In der Kirchgemeinde St. Niklaus, mit den Gemeinden Rüttenen, Riedholz, Feldbrunnen-St. Niklaus und dem Solothurner Steingrubenquartier, brodelt es. Stein des Anstosses ist die Teilrevision der Dienst- und Gehaltsordnung (DGO), die an der Kirchgemeindeversammlung heute Abend traktandiert ist.

Damit wird unter anderem das Gehalt des heutigen Gemeindeleiters von der Lohnklasse 19 in die Lohnklasse 22 angehoben und auch das Gehalt der Funktionsträger wird erhöht. Einige Kirchgemeinde-Mitglieder können das nicht verstehen. «Muss diese Revision jetzt unbedingt durchgezwängt werden, obwohl die Kirchgemeinde St. Niklaus voraussichtlich 2020 in einen gemeinsamen Pastoralraum mit Solothurn, Flumenthal und Günsberg überführt wird?», fragen sie sich.

In der bisherigen Dienst- und Gehaltsordnung, die aus dem Jahr 2013 stammt, wird der Pfarrer in die Lohnklasse 22 eingeteilt (Minimum 89'502 Franken Lohn, Maximum 134'254 Franken, je nach Erfahrungsstufe). Gemeindeleiter, priesterliche Mitarbeiter, Kaplan, Vikar und Laientheologen sind in der Lohnklasse 19 (Minimum 77'237 Franken, Maximum 115'855 Franken).

Der heutige Gemeindeleiter und Diakon arbeitet seit 2006 in der Kirchgemeinde St. Niklaus und ist in der höchsten Erfahrungsstufe der Lohnklasse 19 angelangt. «Die höhere Lohnklasse des Gemeindeleiters ist nur ein Teil der Teilrevision. Uns geht es mit der Revision der DGO darum Lohngleichheit, Lohngerechtigkeit und Transparenz zu schaffen», erklärt Kirchgemeindepräsidentin Krista Rüst auf Anfrage. Es bestehe in verschiedenen Punkten aufgeschobener Handlungsbedarf, der nicht bis 2020 warten könne.

Lohn nach Funktion eingestuft

Neu sollen in der DGO Gemeindeleiter, Pfarrer und Diakon in die Lohnklasse 22 eingestuft werden. In die Lohnklasse 19 würden priesterliche Mitarbeiter und Pastoralassistenten eingereiht. Der Kirchgemeinderat schlägt vor, dass der heutige Gemeindeleiter, wenn die neue DGO durch die Kirchgemeindeversammlung genehmigt wird, in der Lohnklasse 22 in die Erfahrungsstufe 13 eingereiht wird, was einem Lohn von neu 127'540 Franken entspricht.

Erklärt wird die Änderung damit, dass die Lohnkategorien neu nicht mehr primär nach Weihe, sondern nach Funktion und Aufgaben eingereiht werden sollen. «Damit sind wir in Linie mit den Empfehlungen des Bistums. Der jetzige Gemeindeleiter hat seit acht Jahren das Lohnmaximum erreicht und liegt unter vergleichbaren Positionen anderer Kirchgemeinden», so Krista Rüst weiter.

Zudem hätten sich, so ist es in den Unterlagen nachzulesen, die Verantwortung und der Umfang der Aufgaben immer mehr zur Gemeindeleitung verschoben, weil der Priester, der viele Jahre in der Kirchgemeinde tätig war, mit seinen heute 87 Jahren nur noch bei Eucharistiefeiern als priesterliche Aushilfe tätig ist. Früher bestand ein 50-Prozent-Pensum neben der Gemeindeleitung im Bereich Seelsorge. Demgegenüber fallen die sich stellenden Aufgaben und die Verantwortung heute ausschliesslich bei der Gemeindeleitung an, so Rüst. Gleichzeitig soll eine rechtliche Grundlage zur Entrichtung von Treueprämien, die bislang unterschiedlich gehandhabt wurden, eingeführt werden.

Die Anpassung der Jahresgehälter der Funktionsträger wird mit den «vielen sich stellenden, teils komplexen Aufgaben» der einzelnen Funktionen begründet. Aus Transparenzgründen sollen die Arbeiten der Funktionsträger in Zukunft als Gesamtentschädigung ausgewiesen werden und zusätzliche Entschädigungen würden nur noch in deutlich reduziertem Umfang und in begründeten Fällen zusätzlich ausgerichtet. Das Gehalt der Kirchgemeindepräsidentin soll neu auf 12'000 Franken angehoben werden. Bisher erhielt sie 6900 Franken und zusätzlich 3730 Franken für Schreibarbeiten.

Dazu kamen laut Rüst weitere Zusatzentschädigungen. Der Vizepräsident würde neu 2000 (bisher 1639 Franken) erhalten; der Präsident der Baukommission 4000 Franken (bisher 2491) und der Präsidenten der Betriebskommission 2000 Franken (bisher 1065 Franken). Weiter werden die Stundenlöhne des Reinigungspersonals von bisher 22 auf neu 30 Franken und der Abwarte und Sigriste von bisher 27 auf neu 32 Franken erhöht und die Pfarreiaushilfen gemäss den aktuellen Empfehlungen der römisch-katholischen Synode entschädigt.

Keine Auskunft gab Krista Rüst auf die Frage, mit welchem Stimmenverhältnis der Kirchgemeinderat den Antrag an die Gemeindeversammlung beschlossen hat. «Das Traktandum mit Beratung und Beschlussfassung wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Die Mehrheit des Kirchgemeinderates hat dem vorliegenden Antrag zugestimmt», erklärt sie.