Private Concerts

«Eine Herzensangelegenheit»: Ihre Plattform ermöglicht Hauskonzerte unter Freunden

Nicole Roemmel und André Lergier vermitteln Musikerinnen und Musiker für Konzerte im privaten Rahmen.

Nicole Roemmel und André Lergier vermitteln Musikerinnen und Musiker für Konzerte im privaten Rahmen.

Nicole Roemmel aus Feldbrunnen und ihr Kollege André Lergier präsentieren eine Plattform für private Konzerte. Die Initialzündung dafür liegt sechs Jahre zurück.

Nicole Roemmel ist eine grosse Musikliebhaberin und André Lergier ein junger Mediamatiker. Zusammen haben sie die digitale Plattform private-concerts.ch für Konzerte im privaten Rahmen erschaffen.
Der Zeitpunkt dafür scheint ideal.

Gastgeberinnen und Gastgeber finden dort Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichen Sparten, die sich für ein Konzert engagieren lassen und – nicht virtuell, sondern in Fleisch und Blut – auftreten. Mit dieser Plattform könnte sich in diesem Sommer den abgesagten Open Airs und Musikfestivals eine neue Perspektive eröffnen: Haus- und Gartenkonzerte unter Freunden.

Schweizweit die erste ihrer Art

Dass private-concerts.ch eine solche Aktualität erhalten könnte, damit hatten Nicole Roemmel aus Feldbrunnen-St. Niklaus und André Lergier aus Thun nicht gerechnet. Denn die Initialzündung liegt sechs Jahre zurück. Das war 2014, nach einem Auftritt von Max Giesinger. Roemmel hatte den damals noch wenig bekannten Musiker zu sich nach Hause eingeladen, wo er vor etwa 15 geladenen Gästen ein Konzert gab. Ihre Gäste waren hin und weg. Und auch sie, bis vor elf Jahren als selbstständige Eventmanagerin tätig, war überwältigt vom Charme eines solchen Konzerts im eigenen Wohnzimmer. Die vielen positiven Rückmeldungen schürten den Gedanken, dieses Erlebnis man auch anderen zu ermöglichen. Zusammen mit Lergier hat sie vor zwei Jahren die Plattform entwickelt und immer wieder verbessert. Nun ist die Plattform online und schweizweit die erste ihrer Art.

Über 20 Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz und aus Deutschland stehen bereits zur Auswahl. Mit Fotos und Text ansprechend präsentiert, mit Videos und Audios zum Reinhören. Wichtig ist den Initiatoren: Sie vermitteln keine Amateurmusiker, sondern ausgewählte Künstler, die eine professionelle Karriere anstreben. So müssen diese als ein Kriterium für die Aufnahme bereits einen Song kommerziell produziert haben.

«Wir haben keine finanziellen Interessen»

Hat man sich als potenzielle Gastgeberin für eine Band entschieden, so füllt man das digitale Formular aus und sendet die Anfrage mit Angaben zum Anlass und zum Budget ab. «Das gibt uns die Möglichkeit, bereits im Vorfeld die Anfragen zu selektionieren. Liegen Budget und die Gage des Künstlers zu weit auseinander, fragen wir die Musiker gar nicht erst an, sondern nehmen mit den Gastgebern Rücksprache», sagt Roemmel. Das halte den Musikern unnötige Anfragen vom Hals. Die Gage an sich ist dann Sache zwischen Musikern respektive ihrem Management und den Gastgebern.

Sie bewegt sich zwischen 1000 und 4000 Franken, je nach Künstler und Formation. Die Vermittlungsgebühr beträgt unabhängig von der Gage pauschal 100 Franken für Private und 200 Franken für Firmen.

«Private concerts ist eine Herzensangelegenheit», sagt Roemmel, «wir haben keine finanziellen Interessen.» Musiker seien auf Engagements angewiesen, wenn sie ihren Lebensunterhalt mit der Musik verdienen wollen, weiss die heutige Kommunikationsfachfrau. Das will sie unterstützen – aus purer Leidenschaft für die Musik.

Diese Leidenschaft teilt auch Pascale Vasolli aus Seedorf. Sie war mehrmals schon eine Gastgeberin, privat wie geschäftlich. Die Plattform war noch in den Kinderschuhen, als Roemmel ihr Künstler vermittelte, etwa für eine Geburtstagsfeier, aber auch für die geschäftlichen Weihnachtsessen ihres Arbeitgebers, deren Organisation sie als Personalfachfrau seit fast zwanzig Jahren verantwortet. «Absolut genial», lautet ihr Fazit. «Die Künstler so nah zu erleben, ist irrsinnig gut.»

Checkliste mit Tipps fürs Hauskonzert

Auf der anderen Seite der «Bühne» fällt das Fazit ähnlich positiv aus. Die Winterthurerin Carole Brühwiler von Ginger and the Alchemists hat mit der Band an einem Geburtstag im Schloss Waldegg gespielt. Sie schätzt die Nähe zum Publikum. «Die Stimmung war wohnzimmermässig, das Publikum hat mucksmäuschenstill unseren Klängen und Worten gelauscht.» Sie schreibe die Lieder selber, entsprechend wichtig sei ihr, dass die Texte gehört werden. Dazu passe die kleine Bühne gut.
Wo liegen die Schwierigkeiten? «Als Gastgeber sollte man die Gäste vorbereiten, den Künstler ins Zentrum rücken und ihm die richtige Bühne geben», sagt Roemmel. Eine Checkliste mit Tipps stellt sie bereit, damit das private Konzert zu einem gelungenen Abend wird.

Hinweis: www.private-concerts.ch, Instagram @private_concerts

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