Wenn der Startschuss für das Eidgenössische Hornusserfest in Limpach fällt, wird Nina Reinhard in einer Berner Tracht, mit Zöpfen in den Haaren und einem strahlenden Lächeln als Ehrendame bereitstehen. Zwar folgt ihr wirklicher Auftritt erst am Ende des Tages, wenn sie die Siegenden an der Rangverkündigung mit Preisen und Küsschen beglücken darf, die Ehrendame wird aber den ganzen Tag auf dem Festgelände verbringen.

Die einzige Solothurner Ehrendame am diesjährigen Eidgenössischen Hornusserfest kam durch ihre Einsätze in Berührung mit der traditionellen Trachtenwelt und ist bis heute davon
begeistert.

Naturschönheiten gesucht

Noch vor zwei Jahren dachte die heute 18-jährige Detailhandelsassistentin überhaupt nicht daran, dass sie je an einem Eidgenössischen Hornusserfest als Ehrendame teilnehmen wird. Damals wurde sie von einer Kollegin gefragt, ob sie an der 750-Jahr-Feier in Oekingen als Ehrendame teilnehmen möchte und willigte ein. Dies war der Auftakt zu ihren Einsätzen an verschiedenen Festen.

Mit ihren 18 Jahren ist Reinhard eine der jüngeren Ehrendamen. «Normalerweise sind Ehrendamen etwa zwischen 18 und 35 Jahre alt.» Wichtig für Ehrendamen sei es, möglichst natürlich schön zu sein. Dazu gehört auch, dass Tattoos oder auch Piercings ungern gesehen werden. Ausserdem ist das Rauchen in der Tracht strikt verboten. An Kranzfesten dürfen zudem nur Edelweissohrstecker getragen werden und bei der Trachtenprobe wird der passende Schmuck aus Bronze oder Silber ausgewählt. An grösseren Festen werden die Ehrendamen meist professionell frisiert und geschminkt.

Für das Eidgenössische Hornusserfest müssen die 46 Ehrendamen jedoch selber Hand anlegen. Dafür wurden sie aber bei einem früheren Treffen trainiert, damit am Ende alle so aussehen, wie sie aussehen sollen. Für Nina Reinhard ist das zurechtgemachte Auftreten in der Tracht etwas Spezielles. «Wenn man dann am Fest die Preise überreichen darf, bewundert wird und die Zuschauer applaudieren, ist das schon schön. Man fühlt dann auch die enorme Wertschätzung, die einem entgegengebracht wird. Da habe ich während unseren Einsätzen schon mal Hühnerhaut oder Tränen in den Augen», verrät sie.

Brauchtum erhalten

Nebst den rein äusserlichen Aspekten spielen aber auch traditionelle Gesichtspunkte eine wichtige Rolle. Viele junge Leute hätten einen falschen Eindruck davon, was Ehrendamen machen und was dahinter steckt. «Für mich nimmt das Traditionelle in Verbindung mit den Trachten einen wichtigen Platz ein. Mir gefallen Trachten sehr und ich finde es enorm schade, dass viele junge Menschen nicht Trachten tragen wollen.»

Mitglied eines Trachtenvereins ist sie deswegen aber nicht. Es sei wie mit vielen anderen Bräuchen, sagt Nina Reinhard. Stamme man aus einer Familie, die Traditionen pflegt, komme man auch eher mit diesen in Kontakt. Das sei in ihrer Familie nicht der Fall gewesen. Es war die Familie ihrer Kollegin, die ihr diese Werte nähergebracht habe.

Sie begann sich für Trachten und deren Geschichte zu interessieren und sucht aktiv den Austausch mit älteren Leuten, die die Zeit der Trachten noch selber miterlebt haben. «Ich imkere gemeinsam mit meinem Vater. Wir treffen oft auf ältere Leute, die über ihr Leben und verschiedene Schweizer Bräuche berichten.»

Es scheint, als pflege die junge Ehrendame nur traditionelle Hobbys. Sie lacht und winkt ab. «Nebst dem Imkern spiele ich auch noch in einer Guggenmusik, gehe oft in das Fitnesscenter und gebe Tanzunterricht. Mittlerweile würde sie aber gerne eine eigene Tracht besitzen. «Auch wenn es eigentlich schon das Schönste wäre, eine alte Tracht zu tragen, die eine Geschichte zu erzählen hat», erklärt Reinhard.

Eine Tracht ist aber teuer und die 18-Jährige, die sich noch in ihrer Ausbildung befindet, muss diesen Traum aus finanziellen Gründen noch ein wenig aufschieben. Und auch wenn ihr Trachten für traditionelle Anlässe sehr gefallen, bevorzugt die junge Frau privat doch eher Turnschuhe und bequemere Kleidung.

Schwingen statt Hornussen

Wie hält es Nina Reinhard denn mit dem Hornussen? «Ich kenne zwar Freunde, die selber Hornussen und gehe öfters auch mal zusehen, habe mich aber beim Eidgenössischen Hornusserfest nicht in erster Linie wegen dem Sport als Ehrendame gemeldet.» Für sie zähle mehr die Erfahrung. Denn das Ziel einer jeden ehrgeizigen Ehrendame sei es, an einem Eidgenössischen Schwingfest teilnehmen zu dürfen, dem Olymp der Ehrendamen, so Nina Reinhard. «Da haben die Ehrendamen auch mehr Aufgaben und mehr Kompetenzen als an Hornusserfesten und sind nicht nur für die Rangverkündung zuständig.»