Oberdorf
Schwitzen auf dem Weissenstein: Freiwillige gestalten den Juragarten neu

Dank tatkräftiger Freiwilliger wurde der Westeingang des Juragartens auf dem Weissenstein innert Kürze neu gestaltet.

Christina Vaveris
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Auf der Westseite, zwischen Seilbahn und Hotel Weissenstein, wurde der Eingang zum Juragarten neu gestaltet.

Auf der Westseite, zwischen Seilbahn und Hotel Weissenstein, wurde der Eingang zum Juragarten neu gestaltet.

Oliver Menge

«Oh! Schau, das Ysopblättli!», ruft Regine Anderegg erfreut. Sie zeigt auf ein kleines Büschel. «Ysopblättriges Gliedkraut» steht auf dem Infotäfelchen. «Das haben wir letzten Herbst bei strömendem Regen gepflanzt und einfach gehofft, dass es Wurzeln schlägt.»

Der Juragarten unterhalb des Kurhauses Weissenstein ist ein bisschen wie eine Wundertüte. Mal wächst ein Kraut und nimmt sich den ganzen Hang, manchmal dauert es ewig, bis ein kleines Pflänzchen auch nur ein paar Zentimeter grösser ist.

Die Geschichte des Juragartens reicht bis in die 1950er-Jahre zurück, als der Verkehrsverein Weissenstein (heute Pro Weissenstein) gegründet wurde. Seit 1977 ist der Garten kantonal geschützt. In diesem Garten sieht man die typischen Pflanzen des Juras. Gegen 150 verschiedene Stauden, Kräuter und Blumen aus der Region sind hier zu sehen.

Unter der Terrasse ist ein Teil des weitläufigen Juragartens.

Unter der Terrasse ist ein Teil des weitläufigen Juragartens.

Oliver Menge

Der Westeingang wird neu gestaltet

Und heute wird ihm ein angemessener Begrüssungsplatz gebaut. Deshalb wollen Regine Anderegg und Eicke Knauer – die beiden sind seit 2016 Leiterinnen des Juragartens – jetzt auch wieder zurück zu den Männern, die am Arbeiten sind. Regine Anderegg nimmt sich einen Pickel und arbeitet am Hang, um die letzten grossen Steine rauszubekommen. Eicke Knauer zieht sich die Handschuhe über und packt ebenfalls an. «Wir müssen noch die Büsche pflanzen», sagt sie.

Die Arbeiten am Juragarten und Leiterin Regine Anderegg im Interview.

Oliver Menge

Schönes Wetter und gute Stimmung bei der Arbeit

Es geht schnell an diesem Samstagmorgen. Bei schönstem Sonnenschein pickeln, jäten und schaufelt eine Handvoll Männer in der Erde, sodass am Schluss aus der hügeligen Ecke eine ebene Fläche wird. Die Felsbrocken, die sie aus der Erde graben, kommen auf einen Haufen. Sie dienen als künftiger Lebensraum für Mäuse, Eidechsen und andere Tiere.

Die Freiwilligen bei der Arbeit.

Die Freiwilligen bei der Arbeit.

Oliver Menge

Der Garten wird dank ehrenamtlicher Arbeit gepflegt und stets verschönert. Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus, hält ebenfalls eine Schaufel in der Hand. Er ist einer der Freiwilligen. «Mir liegt die Umgebung am Herzen», sagt er.

«Und um es schön zu haben, muss man auch hin und wieder Hand anlegen.»

Als Mitglied von Pro-Weissenstein meldet er sich häufig für die Freiwilligen-Einsätze: «Man sieht am Schluss, was man getan hat, das ist ein schönes Gefühl.» Schön sei auch, dass man gemeinsam etwas erschaffe. «Diesmal sind vom Kurhaus, von der Bergbahn und von Pro Weissenstein Leute dabei», sagt Hofer.

Soeben ist der frische Mergel angekommen, der jetzt gleichmässig auf der geebneten Fläche verteilt wird.

Oliver Menge

Thomas Probst hält kurz inne und stützt sich auf die Schaufel. Ist es anstrengend? «Man macht es halt nicht jeden Tag», sagt der Pensionär, der Teilzeit für die Bergbahn arbeitet. «Aber die Arbeit ist sinnvoll», fügt er an, «wenn man nichts macht, sieht es nicht schön aus.»

Bald kommt die Infotafel des Kantons

Christoph Allemann, Techniker vom Kurhaus Weissenstein, hat bereits die kleine Maschine in Gang gebracht, die nun den Mergel glatt walzt. Hämmernder Lärm hallt über den Weissenstein. Werner Baumgartner, Präsident von Pro Weissenstein, läuft vorbei: «Diese Maschine habe ich auf einer Auktion erstanden», ruft er stolz, um den Lärm zu übertönen, «für 300 Franken.» Sie leistet gute Dienste, wann immer ein Weg oder ein Platz auf dem Weissenstein gebaut wird.

Ein paar Stunden später sind die Büsche gepflanzt, der Boden gemacht und die Treppe gebaut. Die graue Wand wird ebenfalls bald verschönert: «Hier kommt die grosse Tafel hin, die vom Kanton gespendet wird», sagt Eicke Knauer.

Oliver Menge

Darauf wird man über die Geschichte des Juragartens lesen können, der 1957 eingeweiht wurde, und über die Flora im Jura. Und wer mehr wissen will, geht ein paar Schritte und kann jurassischen Braunwurz, Mondviolen, Rapunzeln, Kälberkopf, Wallwurz, Baldrian und vieles mehr bestaunen. Und nun natürlich auch das Ysopblättrige Gliedkraut.

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