Drei Kisten voller Pläne – genauer gesagt 73 Dokumente – umfassen die Planunterlagen für den Umbau der Bahnhöfe Biberist Ost und Gerlafingen und die dazwischenliegende Gleisanlage. Auch für Baufachleute ist es nicht ganz einfach, sich in die Materie einzulesen. Im 200-seitigen technischen Bericht werden auch explizit bahntechnische Fragen, wie etwa das Lichtraumprofil für die Bahn, oder Fragen zum Unterbau oder zur Entwässerung beantwortet.

Die Bahnhöfe Biberist Ost und Gerlafingen liegen an der Linie Solothurn–Burgdorf und werden durch die BLS bedient. Die BLS erneuert auf der gesamten Strecke ihre Sicherungs- und Perronanlagen.

Neu alles automatisch

Weil Biberist Ost und Gerlafingen die letzten verbliebenen Handweichenbahnhöfe auf dem Netz der BLS sind und dies ein Sicherheitsrisiko darstellt, wurde entschieden, den Umbau im Kanton Solothurn voranzutreiben. So soll in Biberist ein neues fernsteuerbares Stellwerk für beide Bahnhöfe gebaut werden. Die BLS investiert insgesamt 37 Mio. Franken in das Umbauprojekt, davon sind 23 Mio. für die Bahntechnik vorgesehen und davon wiederum 9,2 Mio. für die Signaltechnik. Im ganzen Projektperimeter werden die Weichen ausgewechselt, die Gleise teilweise erneuert, wo nötig leicht verschoben und die Linie begradigt. Mit dem Ausbau auf eine Doppelspur kann die Geschwindigkeit erhöht und damit die Fahrplanstabilität verbessert werden.

Die Arbeiten werden grösstenteils tagsüber und während des regulären Zugverkehrs erfolgen. Im Gleisbereich kann Nachtarbeit angeordnet werden, wenn die Arbeiten nur in den Betriebspausen bei gesperrtem Gleis möglich sind. Mit den Bauarbeiten soll bereits im September 2019 gestartet werden. Die BLS möchte die neue Linie ab Dezember 2020 betreiben. Abgeschlossen würde das Projekt mit dem vorliegenden Baufahrplan im Juni 2022.

Für die Kundinnen und Kunden der BLS verändert sich mit dem Umbau einiges. Das Wichtigste ist sicher, dass die heute noch bedienten Bahnhöfe automatisiert werden und die Billette künftig nur noch am Automaten bezogen werden können. Die beiden Bahnhöfe werden umgebaut, ebenso die Perrons, die neu ebenerdiges Ein- und Aussteigen ermöglichen.

Verbindung nach Bern

Mit der BLS kann man von Gerlafingen und Biberist aus nach Solothurn fahren. In die Gegenrichtung geht es nach Burgdorf und von dort aus weiter nach Bern, Langnau oder Thun. Im Jahr 2015 wurde der Bahnhof Biberist Ost von Montag bis Freitag von durchschnittlich 268 Ein- und Aussteigern genutzt. Gerlafingen verzeichnete durchschnittlich 518 Ein- und Aussteiger. Am Wochenende ist die Nachfrage bei beiden Bahnhöfen geringer.

Bis 2011 gab es in Biberist ein hohes Güterverkehrsaufkommen wegen der Papierfabrik Sappi. Auch in der künftigen Nutzung des «Papieri»-Areals soll der Güterverkehr weiterhin möglich sein, und die Schienenanlage wird erhalten. In Gerlafingen steht die Stahl Gerlafingen AG, die ein Grosskunde ist, was den Wagenladungsverkehr angeht. Jährlich werden rund 700 000 Tonnen Stahl auf der Schiene transportiert.

Die Unterlagen sind noch bis zum 6. November in den Bauverwaltungen Biberist und Gerlafingen einsehbar.