Langendorf

Gitarrist aus Leidenschaft: Ein Leben ohne Musik ist für den 77-Jährigen unvorstellbar

Cesy Zappa mit seiner semiakustischen «Epiphone» vor seiner Gitarrenwand.

Cesy Zappa mit seiner semiakustischen «Epiphone» vor seiner Gitarrenwand.

Cesy Zappa aus Langendorf sammelt Gitarren, spielt aber auch auf ihnen. Auch mit 77 Jahren ist Musik nicht aus seinem Leben zu denken.

Ist es schwierig, Gitarre zu spielen? «So schwer, wie Du es Dir machst», war vor über sechzig Jahren die Antwort, die Cesy Zappa von seinem Vater auf diese Frage erhielt. Als Jugendlicher lernte Zappa das Gitarrenspiel von seinem Vater dann gründlich, machte es sich nicht schwer und wurde ein bekannter Gitarrist, spezialisiert auf Rock und Blues.

Heute blickt der inzwischen 77-jährige Langendörfer auf eine Sammlung von insgesamt 47 Gitarren. «Es wären noch zwanzig mehr», erklärt Zappa. Aber die ersten Gitarren habe er als Anzahlung an eine Neue jeweils wieder abgegeben. Damals habe man das Geld nicht gehabt, um mehrere Gitarren zu kaufen.
Im Mai 1958 kaufte er sich seine erste Gitarre, eine deutsche Klyra. Gitarren aus den USA seien damals schlicht zu teuer gewesen, fügt Zappa an. In Oberdorf aufgewachsen, habe er seinen ersten Auftritt mit 16 Jahren im Restaurant «Helvetia» in Oberdorf gehabt. Dies habe für das erste Gratisbier gereicht, erzählt Zappa mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Mit Fahrrad und Anhänger

Von 1959 bis 1961 war Zappa mit einer ersten von ihm gegründeten Formation namens «Trio Zappa» unterwegs. Den ersten Auftritt hatte das Trio Ende August 1959 an einem Fest vom Skiclub Haag in Altreu. Ein Festbändeli für 45 Rappen war als Eintritt obligatorisch. Gut erinnert er sich noch an die ersten Transporte zu Konzerten. «Mit Fahrrädern und Anhängern sind wir bis nach Biel gefahren», erzählt er. Die Instrumente und Verstärker aufgeladen, hätten sie noch kein Geld für ein Auto gehabt.

Richtig los ging es danach mit der Band «The Rumblers», die er in der Folge gründete. Von 1962 bis 1966 probte die Band im Restaurant «Engel» in Oberdorf. So sei auch der Name der Band entstanden, erzählt Zappa. Einmal habe ein alter Mann in den Proberaum geschaut und ihnen gesagt, sie seien jetzt auch «Rumplicheibe». Kurzum haben sie sich nach dem passenden englischen Ausdruck für «Rumplicheibe» erkundigt und sich danach «The Rumblers» genannt.

Erfolge in der ganzen Schweiz

Mit der zweiten Formation war Zappa von 1966 bis 1968 in der ganzen Schweiz erfolgreich unterwegs. 1968 spielte die Band zudem eine Saison lang als Profimusiker in Italien. Dies war, so Zappa, ein Wendepunkt zum Entscheid, Profimusiker zu werden oder nicht. Die Band hatte auch für kurze Zeit einen Manager. Allerdings hätten sie sich dann gegen die unsichere Einkommenslage als Profimusiker entschieden. Nach der Auflösung von «The Rumblers» spielte Zappa schliesslich weiter als Gitarrist beim «Amorado Sextett» von 1969 bis 1981. Am 8. Mai 1981 folgte sein letztes Konzert mit dem Sextett am Strandfest in Staad. Danach war seinem Spiel in Formationen endgültig Schluss.

Aber es war noch lange nicht Schluss mit Musik. Rock und Blues liessen ihn nicht los. Cesy Zappa war danach allein auf Tour unter dem Namen «Cesy’s Soloband», dies nicht weniger erfolgreich als zuvor. Fast jedes Wochenende spielte er an privaten und öffentlichen Anlässen. Von vielen selber geschriebenen Texten war «Schneewyssi Chräie und Rabeschwarze Schnee» der grösste Erfolg. Das letzte Konzert von «Cesy’s Soloband» erfolgte Mitte August 2007 auf dem Hinterweissenstein und dauerte drei Tage.

Cesy Zappa übernimmt spontan an der Oberdörfer Chilbi 2019 den musikalischen Unterhaltungspart – und die Anwesenden singen mit

Cesy Zappa übernimmt spontan an der Oberdörfer Chilbi 2019 den musikalischen Unterhaltungspart – und die Anwesenden singen mit

Bis heute spielt Zappa täglich mindestens eine Stunde Gitarre. Gelegentlich ist er immer noch an kleinen Festen und Geburtstagen mit einer akustischen Gitarre anzutreffen. Verstärker und Verzerrer bleiben allerdings zu Hause. Mit alten Musikkameraden spielt er jeden Montag in einer Rentnerband in seinem Gitarrenraum. Zwei ehemalige Musiker vom «Amorado Sextett» sind dabei. «Dies machen wir als Plausch an der Musik und halten Erinnerungen wach», sagt Zappa. Auftritte dieser Band gibt es nicht. Ein Leben ohne Musik sei für ihn unvorstellbar. Manchmal müsse er etwas im Keller holen, bleibe im Gitarrenraum hängen und vergesse, was er hätte holen sollen.

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