Als Lehrerin ging Brigitte Schlup mit ihrer Klasse regelmässig in den Wald. Und da sich dann immer wieder einige der Kinder über kalte Füsse beklagten, war für die leidenschaftliche Strickerin die Lösung klar: Sie strickte für diese Kinder warme Wollsocken. Und auf einmal wollten auch Eltern solche Socken kaufen. Bei einem Kaffee mit ihrer Kollegin Regula Allemann entstand dann vor bald 20 Jahren die Idee, Socken zu stricken und zu verkaufen. Um das Angebot zu propagieren, schuf Brigittes Mann Kurt eine Website und bewarb diese mit Google Adwords.

Kaum aufgeschaltet, meldete sich schon der erste Kunde – aus Silvaplana. Der Erfolg übertraf dann die kühnsten Erwartungen. Die beiden Frauen strickten Socken, bis die Nadeln glühten. Tausende von Paaren gingen überallhin in die Schweiz, aber auch hinaus in die weite Welt bis nach Neuseeland. Dies alles aus dem kleinen Anbau am Einfamilienhaus von Allemanns in Lommiswil. Schnell war der kleine Laden aber über und über voll mit Wolle und Socken.

Anfangs war das Café nur ein Café

Deshalb sah sich das Trio nach einem neuen Lokal um. Dank dem Tipp einer Kundin konnte es in Selzach ein Café samt Ladenlokal mieten und eröffnete am 3. September 2013 einen Laden, in dem alles für das Stricken verkauft wird. Wobei die Wolle praktisch ausschliesslich aus Naturfasern besteht. Im Café gab es zunächst nur Café, Tee und Patisserie. Als Ende 2014 Ehemann Kurt aktiv einstieg, konnte er in der Küche seine Leidenschaft, das Kochen ausleben.

Seit Januar 2015 stellen Kurt und Brigitte Schlup jeweils von Dienstag bis Freitag jeden Mittag ein Menu zusammen – mit Fleisch oder vegetarisch. Während Brigitte für Salat und Dessert verantwortlich ist, kümmert sich Kurt um Suppe und Hauptgang. Es gibt also keine Speisekarte mit Auswahl, sondern einfach ein Menü. Das ist dann aber von A-Z frisch gemacht und alle Zutaten haben Bio-Qualität. Für die Desserts profitiert Brigitte von einem fast hundertjährigen Dorforiginal, das immer weiss, wo frische Beeren zu pflücken sind. Am Wochenende kann das Strickcafé auch für private Anlässe gebucht werden, was gut ankommt.

Das Publikum ist bunt gemischt

Das Publikum des Strickcafés ist sehr gemischt – also nicht nur Frauen, sondern auch Männer, die entdeckt haben, dass man im Strickcafé ein mit viel Liebe gekochtes Menu zu einem reellen Preis erhält. Gemischt ist das Publikum auch bezüglich Alter. Der grösste Teil der Gäste stammt natürlich aus Selzach und Lommiswil, wo Schlups seit langem wohnen.

Es gibt denn auch je einen Stammtisch mit Leuten aus diesen Gemeinden. Aber immer wieder entdecken Leute auf der Durchreise das Strickcafé, sind begeistert und kommen wieder. Im Strickcafé darf man auch einfach bei einem Getränk stricken. Denn Brigitte Schlup legt Wert darauf, dass das Café eine Stube für alle ist. Getreu dem Motto «Gemütlichkeit ist wichtiger als Profit».