Hersiwil

Man ist unter Nachbarn und stellt gemeinsam aus

Godi Tresch, Erika Bosshard und Paul Heer (v.l).

Godi Tresch, Erika Bosshard und Paul Heer (v.l).

Erika Bosshard, Paul Heer und Godi Tresch sind Nachbarn. Atelier-Nachbarn. Nun zeigen sie ihre Arbeiten im Näijerehuus Hersiwil. Bei allen Unterschieden in ihrer Arbeitsweise – die drei inspirieren einander auch immer wieder.

In der letzten Ausstellung vor der Sommerpause zeigen Erika Bosshard, Paul Heer, beide aus Recherswil, und Godi Tresch aus Biberist ihre Malereien, Skulpturen, Plastiken und – im Garten des Näijerehuus – Heers Bonsai. Er ist ein Experte darin. 1992 hat er mit der japanischen Art der Gartenkunst angefangen. In Hersiwil sind bis auf die Ausnahme einer eindrücklich blühenden japanischen Satsuki-Azalee, nur einheimische Bäume zu sehen, deren Standort auch bei Heer zuhause draussen ist. Viele seiner Bäume sind Findlinge, er geht sie eigenhändig ausgraben. Nicht illegal; er hat an fünf Orten in der Schweiz eine Erlaubnis dafür. Aus dieser skulpturalen Art der Baumpflege ist Jahre später Heers bildhauerische und plastische Tätigkeit entstanden. Inzwischen malt er auch. Seine Partnerin Erika Bosshard hat vor vier Jahren mit der Malerei angefangen. Und ihn hats wenig später auch gepackt. Heute teilen sie sich in der «Papieri» in Biberist ein Atelier.

Inspirierende Gegensätze

In vielem sind sie sich sehr ähnlich. In manchem aber auch unterschiedlich, wenn nicht schon fast gegensätzlich. Während Heer das Wachstum und die Form seiner Bonsai bis ins Letzte vorgibt und lenkt, mag Bosshard das unkontrollierbare Eigenleben der Farbe auf der Leinwand. Einige kleine Bilder erinnern an die Marmoriertechnik. Sie spricht von Giessen. Dafür verwendet sie Acrylfarbe mit Silikon und Öl. Auf der Leinwand verteilt sich dann die Farbe und das Ergebnis ist bis zu einem gewissen Grad eine Überraschung. Diese Unvorhersehbarkeit gefällt ihr. «Man kann es höchstens ein bisschen steuern», so Bosshard.

Ihre Bilder sind abstrakt. Sie macht Collagen, verwendet Gipsbinden, Karton und Strukturpaste; die Airbrush-Farbe mischt sie mit Beize und Sprit. Das Mischen und Experimentieren mit Chemie und verschiedenen Materialien interessiert sie.

Ganz anders ist Godi Treschs Umgang mit Farbe, die er, manchmal ungemischt und dick, mit dem Pinsel nach genauen Vorstellungen auf die Leinwand aufträgt. Er malt gegenständlich. Für ihn ist seine Malerei Ausdruck der momentanen Befindlichkeit. Über zehn Jahre lang hat er aquarelliert, bevor er 2017 die Acrylfarbe entdeckte. Seine ausgestellten Bilder zeugen von der Freude am Experimentieren, mit Blattgold zum Beispiel. Aber auch mit den Formaten der Leinwand oder dem Farbauftrag. «Das Leben an sich ist ein Experiment», sagt er, und sein Hobby entsprechend auch. Obwohl er neugierig sei auf die Reaktion der Leute, habe er nicht den Anspruch, dass seine Bilder gefallen müssen. «Wenn es jemandem gefällt, umso besser», so Tresch.

Die Ausstellung ist bis zum 7. Juli 2019 zu sehen.

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