Ein Hotspot bei der Überprüfung des Busangebotes im Raum Solothurn ist der Unterleberberg. Dort soll die bestehende Postautolinie Solothurn nicht mehr direkt anfahren. Die Benutzer der Postautos aus oder in den Unterleberberg müssten neu an einer Haltestelle in Riedholz umsteigen. Dies könnte ab 2025 der Fall sein, wenn auf der asm-Linie (Aare Seeland mobil) die Züge im Viertelstundentakt nach Solothurn brausen.

Dieses Ansinnen führte zu einem Aufschrei in den Unterleberberger Gemeinden. «Die neu geplante Verbindung mit Umsteigen in Riedholz und die starke Ausdünnung des Fahrplans der Fahrten auf den Balmberg vermindern die Attraktivität zur Benutzung des öffentlichen Verkehrs massiv», schreibt Balms Gemeindepräsidentin Pascal von Roll im «Azeiger».

Zuvor hatte bereits Solothurn Tourismus in dieser Zeitung die Überprüfung kritisiert. Die Bedürfnisse des Freizeitverkehrs in Bezug auf den Weissenstein und den Balmberg und weitere Freizeitorte würden nicht berücksichtigt. Zur Situation im Unterleberberg liess Solothurn Tourismus verlauten: «Der dort vorgesehene Verknüpfungspunkt zwischen Bus und Bipperlisi mit verdichtetem Takt wird im Überprüfungsbericht als Verbesserung des Angebots verkauft. Für Solothurn Tourismus wird damit die Attraktivität massiv vermindert.» Gegenüber dem heutigen Stundentakt mit einem Unterbruch am Nachmittag sei eine «faktische Betriebseinstellung während der Woche» der Postautoverbindung bis auf den Balmberg und eine Ausdünnung des Fahrplans am Samstag vorgesehen, was man als «inakzeptabel» taxiert.

Umgewöhnen für öV-Kunden

Sind die grossmundigen Ankündigungen im Bericht zur Mitwirkung nur leere Worte? Da ist bei der Neuorganisation des öffentlichen Verkehrs im Unterleberberg von einer «starken Postauto-Linie mit guten Anschlüssen an die asm-Linie in Riedholz oder Flumenthal» die Rede. Mit dem zu diesem Zeitpunkt eingeführten Viertelstundentakt der asm-Linie ist diese Aussage sicher mal nicht grundfalsch, wenn auch die heutigen Nutzer aus dem Leberberg den Postautohalt auf dem Amthausplatz wegen der Nähe zur Altstadt schätzen, liegen doch die Grossverteiler dort in der Nähe.

Mit dem «Bipperlisi» werden für diese Nutzer manche Einkaufswege länger. Andererseits liegt die Altstadt mit dem Halt an der Baselstrasse ebenfalls nah, und beim Hauptbahnhof locken mit aktuell Aldi und künftig Coop ebenfalls zwei Grossverteiler.

Der Berg profitiert nicht

Weiter soll auch eine Taktverdichtung für den Balmberg und die Unterleberberger Gemeinden erfolgen, schreiben die Autoren im Mitwirkungsbericht. Wie aber kommen die Unterleberberger Gemeindepräsidenten und Solothurn Tourismus dann auf eine Ausdünnung? Heute fährt das Postauto zu den Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt von Solothurn auf den Balmberg und zurück. Sonst wird der Stundentakt und am Wochenende ein ausgedünnter Stundentakt gepflegt. Angefahren werden Balmberg, Balm, Günsberg, Niederwil, Hubersdorf und Riedholz.

Für den Zeithorizont ab 2025 stehen zwei Varianten zur Diskussion. Gefahren wird mit zwei Fahrzeugen. Die erste Variante sieht zur Hauptverkehrszeit zwei Fahrzeuge im Viertelstundentakt von Balm über Günsberg, Niederwil, Huberdorf nach Riedholz vor. Der Balmberg soll in der Hauptverkehrszeit nicht (!) angefahren werden, aber in der Nebenverkehrszeit und am Samstag mit einzelnen Kursen bedient werden. Am Sonntag würde ein Stundentakt gelten. Die zweite Variante sieht zur Hauptverkehrszeit ein Fahrzeug zwischen Balm und Riedholz im Halbstundentakt vor, sowie ein zweites Fahrzeug zwischen dem Balmberg und Riedholz im Stundentakt. In der übrigen Zeit wird der Balmberg wie in der Variante 1 bedient. Generell kann damit nicht von einer Ausweitung des öV auf den Balmberg gesprochen werden. Die Gemeinden erhalten aber mehr Kurse, verbunden allerdings mit der Unannehmlichkeit des Umsteigens.

«Nochmals anschauen»

Die Gemeinden nutzten die Gelegenheit, in der Mitwirkung Stellungnahmen einzureichen. Diese werden bald in einem Mitwirkungsbericht publiziert werden. Laut Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) sind für 2020 die meisten Massnahmen unbestritten. Das Massnahmenpaket im Zeithorizont 2025/30, mit dem der Unterleberberg die einschneidende Änderung im öV erfahren soll, «muss aber nochmals angeschaut werden», erklärt vorsichtig ein Mitarbeiter des AVT. Zur Diskussion steht dann nicht nur eine bessere Erreichbarkeit des Balmbergs, sondern auch beispielsweise eine neue Kursführung in Hubersdorf. Dort wünscht man sich, dass der Bus durchs Dorf fährt und nicht nur auf der Kantonsstrasse am Rand des Dorfes.