 Prozent der möglichen Massnahmen umgesetzt. Um das ebenfalls angestrebte Gold-Label zu erhalten, muss Selzach 75 Prozent umsetzen. «Das Label zu erreichen, ist für ein kleines Dorf wie Selzach, schwierig. Aber wenn wir unsere Dächer mit Photovoltaik-Anlagen bestücken würden, kommen wir in die Nähe», erklärt Kohler. «Mit dem Fonds erhalten wir zudem eine gewisse Planungssicherheit und könnten kontinuierlich Investitionen anpacken», so Caspar.

Mit den Richtlinien insbesondere zur Biodiversität sowie dem Nachhaltigkeitsfonds würde Selzach Werkzeuge erhalten, die es in anderen Gemeinden nur ansatzweise gibt.

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