Im Gehege bewegt sich etwas. Die Schildkröten sind gerade erst von ihrem Winterschlaf aufgewacht und erkunden die Umgebung. Die Ferienpasskinder drängeln sich am kleinen Zaun, der umzufallen droht. Alle wollen die Schildkröten im Tierpark der Stiftung Solidaris streicheln. Der Tierpark ist ein Element im Tagesablauf der Bewohner des Wohnheims.

Die jüngste griechische Landschildkröte ist nicht zu sehen. Barbara Ruf erzählt den Kindern, dass sie im Sandhügel eine kleine Schildkröte gefunden hat. Nachwuchs, den sie nach Hause mitgenommen hat und dort aufzupäppeln versucht. «Die Schildkrötenkinder sind von Anfang an auf sich allein gestellt. Sie haben kein Mami und Papi», erklärt Ruf den Kindern, und der Kleine sei schwach.

Das Futter wird «versteckt»

In diesem Ferienpass lernen die Kinder Tierfutter herstellen. Sie lernen aber auch den Umgang mit Tieren. Draussen ist es kalt, also verlegen Barbara Ruf und Tierparkleiterin Debora Jost die Aktivität ins Gebäude mit der Kegelbahn. Dort steht ein Tisch mit ausgesuchten kulinarischen Spezialitäten – für die Tiere. Äpfel, Birnen, Petersilie, Salat und so weiter. «Wir bereiten das Futter so zu, dass die Tiere sich etwas Mühe geben müssen beim Auspacken oder beim Finden der Esswaren», erklärt Ruf. Also werden Apfel, Birnen und Co zerkleinert und gelöchert, damit sie auf einem Seil aufgereiht werden können – wie eine Girlande. Das Seil wird im Gehege gespannt, und die Tiere müssen sich strecken, um ans Futter zu gelangen. Auch in einer Kartonröhre wird Nahrung versteckt, zusammen mit Stroh, damit die Tiere die Nahrung herausziehen können. Und die feinen Nasen der Minipigs riechen die Nahrung sogar in einem Papiersack. Da hinein haben die Kinder Stroh und Nahrungsteile gemischt.

Draussen im Park wird die Tiernahrung verteilt. Hier dürfen die Kinder ins Hühnergehege und Körner in die Hand nehmen, die von den Tieren gepickt werden. Dabei müssen sich die Kinder in ihrem Eifer grosse Mühe geben, die Hühner nicht in eine Ecke zu drängen, so nahe möchten sie ihnen sein. Der Nachmittag vergeht im Flug, und der Abschied von den Tieren fällt schwer.

64 Kurse im Angebot

Am Ferienpass nehmen dieses Jahr insgesamt 190 Kinder teil (mit 942 Kursteilnahmen). Im Angebot hat es 64 Kurse, wobei ein paar doppelt angeboten werden. Der Ferienpass wird vom Familienverein Konfetti organisiert. Ein Team von acht Frauen steckte dieses Jahr dahinter, zudem sind während der Ferienpasswoche auch noch viele freiwillige Helfer im Einsatz. Finanziert wird der Ferienpass durch Sponsoren und durch Kursbeiträge der Kinder. Das Angebot in der Stiftung Solidaris helfe, die Institution in der Bevölkerung bekannt werden zu lassen und Verständnis für die Bewohner zu wecken, wie Kursleiterin Barbara Ruf erklärt. «Es ist eine Möglichkeit zu zeigen, dass die Bewohner zum Dorf gehören.»