Zuchwil

In der Kindertheater-Woche steht das Riechorgan im Mittelpunkt

In der Kindertheater-Woche Zuchwil lernen die Teilnehmer, auf der Bühne kreativ und selbstbewusst zu sein.

«Wäääh, das stinkt!» Dreizehn Kinder sitzen auf der Bühne, verziehen ihre Gesichter und halten sich die Nasen zu. «Bisch du das gsi?» In der Kinder Theater Woche Zuchwil geht es gerade um das Thema Riechen. Was die Kinder auf der Bühne spielen, entspringt ihren eigenen Erfahrungen und ihrer Fantasie. Zum Beispiel die Erinnerung an einen Hund, der sich in einer Pfütze gewälzt hat und der danach fürchterlich stinkt. Oder angenehme Gerüche wie die Blumen im Garten oder das Zmittag, das Mami oder Papi für sie gekocht hat. Dies setzen sie in dieser Woche unter Anleitung spielerisch um.

«Diese Art zu arbeiten ist anstrengend»

Bei der Theaterwoche geht es nicht darum, nach fünf Tagen ein perfekt einstudiertes Theaterstück mit fixen Rollen zu präsentieren. Die Kinder sollen Spass haben und sich entfalten, so Manuela Glanzmann. Sie und Joseph Nicolet betreuen das Projekt als Theaterpädagogen, die 27 Kinder erarbeiten in zwei Gruppen verschiedene Szenen zum Thema «Sinne».

Manuela Glanzmann arbeitet mit den jüngeren Kindern im Untergeschoss an der Szene zum Thema Riechen. Dabei ist einiger Einsatz gefragt, um die Kinder, die alles geben wollen und dabei gerne etwas übermütig werden, im Zaum zu halten. Oder aber die Gruppe zu motivieren, wenn am Nachmittag langsam alle müde werden. «Diese Art zu arbeiten ist anstrengend, für die Kinder und auch für mich», erzählt sie und lacht. Sie ist bei der Probe immer mittendrin, gibt Anweisungen, ruft zur Ruhe oder kriecht auf allen vieren, um den Kindern zu zeigen, wie man einen nassen Hund am besten spielen könnte.

«Hier gibt es kein richtig oder falsch»

Die älteren Kinder proben im oberen Stockwerk. Sie schwingen Kochlöffel und -mützen, schneiden unsichtbares Gemüse, würzen und probieren. «Da fehlt noch was - das Salz!», rufen alle im Chor. In der Küche im Klassenzimmer geht es etwas konzentrierter zu und her als unten auf der Bühne. Joseph Nicolet leitet Küchenchef, Köchinnen und Assistenten an, gibt da und dort ein Stichwort.

Manuela Glanzmann hat in den Jahren, seit es die Kinder Theater Woche gibt, gemerkt, dass viele der Teilnehmer immer wieder kommen, wenn sie einmal angefressen sind. «Auch dieses Jahr sind wieder viele Stammgäste mit dabei», so die Theaterpädagogin. Diese Art von Theater, bei der die Kinder viel selbst mitgestalten können und sich auf der Bühne geben können, wie sie sind, mit jeder Menge Spontanität und Improvisation, komme sehr gut an. «Hier gibt es kein richtig oder falsch», so Glanzmann, «und wir werten nicht». Zu Anfang sei es manchmal schwierig für die Teilnehmer damit umzugehen, dass es gar keine Vorgaben und Richtlinien gibt.

Allgemein bekomme sie jedoch sehr positive Rückmeldungen. Die Teilnehmer lernen in der Intensivwoche neue Freunde kennen und profitieren in der Auftrittskompetenz. Das helfe ihnen auch für die Schule und fürs spätere Leben, so Glanzmann. «Oft ist es so, dass die Schüchternsten am Ende der Woche zuvorderst auf der Bühne stehen.» Die Theaterwoche sei nicht als Einstieg in eine Schauspielkarriere gedacht, sondern als spielerisches Erlebnis. Es komme aber gemäss Glanzmann vor, dass sich ein Kind vom Theaterfieber anstecken lasse und danach noch andere Kurse besuche.

An den Werkstatt-Aufführung am Freitag, 18. Oktober, werden die 27 Kinder zeigen, was sie in der vergangenen Woche gelernt und entwickelt haben.

Autor

Alice Guldimann

Alice Guldimann

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