Selzach

Er ist 100 Jahre alt und fühlt sich nach wie vor «vögeliwohl»

Töchter und Söhne, Landammann und Standesweibel sowie viele Gäste besuchten Frieda Oppliger und den Jubilar Ernst Vögeli.

Töchter und Söhne, Landammann und Standesweibel sowie viele Gäste besuchten Frieda Oppliger und den Jubilar Ernst Vögeli.

Der 100-jährige Ernst Vögeli begrüsste in seiner Seniorenwohnung Landammann Roland Fürst, Standesweibel und viele Gäste.

«Das sieht man nicht jeden Tag», sagt die Nachbarin von Ernst Vögeli, an der offenen Wohnungstür stehend. Gekommen sind der Landammann Roland Fürst mit dem Standesweibel Fritz Unternährer in Ornat und weitere Gäste, darunter Selzachs Gemeindepräsidentin Silvia Spycher. Sie und sechs Töchter und Söhne füllen die Seniorenwohnung an der Dorfstrasse. Anlass ist der 100. Geburtstag von Jubilar Vögeli. Auf die Frage von Fürst, wie er so alt werden konnte, antwortete er: «Dank viel Humor.» «Und Arbeit», ergänzte einer der anwesenden Söhne.

Ernst Vögeli wurde am 18. Dezember 1919 in Selzach auf dem Vögelihof als sechstes Kind von insgesamt sieben Kindern geboren. Er wuchs als Bauernsohn auf und half nebst der Schule gerne immer tatkräftig auf dem Hof mit. Besonders gerne arbeitete er mit den Pferden. Regelmässig war er mit dem «Koli» oder dem «Fuchs» auf der alten Landstrasse zwischen Selzach und Bellach unterwegs.

Von der Rekrutenschule in den Hilfsdienst

Praktisch mit Beginn des zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 musste Vögeli in die Rekrutenschule nach Bière einrücken. Den rauen Umgangston vertrug er nicht. Bald wurde er aus der Rekrutenschule entlassen und erfüllte als Hilfsdienstleistender seine militärische Pflicht.

Nachdem sein Bruder Sepp den elterlichen Hof übernommen hatte, trat Ernst Vögeli 1947 bei der neu gegründeten Firma Arnold AG in Selzach als erster Mitarbeiter eine Stelle im Freileitungsbau an. Am 23. März 1948 heirateten Ernst Vögeli und Lina Letzkus. Kurz darauf kam ihre erste gemeinsame Tochter Marlis zu Welt. Es folgten bis ins Jahr 1962 neun weitere Kinder. Nach einer kurzen Zwischenstation bei der Von Roll AG in Gerlafingen trat Vögeli 1951 eine Stelle in der Technica AG in Grenchen an, wo er bis zur Pensionierung blieb.

Grosse Herausforderung – zehn Kinder

Obwohl die Wirtschaft in der Nachkriegszeit boomte, war es für Ernst und Lina Vögeli eine harte Zeit, und die Ernährung ihrer zehn Kinder war eine stetige Herausforderung. Neben der Arbeit in der «Technica» und am Wochenende half er immer auf den umliegenden Bauernhöfen mit oder sorgte sich um den Liegenschaftsunterhalt im Restaurant Krone. Eine gewisse Zeit war er als Platzwart des FC Selzach. Unvergessen ist seine Kaninchen- und Meerschweinchen-Zucht. Mit dem Verkauf der Tiere konnte er immer wieder einen Beitrag in die Familienkasse leisten.

Seine grosse Leidenschaft war der eigene Garten. Bis ins hohe Alter, pflegte er verschiedene eigene «Pflanzplätze» und Gärten von Freunden und Bekannten. Seine Erfolge in der Gartenarbeit brachten ihm im Dorf den Übernamen «Grüner Daumen» ein. Jedes Jahr zur Osterzeit wurde es umtriebig an der Kronengasse. Ernst band für den Palmsonntag in der Regel mehr als 100 Palmen, welche nach der Segnung des Pfarrers auf dem Kirchhof verkauft wurden. Die Kinder mussten dann die bestellten Palmen austragen. Die süssen Belohnungen für die Lieferungen führten jeweils zu einem stimmungsvollen Abschluss des Palmsonntages. Auch als Besenbinder war er in der Region bekannt, band er doch jahrzehntelang Reisbesen von besonderer Qualität.

Schon die nächste Seniorenfahrt geplant

Ernst Vögeli wurde 1960 Mitglied des frisch gegründeten Jodlerclubs Althüsli. Er nahm an 14 eidgenössischen und etlichen kantonalen Jodlerfesten teil. Ein Höhepunkt all dieser Feste war das eidgenössische Jodlerfest im Jahr 1990 in Solothurn.

Die gesellige Art von ihm ist weit über Selzach hinaus bekannt, kann er doch aus dem Stegreif einfach so eine Stunde ohne Pause Witze erzählen. Während vieler Jahre war Ernst auch ein aktiver Jasser. Er konnte abendfüllend mit dem «Finkensepp» und weiteren Kollegen den Schieber jassen. Dass er in der Regel nur einen Tee pro Abend trank, gab nicht nur den Wirtsleuten hin und wieder zu denken.

Leider musste Ernst Vögeli auch einige Schicksalsschläge hinnehmen. Seine Ehefrau Lina (Mam) sowie zwei seiner Söhne und eine Enkelin musste er bereits zu Grabe tragen. Auch alle seine Geschwister sind in der Zwischenzeit verstorben. Doch der Lebensmut hat ihn nicht verlassen. Mit seiner Partnerin Frieda Oppliger lebt er in der Wohnung an der Dorfstrasse. Die beiden kümmern sich um den Haushalt und die Blumen, welche im Frühling jeweils prächtig blühen. Zusammen mit der Gemeindepräsidentin hat Ernst auch bereits die nächste Seniorenfahrt im Jahre 2020 geplant. (mgt/uby)

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