Biberist/Gerlafingen

Gemeinden befürchten Verkehrschaos wegen Entwicklung von Papieri- und Hiag-Areal und fordern Nordumfahrung

Dieser Ausschnitt aus der Richtplan-Karte des Kantons zeigt rot gepunktet die Nordumfahrung um Gerlafingen und Biberist.

Dieser Ausschnitt aus der Richtplan-Karte des Kantons zeigt rot gepunktet die Nordumfahrung um Gerlafingen und Biberist.

Biberist und Gerlafingen befürchten ein Verkehrschaos und sind deshalb bei Regierungsrat Roland Fürst vorstellig geworden.

Gerlafingen und Biberist droht ein Verkehrsszenario, das die Gemeindepräsidenten der beiden Dörfer zu einer ungewöhnlichen Aktion veranlasste. Sie führten eine Unterredung mit dem Bauminister des Kantons, mit Regierungsrat Roland Fürst. Der Mehrverkehr in Gerlafingen mit den zu erwartenden Lastwagenfahrten vom ehemaligen Papieri-Areal in Utzenstorf hat das Fass zum Überlaufen gebracht. In Utzenstorf will die Migros Aare einen zweiten Standort ihrer Online-Tochter Digitec/Galaxus ansiedeln. Gleichzeitig will die Schweizer Post dort ein grosses Paket-Sortierzentrum aufbauen. Diese will damit ihr bestehendes Zentrum in Härkingen entlasten.

Nicht nur von dieser Seite droht (Verkehrs-)Gefahr. Zu erwarten ist auch Mehrverkehr durch die Entwicklung des Hiag-Areals in Biberist. Und Stahl Gerlafingen will seine Erschliessung ändern. Neu soll der Verkehr bereits bei der Überführung nach der Emmebrücke auf das Stahl Gerlafingen-Areal fliessen.

«Ich hatte nicht das Gefühl, es wird euphorisch geplant»

Aus all diesen Gründen wollen Stefan Hug (Biberist) und Philipp Heri (Gerlafingen) einer alten Idee neuen Schub verleihen. Die Nordumfahrungsstrasse von Gerlafingen nach Biberist. «Diese ist immerhin als Festsetzung im kantonalen Richtplan aufgeführt», sagt Heri. «Das ist keine Nebensächlichkeit.» Und Hug ergänzt: «Für uns wird der Druck durch den zunehmenden Verkehr immer grösser». Beide beteuern, sie seien keineswegs Befürworter von neuen Strassen. «Aber in diesem Fall würde die Umfahrung Gerlafingen und Biberist entlasten», ist Hug überzeugt. Interesse habe er in erster Linie am Bau des ersten Teilstückes. «Die Verlängerung nach Zuchwil braucht es noch nicht. Das erste Teilstück würde uns schon immens helfen.»

Das Gespräch mit Regierungsrat Roland Fürst erfüllte aber die Erwartungen der Gemeindepräsidenten nicht. «Ich bin enttäuscht darüber, dass diese Richtplanmassnahme bisher auf Eis gelegt wurde, obwohl doch die Handlungsanweisung relativ deutlich ist und die Verkehrsbelastung in Gerlafingen allgemein bekannt ist», findet Heri. Der Kanton mache nicht wirklich den Anschein, als ob er das Umfahrungsprojekt vorantreiben wolle. «Aus meiner Sicht muss die treibende Kraft bei einer festgesetzten Richtplanmassnahme beim Kanton sein und nicht bei den Gemeinden.»

Der Chef des Raumplanungsamts, Sacha Peter, sei aber im Gespräch konstruktiv gewesen und habe auf die laufenden Ortsplanungsrevisionen beider Gemeinden hingewiesen. «Dort müsse aufgezeigt werden, dass die Nordumfahrung für die Bevölkerung ein grosser Gewinn wäre. Der Treiber müsse die Entwicklung des Hiag-Areals sein», berichtet Heri vom Gespräch. Er sei aber der Meinung, dass der Kanton mit der festgesetzten Richtplanmassnahme der Treiber sein müsse und mit der Nordumfahrung das Hiag-Areal für die Entwicklung interessanter machen. Immerhin: «Die Türe ist nicht zu, aber ich hatte nicht das Gefühl, das nun euphorisch geplant wird.»

«Vielleicht ist es der richtige Weg»

«Ich führte mit den beiden Gemeindepräsidenten ein gutes und konstruktives Gespräch», erklärt dagegen Regierungsrat Roland Fürst. Es seien nicht einfach Forderungen gestellt worden, sondern es sei ein Hilferuf nach einer Lösung erfolgt. «Wir wurden vom Einrichten eine Logistikzentrums in Utzenstorf überrascht. Der Kanton Bern hat nicht mit uns Kontakt aufgenommen», was ihn ärgere, so Fürst. Er gehe davon aus, dass in Gerlafingen der Schwerverkehr um 25 bis 30 Prozent zunehmen könnte. «Die Nordumfahrung kann man aber nicht einfach morgen bauen. Sie wird im kantonalen Richtplan als eine langfristige Ausbauoption aufgeführt. Da stehen wir noch ganz am Anfang», so Fürst. Deshalb sei die Nordumfahrung auch nicht in den Ortsplänen oder den revidierten Ortsplänen aufgeführt. «Das ist auch richtig so. Wir müssen kurz- und mittelfristig andere Lösungen suchen.» Er werde deshalb mit den Gemeinden, aber auch Hiag und Stahl Gerlafingen Gespräche führen. «Wir brauchen eine Gesamtbetrachtung Siedlung und Verkehr.» Der Kanton habe aber noch keine pfannenfertigen Lösungsvorschläge.

Für die Nordumfahrung würden nun aber weitere Abklärungen durch den Kanton vorgenommen. «Eine neue Strasse ist nicht immer die Lösung eines Verkehrsproblems. Wir werden das genau anschauen. Vielleicht ist es der richtige Weg.»

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