Eishockey
Mission «Rückkehr unter Top 8 der Welt»: U20-Nati ist in Zuchwil zurück auf dem Eis

Die Eishockey-U20-Nationalmannschaft hat die Saison in Zuchwil in Angriff genommen. Mutig soll es fortan gegen die Grossen der Welt ans Werk gehen – das fordert der neue «Power-Coach» Christian Wohlwend.

Michael Schenk (Text); Tina Dauwalder, Thomas Ulrich (Bilder)
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Der Puck liegt im Tor – insgesamt 18 Treffer gelangen der Schweizer U20-Nationalmannschaft in den beiden Testspielen.

Der Puck liegt im Tor – insgesamt 18 Treffer gelangen der Schweizer U20-Nationalmannschaft in den beiden Testspielen.

Thomas Ulrich und Tina Dauwalder

Eishockeyaner sind coole Typen – wen wunderts also, wenn man sie bei 30 Grad Aussentemperatur in der knapp 10 Grad kühlen Halle findet. So wie die U20-Nati, die in Zuchwil zur Mission «Rückkehr unter die Top 8 der Welt» gestartet ist.

Über Weihnachten/Neujahr steht für die talentiertesten aller begabten Kufen-Teens dieser Stufe die WM in Montreal und Toronto an. Und da bitte schön soll es keine dritte, haarig-peinliche Pleite gegen Dänemark in Folge absetzen.

Eh ja, sodass man am Ende womöglich erneut in der trümmligen Abstiegsrunde landet. «Wenn wir an der WM wieder gegen die Dänen verlieren, sind wir wirklich Holzköpfe», sagt der neue U20-Coach Christian Wohlwend kernig. Ohne dabei den Dänen selbstverständlich zu nahe treten zu wollen. Freilich sei das eine Frage der Einstellung. «Dänemark ist ja nicht Kanada oder Russland oder die USA».

Zum Chef aufgestiegen

Wohlwend ist vom Assistenten von John Fust auf diese Saison zum vollamtlichen Chef der U20 «aufgestiegen». Der gebürtige Kanadier, der mit seiner kanadischen Frau und seinen zwei Kindern im Thurgau lebt, ist mit A-Nati-Trainer Patrick Fischer und den Assistenten Tommy Albelin und Thierry Paterlini mehr oder weniger als «Think Tank» für die A- bis U18-Nati verantwortlich.

Der fast 700-fache NLA-Spieler Paterlini ist Headcoach der U18. «Damit wollen wir gewährleisten, dass auf allen höheren Nachwuchsstufen bis hinauf in die A-Nati nach den gleichen Prinzipien und derselben Ideologie trainiert und gespielt wird», sagt Wohlwend.

Allein, der Start in die Saison 2016/17 ist der U20 auf dem «Gletscher» zu Zuchwil vielsprechend geglückt. Nach einer intensiven Trainingswoche im Sportzentrum deponierten die Eisgenossen ihre deutschen Altersgenossen in den beiden abschliessenden Testspielen mit 10:0 und 8:1 im hintersten Winkel der Besenkammer.

«90 Prozent der Spieler, die in Zuchwil und nächste Woche am 4-Nationen-Turnier in Dresden dabei sind, werden auch an der WM für die Schweiz auflaufen», hält der 39-jährige Coach fest. Bedingt primär dadurch, dass die diversen Meisterschaften noch nicht begonnen haben und alle «Überseer» und teils NLA-Spieler, die sonst nicht unbedingt «frei» bekämen, Zeit für die U20-Nati haben.

Achtung, fertig, Vollgas!

«Wir müssen davon wegkommen, hinten dichtzumachen und darauf zu hoffen, dass uns vorne mithilfe des lieben Gotts mal das eine oder andere Tor gelingt», beschreibt Wohlwend seine Philosophie. Man müsse auch gegen Topnationen spielen wie in Zuchwil gegen Deutschland – also nach dem Motto: Achtung, fertig, Vollgas. «Nur so machen wir den nächsten Schritt.»

Mit dem Risiko, dass die Post hie und da mal volle Kanne nach hinten losgeht. Diese offensive, mutige Ausrichtung soll das Schweizer Eishockey künftig prägen und weiterbringen. «Alle anderen können schliesslich auch Schlittschuh laufen und haben technisch etwas drauf – da gewinnen wir nichts mehr», so «Energiebarren» Wohlwend.

Ganz dem dritten Gesetz von Newton über Kräfte, die aufeinander wirken und die daraus folgenden Reaktionen, heisst es also unter dem Schweiz-Kanadier: Angreifen, und zwar kräftig. Der Auftritt der U20-Nati in Zuchwil war in dieser Hinsicht auf jeden Fall schon mal nachhaltig und überzeugend.