Gemeinschaft
«Es war ein schwieriges Jahr»: Die Musikgesellschaft Selzach leidet unter der Corona-Krise

Wie die Mitglieder der Musikgesellschaft Selzach das gemeinsame Musizieren vermissen.

Lucila Mendes von Däniken
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Sabine Fontana, Kurt Späti und Cédric Kocher berichten, wie sie mit der Situation umzugehen versuchen.

Sabine Fontana, Kurt Späti und Cédric Kocher berichten, wie sie mit der Situation umzugehen versuchen.

Tom Ulrich / fotomtina

Die Musikgesellschaft Selzach wurde 1878 gegründet. Aktuell setzt sie sich aus rund 15 Mitgliedern zusammen: Das Jüngste ist 17 Jahre alt, das Älteste 88 Jahre. Einmal pro Woche trifft man sich in Selzach, probt freitags zusammen – und geniesst die Geselligkeit.

Die beiden wichtigsten Ereignisse im Vereinsjahr bilden der Bezirksmusiktag und das Jahreskonzert, wo nicht nur Musik gemacht wird, sondern auch ein Theater aufgeführt wird. Daneben gestaltet die Musikgesellschaft jährlich den Palmsonntagsgottesdienst mit, sie begleitet jeweils die Prozession am Sonntag nach Fronleichnam – also am Umgangssonntag und spielt am 1. November auf dem Friedhof.

Kein einziges Konzert war möglich

Eigentlich! In diesem Jahr war aber natürlich alles etwas anders. Proben waren schwierig, Konzerte gab es keine – gar keine. Und seit Ende Oktober ist der Betrieb nun ganz eingestellt. Nicht weil es nicht erlaubt wäre zu musizieren, sondern wegen des Abstandes, der auch zwischen den Musizierenden eingehalten werden muss. Vizepräsidentin Sabine Fontana hat es selber miterlebt: «Der Abstand ist einfach zu gross, man hört die anderen manchmal nur schlecht, was das Zusammenspiel erschwert.»

Hinzugekommen sei, dass man gespürt habe, dass es nicht allen wohl war bei den Proben, trotz Einhaltung der Vorschriften. So sei die einzig logische Konsequenz gewesen, den Betrieb einzustellen. «Ja, es war ein schwieriges Jahr», so Fontana. Angefangen habe es gut, man habe sich auf den traditionellen Palmsonntag-Einsatz gefreut – und dann sei kurz davor der Lockdown gekommen. Von 100 auf 0 sei die Musikgesellschaft ausgebremst worden.

Proben übers Internet machen wenig Sinn

«Im Juni haben wir wieder mit dem Proben gestartet, aber auch da war bei einigen Mitgliedern eine Unsicherheit spürbar.» Gegen September zeichnete sich ab, dass die Situation wieder schwieriger wird – und so kam der Bundesratsentscheid Ende Oktober nicht überraschend, aber eben doch wieder wie ein Bremsklotz für den Spielbetrieb.

Alles abgesagt: sowohl die Register- als auch die Gesamtproben, alle Konzerte, inklusive dem traditionellen Jahreskonzert. Seither haben sich die Mitglieder der Musikgesellschaft nicht mehr gesehen. Proben übers Internet machen wenig Sinn, da nicht alle über die nötigen Möglichkeiten verfügen. Und auch sonst fand sich keine befriedigende Lösung, so Fontana: «Es macht einfach wenig Spass, immer dasselbe alleine zu üben – und damit niemandem eine Freude machen zu können.»

Musik ist für sie mehr als nur ein Hobby

Genau so ergeht es auch dem zweitjüngsten im Verein, dem 23-jährigen Selzacher Cédric Kocher: «Ohne Konzerte hat man kein Ziel. Und so richtig schön klingt es eben wirklich nur in der Gemeinschaft.» Auch der 88-jährige Bellacher Kurt Späti vermisst das Gesellschaftliche und die regelmässigen Proben: «Seit 72 Jahren mache ich schon Musik. 55 Jahre lang in Bellach, seit fast 20 Jahren in Selzach – und seit mehr als 10 Jahren auch in der Veteranenmusik des Kantons Solothurn. Dass ich jetzt, nach so vielen Jahren, nicht mehr mit meinen Kollegen Musik machen darf, das fehlt mir schon.» Zudem sei die Musik für ihn mehr als nur ein Hobby. Und so fehlen ihm auch die regelmässigen Konzertbesuche: «Im Moment höre ich dafür jetzt umso mehr Radio und schaue mir Konzerte am Fernseher an.»

Vielleicht wieder am Palmsonntag 2021?

Wann und wie es weiter geht, wissen die drei nicht. Klar ist für die Vizepräsidentin nur: «Wir machen im Dezember eh jedes Jahr eine Pause. Normalerweise geht es im Januar weiter, darum haben wir uns als Starttermin den 15. Januar gesetzt – und da hoffen wir, dass wir wieder mit den Vorbereitungen für Palmsonntag beginnen dürfen.»