Zwei Themen des Posten-Rundgangs öffneten Fenster in die Vergangenheit bis zu einer Zeit vor rund 19 000 Jahren. Denn der Burgäschisee, der schmelzend aus einem gewaltigen Toteisbrocken inmitten der umgebenden Moränenlandschaft entstanden ist, wurde zu dieser Zeit als erster der Seen nördlich der Alpen eisfrei. «Dadurch verfügen wir in den Bohrkernen über eine archivierte Vergangenheit, die weit über das Übliche hinausgeht. Wir lesen darin wie in einem Buch», berichtete die Botanikerin Erika Gobet, die an einem mehrteiligen Forschungsprojekt der Universität Bern zur Paläoökologie mitwirkt.

Studien seit 2009

Die Arbeiten begannen mit einer Vorstudie im April 2009 und wurden mit einer aufwendigen 16 Meter tiefen Kernbohrung im letzten Jahr fortgesetzt. Der Seegrund umfasst zwei Becken mit Tiefen von 25 und 30 Metern und macht in seinen Ablagerungen Aussagen zu klimatischen und biologischen Bedingungen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart.

Nach der Eiszeit war die den See umgebende Landschaft Tundra ähnlich bewachsen, wie man es heute in Nordskandinavien findet. Um 14 000 und danach nochmals um 12 500, hier sogar in der kurzen Zeit von 80 Jahren, kam es zu einer Erwärmung um jeweils 4 Grad. «Ursachen dazu könnten in einer Veränderung der Meeresströme gelegen haben», so Gobet.

Der Bohrkern zeigt übrigens, dass sich sogar bis hierhin der Ausbruch eines Eifelvulkans mit kräftigem Ascheregen bemerkbar gemacht hat. In den feinen Sedimentschichten ist nicht nur mit wissenschaftlich geschultem Auge zu erkennen, dass vielerlei Pollen vorhanden sind, die auf die zunehmende Verbreitung von Mischwald deuten. Nach einer Trockenphase kommt um 6000 dann bereits der Mensch ins Spiel, der in der Bronzezeit durch Rodungen Platz schafft für eine beginnende Landwirtschaft. In der Eisenzeit ab 800 ist das Aussehen der Landschaft dann bereits vergleichbar mit heute.

Offene Grabungen

Seit Juni haben der Berner Archäologe Othmar Wey und sein Team an einem der Siedlungsplätze am Seeufer gegraben und vielerlei Hinterlassenschaften von Menschen entdeckt, die hier seit 5800 bis etwa 800 v. Chr. lebten. Als kleine Sensation aus den Haushalts- und Werkzeugreste umfassenden Kulturschichten zeigte sein Mitarbeiter Marco Hostettler neben keramischen Scherben einen einfachen Mahlstein, Bärenzahn- und Eberzahnschmuckanhänger sowie eine Steinbeilklinge, die wieder in einen ebenfalls gefundenen Holzgriff eingefügt war.

Wey räumte zudem mit dem fälschlicherweise immer wieder benutzten Begriff «Pfahlbauten im Wasser» auf. Gesiedelt worden sei am Seeufer, weil Wasser damals als Transportweg und als Nahrungsquelle diente. Bei Anstieg des Seespiegels seien die Menschen in eine erhöhte Lage in der Seenähe umgezogen.