Anfang August soll der Erschliessungs- und Gestaltungsplan Hofgarten in Bellach öffentlich aufgelegt werden. Damit ist ein erster Schritt für den Neubau eines Pflegeheimes mit 100 Betten und rund 24 Seniorenwohnungen getan. Bis zur Auflage mussten die Verantwortlichen aber mehrere Umwege in Kauf nehmen. Bauherr für das neue Pflegezentrum mit Demenzabteilung und Wohnen im Alter, das im Osten der Gemeinde erstellt werden soll, ist die Stiftung Fomaso. Die Stiftung gibt es seit dem 1. Januar 2019. Sie ist durch die Fusion der beiden bisherigen Stiftungen Demenz-Pflegezentrum Forst (Fo) und Pflegezentrum Magnolienpark (Ma) in Solothurn (So) entstanden.

Beide Heime sind heute zu klein, um allein zu bleiben

«Vor rund drei Jahren führten die Stiftungsräte der beiden Heime erste Gespräche», erklärt René Oppliger (Stiftungsratspräsident Fomaso). Beide Heime sind heute zu klein um den zukünftigen betriebswirtschaftlichen Herausforderungen in der Betreuung von Menschen mit einer demenziellen oder psychogeriatrischen Erkrankung gerecht zu werden. Laut Curaviva, dem Verband Heime und Institutionen Schweiz, könne ein Pflegeheim erst wirtschaftlich geführt werden, wenn es mindestens 60 bis 80 Betten hat. Zudem stünden in beiden Häusern grosse bauliche und betriebliche Investitionen an, wenn sie als Heim weiterbetrieben werden sollen. Im Magnolienpark gebe es beispielsweise noch Dreierzimmer, was den heutigen Ansprüchen nicht mehr genüge.

Gemeinsam suchte man nach einer Lösung und einem Ort für einen Neubau. Lange Zeit hofften die Verantwortlichen auf einen Bauplatz im «Weitblick» in Solothurn. Erst im letzten Jahr reifte der Entscheid, in Bellach zu bauen. Danach ging es relativ schnell und in der Zwischenzeit ist die Planung so weit, dass die Stiftung ein Qualitätsverfahren ausschreiben kann. «Unser Plan ist es, dass drei Architekturbüros die Feinplanung an die Hand nehmen», meint Oppliger. Durch den Gestaltungsplan seien die Baukörper vorgegeben und so müssen sich die Büros mit zeitgemässer Gestaltung der Räume sowie nach den effektiven Bedürfnissen der künftigen Bewohnenden ausrichten. «Wir erhoffen uns auch noch Impulse, die unsere Planung und unsere Ideen weiter verbessern.» Wichtig sei zudem, dass die Betriebsabläufe schon in der Planung gut organisiert werden. «Das braucht Profis, die wissen, worum es in diesem Metier geht.»

Bis die beiden heutigen Heime auch tatsächlich in einem Haus funktionieren, dürfte es noch eine gewisse Zeit dauern. «Wenn alles gut geht, starten wir 2021 mit dem Neubau. Der Bezug dürfte dann Ende 2023 sein», meint Anton Probst, der von der Stiftung als Projektleiter für den Neubau eingesetzt wurde.

Synergien sind bereits spürbar

Bereits jetzt spüre man aber Synergien. Schon in Hinblick auf den Neubau hat man einen gemeinsamen Geschäftsleiter gewählt, der beide Heime – die weiterhin unter ihrem bisherigen Namen geführt werden – betreut. Einsparungen ergeben sich später auch durch die Optimierung von betrieblichen Abläufen und gemeinsame Beschaffung im Bereich der Hotellerie oder im Pflegebereich. «Es sind viele kleine Sachen, die hier zum Erfolg und zu einer besseren Wirtschaftlichkeit führen.»

Fomaso plant kein klassisches Altersheim. ««Wir wollen im Hofgarten Bellach ein Pflegezentrum erstellen, welches eine Zentrumsfunktion wahrnimmt und in dem auch Dienstleistungen angeboten werden», so Oppliger. Dies könne eine Arztpraxis sein, eine Physiotherapie, ein Coiffeursalon oder eine Podologiepraxis. Das Zentrum solle offen sein für alle und sicher werde ein Restaurant betrieben. «Uns schwebt zudem vor, eine Kita zu integrieren. Das Zusammenleben von Alt und Jung ist uns wichtig.»

Die Bedürfnisse der heutigen Senioren seien sehr unterschiedlich. Wichtig sei vielen, dass sie so lange wie möglich unabhängig leben können, aber die Möglichkeit haben bedarfsorientiert Dienstleistungen zu beziehen. Pflege durch die Spitex beispielsweise, oder die Lieferung von Mahlzeiten sowie Fahrdienste oder Reinigungsservices.

Der Stiftungsrat hat eine betriebswirtschaftliche Planung erstellen lassen. Diese zeigt auf, dass das Pflegeheim mit den 100 Betten und den 24 Alterswohnungen wirtschaftlich betrieben werden kann. «Die Wohnungen im Parterre und im ersten Stock sollen in erster Linie für die Anbieter von Dienstleistungen reserviert werden.» In den oberen sechs Stockwerken werden dann die 2,5- und 3,5-Zimmer grossen Wohnungen eingebaut.

Da in Solothurn zurzeit die Ortsplanungsrevision läuft, hat die Stiftung Fomaso den Antrag gestellt, dass die Grundstücke der beiden Heime in Solothurn von der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen in die Wohnzone umgezont werden können. «So ist es uns möglich, die beiden Liegenschaften zu verkaufen. Das Geld wollen wir für den Neubau einsetzen.»