Lüsslingen-Nennigkofen
Naturnaher Gartenbau: Wachsen lassen, was von selber spriesst

Zwei Vorzeigeobjekte für naturnahen Gartenbau inspirieren Gartenbesitzer in Lüsslingen-Nennigkofen.

Marlene Sedlacek
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Im Kulturhof Weyeneth erklärt Albert Weyeneth (rechts) den Besucherinnen und Besuchern die Hügelbeete.

Im Kulturhof Weyeneth erklärt Albert Weyeneth (rechts) den Besucherinnen und Besuchern die Hügelbeete.

Marlene Sedlacek

Der Umweltkommission Lüsslingen-Nennigkofen ist eine naturnahe Gestaltung des Dorfes ein wichtiges Anliegen. Bei vielen gemeindeeigenen Liegenschaften und Plätzen werde grosser Wert auf eine artenreiche Bepflanzung gelegt, welche die Biodiversität fördere, betonte Doris Weyeneth. Sie würde es jedoch schätzen, wenn mehr Privatgärten in diesem Sinne angelegt und gepflegt würden. Deshalb organisierte die Kommission eine Führung durch zwei in Sachen Biodiversität vorbildliche Objekte. Zahlreiche Gartenbesitzer und -besitzerinnen nahmen am Anlass teil und liessen sich in den Gärten der Genossenschaft Kirschblüte und des Kulturhofs Weyeneth inspirieren.

Raum lassen, damit die Natur sich entfalten kann

Auf dem Feld der Genossenschaft stehen Kopfsalat, Spinat, Zwiebeln und Fenchel in Reih und Glied auf langen Beeten. In Pflanztunnels wachsen Tomatenpflanzen an Schnüren hoch. Gärtner und Gärtnerinnen stecken neue Setzlinge in die Erde. Zwischen den Kulturpflanzen liegt eine dicke Mulchdecke aus Grasschnitt, das Unkraut zwischen den Spinatpflanzen wird mit verrottbarer Folie in Schach gehalten. Keine zwei nebeneinanderliegenden Beete sind mit demselben Gemüse bepflanzt.
Betriebsleiter Marco Principi zeigte den Besuchern und Besucherinnen auf der Führung über seine Latifundien, wie sich die Natur abseits der Beete entfaltet. Weiden machen sich breit, da und dort ein Feigenbaum, eine wilde Birne. Darunter gedeihen Beinwellstauden und Brennnesseln. Ein Horst Bambus zur Eigenproduktion von Bambusstangen. Vieles sei hier selber gewachsen, erklärte der Garten- und Landschaftsarchitekt.

«Man muss der Natur Raum lassen und schauen, was passiert.»

Im Lauf der zehn Jahre, die er die zweieinhalb Hektaren Land bewirtschaftet, habe sich die Anzahl der Arten von ein paar Duzend auf Hunderte diverser Pflanzen erhöht, schwärmte er. Standorte, mit ganz unterschiedlichen Bedingungen böten einen Lebensraum für verschiedenartige Pflanzen. Nur schon eine Hecke, die den Wind abhält könne die Temperatur um ein bis zwei Grad erhöhen, was Pflanzen mit mehr Wärmebedarf zugutekäme. Selbstverständlich fehlen auch Stein- und Asthaufen nicht, wo sich Tiere einnisten und verstecken können.

Auf einem Teil der Fläche experimentiert Dario Principi mit Permakultur. Der Agronomie-Student legte den Garten im Rahmen seiner Bachelorarbeit an. «Es sieht chaotisch aus», gestand er ein. Da wachsen dicke Bohnen neben aufgestängelten Spargeln, rundherum Schnittlauch in voller Blüte, daneben gedeihen Erdbeerpflanzen. Wichtig ist ihm, auch Gewächse zu fördern, die von alleine spriessen. Er beobachtet, wie sich die verschiedenen Pflanzenarten gegenseitig unterstützen und nützen, was zur Philosophie der Permakultur gehört. Auch der Mensch ist Teil dieses Ökosystems. «Hier soll ein Ort sein, wo man entspannen kann», betonte er.

Eine Wohlfühlstätte für Pflanzen, Tier und Mensch

Im Garten des Kulturhofs Weyeneth tauchten die Besucher und Besucherinnen in eine üppige Welt von Pflanzen auf einem viel kleinerem Raum ein. Verschiedene Zonen laden auf eine Entdeckungstour ein. Hügelbeete, bepflanzt mit Gemüse und Kräutern, alte Bäume, in deren toten Ästen Spechte Nahrung suchen, ein Mosaik aus Pflanzen und Steinen zum Begehen, ein Spielplatz und ein Bienenhaus. Unter einem Weidengewölbe kann man sich niederlassen und die Kraft der Natur spüren. Hinter dem Haus stehen Hochbeete mit wohlduftenden Kräutern. Aber auch viele wild wachsenden Pflanzen könne man essen, wusste Albert Weyeneth. Warum nicht einmal Spaghetti mit Giersch ausprobieren? Oder Spitzwegerichköpfchen in Essig einlegen? Für den eigenen Garten empfahl er den Leuten auszuprobieren, was zusammen-passt. Er gab auch Tipps, wie man Stein- und Asthaufen erfolgreich anlegt, damit sich Tiere darin einquartieren. Die Vision des Agronomen und Naturheilpraktikers ist, eine blühende Oase zu schaffen, in der sich Menschen, Pflanzen und Tiere wohlfühlen.