Gerlafingen

Migros entschuldigt Nicht-Information und orientiert Gemeinderat über Pläne auf dem Areal der Papierfabrik

Die Montage zeigt die Kubaturen und Lage der künftigen Bauten für die Versandzentren der Post und der Migros. (Illustration)

Die Montage zeigt die Kubaturen und Lage der künftigen Bauten für die Versandzentren der Post und der Migros. (Illustration)

Der Gemeinderat von Gerlafingen wird (im Nachhinein) zu den Plänen auf dem Areal der Papierfabrik Utzenstorf orientiert.

Der Projektleiter der Migros Aare, Philippe Schütz, setzte den Gemeinderat über die Planungen für das Gelände der ehemaligen Papierfabrik in Utzenstorf ins Bild. Er entschuldigte sich, die Gemeinde Gerlafingen, deren Ortsdurchfahrt von Mehrverkehr betroffen sein wird, nicht früher informiert zu haben. Immerhin: Gemeindepräsident Philipp Heri erhält Einsitz in der aktuell gegründeten Begleitkommission. Und auch die Zusammenarbeit mit solothurnisch-kantonalen Behörden sei gesichert.

So wie es bereits in der Informationsveranstaltung in Utzenstorf vor 560 Beteiligten erläutert wurde, ist der Rückbau der Anlagen im Gange und soll bis 2022 abgeschlossen sein. «Alle Altlasten sind dann aus dem Boden entfernt, denn die Neubauten sollen sozusagen auf der grünen Wiese stattfinden», so Schütz. Das generelle Baugesuch mit Umweltverträglichkeitsbericht wurde schon Ende Januar eingereicht. Weiterhin in Betrieb bleibt noch das Altpapier-Aufbereitungswerk.

Auf 50'000 Quadratmeter Fläche sollen Digitec/Galaxus und die Post ab 2024 ihren Betrieb aufnehmen. Langfristig könnten total 125'000 Quadratmeter Fläche bebaut werden. Gerechnet werde im ersten Teil mit 400 Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Jobprofilen, auch das lokale Gewerbe werde von dieser Ansiedlung profitieren. Auf Nachfrage quantifizierte Schütz die Arbeitsplatzstruktur in 20 Prozent hoch und besser qualifizierte Mitarbeitende sowie Unterstützer der hoch technisierten Anlagen der Versandunternehmen. «Ohne Menschen funktioniert das nicht.» Sorge bereitete dem Gemeinderat die zusätzliche Verkehrsbelastung in Gerlafingen, das jetzt täglich 11000 Durchgangsfahrten (Auto und Laster) zählt. Mit 200 täglichen Fahrten, also 9 bis 10 pro Stunde zusätzlich, sei zu rechnen, meinte Schütz. «Dies ist ein LKW-Mehrverkehr von rund 25 Prozent», so Heri. Was Utzenstorf – bis zu veränderten künftigen Erschliessungen – zu einem «Flaschenhals» machen wird, soll nicht auf dem Gerlafinger Strassennetz passieren, betonten Ratssprecher. Nochmals ins Gespräch brachte Heri, dass Logistikunternehmen eigentlich besser nahe an der Autobahn, beispielsweise wie im Bolacker, positioniert würden. «Auch diese Möglichkeiten prüfen wir», sicherte Schütz zu.

Zielmatten und (wahrscheinlich) kein Ende

Der Gemeinderat setzte sich schon im Vorfeld der Sitzung erneut und intensiv mit der vorgesehenen Teilzonenplanänderung und den anwaltlichen Schriftsätzen zum Gebiet Zielmatten auseinander. Einstimmig lehnte er die Einsprache der Grundeigentümerin, der Moser Maschinen und Immobilien AG, gegen die Neuzuteilung und gegen die Gestaltungsplanpflicht ab.

Das 2007/2008 erworbene grosse Gelände südlich des Freibades Eichholz wollte das Unternehmen für Gewerbebauten nutzen. Wegen anderer Aufgaben verschob die Firma Moser fast zehn Jahre lang dieses Projekt. Inzwischen erarbeitete die Gemeinde Gerlafingen fürs gesamte Ortsgebiet gemäss neuem Raumplanungsrecht Zonenplanänderungen. Die Teilzonenplanänderung Zielmatten wurde im Mai 2019 öffentlich aufgelegt. Die darin angestrebte Nutzungsplanung soll gemäss genehmigtem Leitbild mit den Entwicklungsabsichten der Gemeinde künftig besser übereinstimmen. «Wir wollen hier einen stufenweisen Übergang zu qualitativ hochwertigen Wohnbauten schaffen und gleichzeitig das Gewerbe erhalten», so Philipp Heri.

Die Teilzonenplanänderung teilt das Gebiet Zielmatten in einen nördlichen Teil mit Gewerbezone und einen südlichen, ausgelegt als Wohnzone, die in der Gebäudehöhe den umgebenden Wohnbauten entsprechen soll. Nicht zulässig sind Betriebe mit deutlicher Lärmentwicklung und hohem Verkehrsaufkommen. Die bisher im Gebiet geplanten Hallen, von der Firma als Occasionen bereits erworben, passen nicht mehr in den Planungsbereich, der sich am Raumplanungsgesetz und am Kantonalen Richtplan orientiert. «Vor allem geht es darum, die letzten zusammenhängenden, bisher unbebauten Landreserven in unserer Gemeinde für künftige Wohnzonen zu sichern», erklärte Heri den schon mehrfach behandelten Sachverhalt. Man habe Varianten und sogar einen leider nicht realisierbaren Landtausch zugunsten der Firma geprüft.

Die zahlreich vorgebrachten Argumente gegen die geplante Nutzungsänderung wurden in der Gemeinderats-Diskussion entkräftet. So beispielsweise den angeblichen Überhang an Wohnungen in Gerlafingen, das mit seinem letztjährigen Leerwohnungsbestand von 2,53 Prozent sogar unter dem kantonalen Durchschnitt von 3,4 Prozent liegt. «Wir wollen jetzt mit der Ablehnung der Einsprache nicht in Panik verfallen», hiess es unisono – auch wenn mit einem Weiterzug der Beschwerde zu rechnen sei.

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