Gerlafingen

Früher lernten hier die Jungen, jetzt wohnen hier Senioren

Das ehemalige Kochschulhaus in Gerlafingen wurde für 4,5 Millionen Franken umgebaut und hat fast 100 Jahre nach seiner Errichtung einen neuen Verwendungszweck.

Generationen von Gerlafinger Schülerinnen und Schülern gingen im ehemaligen Kochschulhaus ein und aus. Nun hat das Gebäude einen neuen Zweck: Statt Jugendlichen beherbergt es ab Oktober Senioren.

Am Samstag konnten die Interessierten die Räumlichkeiten am Tag der offenen Türe besichtigen. Dieses Angebot wurde rege genützt. Die Verantwortlichen schätzen die Zahl der Besucher auf rund 400 Personen. Dank des guten Wetters blieben auch viele Besucher sitzen und genossen das Gratis-Risotto im Garten des Alters- und Pflegeheimes.

Vorgängig fand eine kleine Feier mit geladenen Gästen statt. Dabei wurde symbolisch der Schlüssel für das Kochschulhaus übergeben. Dieser dürfte den Tag allerdings nicht überlebt haben. Passend zum Ort war er aus Speckzüpfe gebacken worden.

In seiner Ansprache gab Stiftungsratspräsident Markus Jordi der Freude Ausdruck, dass das Alters- und Pflegeheim am Bach mit dem nun umgebauten Kochschulhaus zusammen ein Ensemble bilde und dass das Angebot des Heims mit den neuen Pflegewohnungen eine willkommene Ergänzung erhalte.

Eine besondere Freude sei es, so betonte Jordi, dass für den Umbau kein Fremdkapital benötigt wurde.

Gebäude wurde für 4,5 Mio. Franken umgebaut

Das ehemalige Kochschulhaus ist für Gerlafingen ein historisch wertvolles Gebäude. Es gehört zu einem Ensemble im Mühlefeld-Quartier, das im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz verzeichnet ist.

Das Gebäude wurde 1920 durch die von Roll’schen Eisenwerke als Haushaltungs- und Kleinkinderschule erstellt.

Im Jahr 2017 konnte die Stiftung Alters- und Pflegeheim am Bach das nicht mehr als Schulhaus genützte Gebäude, das direkt an das Heim angrenzt, für 750 000 Franken von der Einwohnergemeinde kaufen.

Bis mit dem Umbau begonnen wurde, dauerte es fast zwei Jahre, da sich die Stiftung genügend Zeit für eine sinnvolle Umbaulösung lassen wollte. Im August 2018 wurde dann gestartet. Rund 4,5 Mio. Franken wurden investiert.

Das ehemalige Kochschulhaus wurde «unter grösstmöglicher Schonung der wertvollen Bausubstanz», wie die Verantwortlichen betonen, umgebaut. Die Grundstruktur des Gebäudes konnte trotz Einbau eines Liftes und eines neuen Treppenhauses vollständig erhalten werden.

Wertvolle Details der historischen handwerklichen Arbeiten wurden erhalten, renoviert und teilweise erneuert. So wurde der Eingangsbereich, der neu vom Heim aus und nicht mehr von der Mühlackerseite her zu erreichen ist, wieder in seine ursprüngliche Form mit einem Laubengang gebracht.

Im Haus sind sechs Pflegewohnungen, für noch weitgehend selbstständige Personen eingebaut worden. Alle Wohnungen sind für Ehepaare geeignet. Dazu kommen ein Gemeinschaftsraum, zwei Aktivierungsräume und ein kleiner Coiffeursalon.

Kunstwerke und Trafostation wurden umplatziert

Wie immer bei einem Umbau musste die Bauherrschaft auch mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten kämpfen. Ein echter Knackpunkt war die Umplatzierung der Trafostation, die sich auf dem Gelände befand und die immer wieder verschoben werden musste.

Auch das Kunstwerk von Peter Brossi, welches beim Bau des Alters- und Pflegeheimes als Mittelpunkt platziert worden war, wurde an einem neuen Ort gestellt. Das gleiche gilt für den Colour-Ball von Rudolf Butz, der neu im Aussenbereich des Heimes zu sehen ist.

Beim Bau des Sitzplatzes für die Aktivierung kam zudem ein Öltank zum Vorschein, der entsorgt werden musste.

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