Zuchwil

«Mit manchen Stücken verbinden wir Geschichten»: Aus Skateboards entstehen kreative Möbel

David Zuber und Aron Gaspar können ihre Spielgeräte nicht fortwerfen und erschaffen daraus in der «Wärchi No. 8» in Zuchwil Neues.

Sie sind bunt, aber dezent, stylish, aber nicht zu cool und sie sind alles andere als Massenware, sondern Unikate, die Möbel von Aron Gaspar und David Zuber. Entstanden ist die Idee, zu diesen einzigartigen Liebhaberstücken aus der Leidenschaft zu einem Gegenstand, der ihnen in den vergangenen 20 Jahren ans Herz gewachsen ist – dem Skateboard. Seit klein skaten die Jungs. «Mehrheitlich auf der Strasse», wie sie erzählen. Von einem Skaterpark träumen sie und ihre Kumpels schon seit Jahren: «Und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir in Solothurn so etwas auf die Beine stellen können.»

Sie üben ihr Hobby intensiv aus, so sehr, dass sie pro Jahr rund 10 bis 15 Skateboards «z Bode» fahren. Die Räder und Achsen können oft weiterverwendet werden, aber die Decks sind hinüber, gebrochen oder zu instabil. An diesen Decks hängen Aron (28 Jahre alt) und David (27): «Manche haben ein besonderes Design, mit anderen verbinden wir eine bestimmte Geschichte.» Wegwerfen geht nicht. So stapeln sich die Decks. Aron machte sich ein improvisiertes Regal daraus. David ging weiter: «Zusammen mit meinem Vater begann ich die Decks zu zerschneiden und daraus einen Tisch zu bauen.»

Die Skateboards werden vollständig verwertet

Während Aron Gaspar zwar einen handwerklichen Hintergrund hat, aber als Maler aus einer ganz anderen Branche, kommt David Zuber aus dem Verkauf. Aktuell studiert er zudem Produkte-Design. Das Handwerk des Schreiners haben sie so beide nie erlernt. Aber sie haben eine unglaubliche Motivation, sich das nötige Know-how mittels Recherche sowie vielen Tüfteleien anzueignen. Denn Davids Tisch hat die Lust nach mehr solcher Möbel geweckt. Der Aufwand ist riesig, das Resultat bestechend. Die Decks werden zuerst abgeschliffen, danach der Länge nach in schmale Leisten geschnitten. Jedes Deck besteht aus sieben Holzschichten. Kanadisches Ahornholz, naturbelassen oder mit einer Farbe gebeizt. Und zwar in allen Schattierungen. Die schmalen Streifen werden so nebeneinander angeordnet, dass es immer wieder einen anderen Farbverlauf gibt. Die Schichten werden verleimt, gepresst, in Form gebracht. Aktuell arbeiten sie an einem Tisch, der 2,8 Meter lang werden soll. Dafür werden rund 110 Decks verarbeitet.

Da Zuber und Gaspar die Möbel nebenberuflich machen, haben sie der Kundin eine Lieferzeit von bis zu drei Monaten vorausgesagt: «Wir investierten – und investieren auch heute noch – unzählige Stunden in Recherche: Welcher Leim ist perfekt, wie lange müssen wir es trocknen lassen usw.»

Nachhaltigkeit ist ihnen wichtig: Die runden Abschlüsse der Decks werden zusammengeklebt, und auf der Drehbank wird daraus eine Schüssel gedrechselt. Zerbrochene Decks, die ausgefranst sind, ergeben stylishe Lampen. Kleine Teile werden zu Flaschenöffnern, und aus den Spänen versucht David aktuell Platten herzustellen.

«Wir haben noch ganz viele Ideen»

Zusätzliches Holz für die Tische erhalten sie von Sägereien – oder kaufen es dort. Die ganz grossen Teile dürfen sie in der Schreinerei Frei in Deitingen schleifen gehen. Und immer wieder tauschen sie sich mit Fachleuten aus. «Wir haben noch ganz viele Ideen», verkünden sie. Massenware möchten sie nie produzieren, aber: «Es wäre schon schön, wenn wir aus diesem Hobby irgendwann mal unseren Hauptverdienst machen könnten.»

Doch zuerst sollen nun kleine Tische, Lampen und andere Objekte, vorgefertigt werden. Denn nächstes Jahr möchte «Wärchi No. 8», so ihr Name, an die Öffentlichkeit gehen, sei es an einer Ausstellung oder mit einem Online-Shop. Die Zeichen stehen gut. Der Trend zur Nachhaltigkeit gibt ihnen Aufschwung und die Tatsache, dass bis jetzt die Mehrheit der Auftraggeber gar keinen Bezug zur Skaterszene hat, zeigt, dass die Produkte, die aus einem jungen, etwas wilden Lifestyle entstanden sind, eben nicht nur Freaks, sondern die breite Masse ansprechen.

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