Das war keine überraschende Mitteilung, die Bernhard Bücheler und Urs Krattiger als Regionalverantwortliche der Post dem Gemeinderat eröffneten. Seit 2006 denkt die Post – gestützt auf einen Auftrag des Bundes – über das Netz der Zukunft nach. Darauffolgende Gespräche mit dem Regierungsrat haben zur Überprüfung der Poststellen im Kanton geführt. Der Gemeinderat wurde bereits zweimal orientiert. «Es soll bis 2020 kein radikaler Umbau stattfinden: 800 Poststellen sollen in der Schweiz erhalten bleiben», so Büchler. Inzwischen sind gemäss betriebswirtschaftlichen Kriterien viele Filialen geschlossen worden. An deren Stelle ist eine Kombination aus «physischen und digitalen Angeboten», so Bücheler, entstanden. Neben die von der Post selbst betriebenen Filialen sind Agenturen, Hausservice im ländlichen Raum und Servicepunkte getreten.

«Filiale arbeitet defizitär»

Krattiger umriss am Beispiel Langendorf, dass Postdienstleistungen seit Jahren deutlich weniger in Anspruch genommen werden. Dies, obwohl in Rüttenen und Oberdorf die dortigen Poststellen geschlossen und zu Mehrbetrieb in Langendorf hätten führen können. Doch in beiden Gemeinden griffen bereits angepasste Dienstleistungen. 2018 habe sich das Kundenverhalten in Langendorf so verändert, dass 15 Prozent weniger Briefe und 18 Prozent weniger Pakete aufgegeben wurden sowie 2 Prozent weniger Einzahlungen erfolgten im Vergleich zum Vorjahr. «Wir sehen, dass die Aufgabenmenge tief bleibt, und die Filiale weiterhin defizitär arbeitet.» Deshalb habe die Post in der Genossenschaft Migros einen Partner gesucht und gefunden, der demnächst im Obergeschoss des Einkaufszentrums Langendorf eine bediente Postagentur betreibt.

Dort werde man während der 65-stündigen wöchentlichen Öffnungszeit des Zentrums sämtliche Postgeschäfte erledigen können. Das Personal werde dafür geschult und begleitet, bekräftigten die Postverantwortlichen. Am Montag 4. März, 19 Uhr, will die Post im Konzertsaal der Bevölkerung ihr neues Modell vorstellen und dazu auch die beiden Nachbargemeinden einladen. Der Gemeinderat Langendorf wird sich seine schriftlich erwartete Zustimmung bis dahin überlegen und Angebote anregen für die Personen, die wie Ratsmitglied Ivan Flury kritisch einwarf, «durch das neue System total überfordert sind».

Auch das Schicksal der Post-Mitarbeitenden lag dem Rat am Herzen. «Die Information an unsere Angestellten folgt. Wir wollen in Gesprächen klären, ob eine Weiterbeschäftigung möglich ist oder eine andere Lösung gesucht werden muss», so Bücheler, der sich über den terminlichen Start der neuen Agentur noch ausschwieg.
Gemeindevizepräsident Daniel Hürlimann, der die Gemeinderatssitzung leitete, zeigte sich erleichtert, dass die Öffentlichkeit jetzt endlich offen informiert werden könne.