Lange geschah nichts in Bellachs Osten. Dort befinden sich drei grössere, noch unbebauten Landstücke zwischen der Stadt und der Agglomeration. Das Gebiet mit Bellach Ost I, Bellach Ost II sowie Trittibachhof auf Gemeindegebiet von Langendorf ist ein Entwicklungsschwerpunkt von kantonaler Bedeutung. Das Areal Trittibachhof (57 314 Quadratmeter), nördlich der Bielstrasse, ist aktuell nicht im Fokus der Langendörfer, nachdem sich für sie weiter nördlich auf dem Delta-Areal Möglichkeiten für eine Wohnüberbauung ergaben. Das 33 976 Quadratmeter grosse Bellach Ost II ist Reservezone und dürfte in den nächsten Jahren ebenfalls nicht angerührt werden.

Bleibt Bellach Ost I, das Gebiet gleich östlich der Wohnüberbauung Grederhöfe. Für dieses Landstück läuft aktuell eine Mitwirkung zum Erschliessungs- und Gestaltungsplan «Hofgarten» mit Sonderbauvorschriften. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, die 26 219 Quadratmeter Land in Etappen zu überbauen.

Etwas Schöneres soll es werden

Die planerischen Vorarbeiten für dieses Landstück waren umfangreich, wie die Menge der Mitwirkungsunterlagen belegt. Diese Vorarbeiten zeigen, dass verschiedenen Interessen zu berücksichtigen waren. Dazu gehört auch das Interesse der Gemeinde Bellach, in Bellach Ost ein Quartier entstehen zu lassen, das Lebensqualität bietet und der Nachhaltigkeit verpflichtet ist, und nicht lieblos wie die Wohnüberbauung Grederhöfe daherkommt.

2014 wurde Bellach Ost I eingezont zu einer Spezialzone. Aus Bellach Ost I ist inzwischen der «Hofgarten» geworden. Dieses Areal wird im vorliegenden Richtprojekt in vier Teilbereiche gegliedert. Die erste Etappe muss spätestens sieben Jahre nach der Einzonung in Angriff genommen werden. Die weiteren Etappen gibt jeweils der Gemeinderat frei. Dies in Zusammenarbeit mit einem Projektbeirat, der verbindlich eingesetzt wird. Dieser achtet auf die Qualität der Umsetzung beispielsweise in Bezug auf die Nachhaltigkeit.

Damit Nachhaltigkeit kein leeres Wort bleibt, wurde sie konkretisiert. Merkmale sind ein hoher Anteil des Langsamverkehrs, der schonende Umgang mit Ressourcen, die effiziente Verwendung von Energie, der Einsatz umweltschonender Baumaterialien, die funktionale und gesellschaftliche Durchmischung, einladend gestaltete Freiräume sowie die Einbindung der Akteure. Für das Gebiet «Hofgarten» wird eine Zertifizierung für das Label «Nachhaltiges Bauen Schweiz» angestrebt. Die Sonderbauvorschriften zum Gestaltungsplan enthalten dazu verbindliche Vorgaben.

Leben in «Wohnclustern»

Konkret sind pro Bereich zwei Längsbauten (viergeschossig), die ein «L» bilden, sowie ein höheres Gebäude (achtgeschossig) mit quadratischer Fläche als Kontrapunkt vorgesehen. Die Rede ist von hofartigen «Wohnclustern». Die zwischen den Clustern entstehenden Spiel- und Gemeinschaftshöfe verbinden die Grederstrasse mit der Marktstrasse. Im Zentrum der Anlage wird ein Quartierplatz zur Gemeinschaftszone. Auf dem Areal gibt es keinen Autoverkehr mit Ausnahmen für gewerbliche Anlieferungen, Schwerguttransporte, Zügeltransporte oder Notfalldienste. Zwei miteinander verbundene Tiefgaragen, die aber nicht als Durchfahrt von der Marktstrasse zur Grederstrasse missbraucht werden dürfen, dienen der Parkierung. Vorgesehen ist eine Reduktion der Parkplätze auf 80 Prozent des Grundbedarfs. Dementsprechend ist das Areal oberirdisch Langsamverkehr freundlich gestaltet.

Die «Hofgartenstrasse», östlich des Areals ist nur für den öffentlichen Verkehr und den Fuss- und Veloverkehr befahrbar. Im Regelfall werden die Teilbereich Hofgarten 1 und 3 somit über den Franziskanerkreisel, die Teilbereiche Hofgarten 2 und 4 über den Tellkreisel erschlossen. Damit wird der Verkehr auf die beiden Knoten, welche bereits heute an Kapazitätsgrenzen stossen, verteilt.

Die angestrebte Dichte wird mit mindestens 180 Einwohnern pro Hektar ausgewiesen. Erwartet wird eine Bandbreite von 160 bis 230 Einwohner pro Hektare Land. Zum Vergleich: die bestehende Überbauung Grederhöfe hat eine Dichte von 230 Einwohner pro Hektare. Pro Bereich sind 70 bis 80 Wohnungen geplant. Die konkrete Ausführung erfolgt mit der Baupublikation.

Die Mitwirkung endet am 12. April. Die öffentliche Auflage des Erschliessungs- und Gestaltungsplan soll noch vor den Sommerferien erfolgen. Stimmt der Regierungsrat im Herbst dem Gestaltungsplan zu, können die Investoren ein konkretes Bauprojekt zur Publikation bringen.