Messen

Ein Meisterkoch an der Olympiade: «Am Abend hatten wir die Goldmedaille in der Tasche»

Jonas Ingold, Restaurant Zum Löwen in Messen, kommt mit einer goldenen Auszeichnung von der Olympiade der Köche heim.

Eine intensive Zeit sei es gewesen bis zur Olympiade der Köche in Stuttgart. Jonas Ingold, Koch im Restaurant Zum Löwen in Messen, kochte im Team des Cercle des Chefs de Cuisine Berne. In zwei Tagen und Nächten haben er, vier weitere Köche und neun Helfer, Männer und Frauen, die geforderten Speisen in Bern gekocht, dann mit Gelee überzogen und so haltbar gemacht, nach Stuttgart transportiert und von 5 bis 7 Uhr morgens den Wettkampftisch für die Juroren vorbereitet.

«Am Abend hatten wir die Goldmedaille in der Tasche», erzählt Ingold. Gross sei die Erleichterung gewesen nach einer Trainingszeit von gut eineinhalb Jahren. Auch andere Teams haben die Goldmedaille geholt, die man für eine Leistung zwischen 90 und 100 Punkten erhält. In der Abschlusswertung erzielten sie den vierten Rang unter den 32 zugelassenen regionalen Teams aus aller Welt. Olympiasieger ihrer Kategorie (Regional Teams) wurde ebenfalls ein Schweizer Team. In den anderen Kategorien kochten Nationalmannschaften, Jugendnationalmannschaften, Militärköche, Köche von Gemeinschaftsverpflegern und Einzelköche.

Begonnen hat die Freude am Wettkampf für den 24-jährigen Ionas Ingold aus Scheunen, Vater eines dreijährigen Kindes, in der Lehre, die er im «Zum Löwen» absolvierte. Ein Berufschullehrer kochte in der Nationalmannschaft und bot Ingold im zweiten Lehrjahr an, in einem Team zu schnuppern. «Ich bekam die Telefonnummer des Präsidenten des Berner Cercle und wurde zu einem Casting aufgeboten.» Als Helfer durfte er mitkochen. Es habe ihm gefallen, aber im Team gab es Probleme und die Sache zerschlug sich. Vor über vier Jahren wurde er von Patrick Ammann, Teamchef des Cercle, erneut angefragt. Die Gruppe begann für die WM in Luxemburg zu trainieren, danach für die Olympiade.

Swissness und Bern als Motto an der Olympiade

«Wir hatten klare Vorgaben», so Ingold. Für die Olympiade seien mehrere Programmteile trainiert worden. Im ersten Teil vier Fingerfoods, zwei warm und zwei kalt, eine Schauplatte mit drei Schaustücken und je passender Garnitur, Sauce und Salat, im nächsten Programmteil ein festliches Fünfgangmenu mit drei Vorspeisen, zwei kalt, eine warm, und im letzten Programmteil vier Desserts, eines mit Schokolade, eines mit Früchten und zwei frei wählbare, plus vier verschiedene Friandises. «Als Team mussten wir ein Motto finden, eine Linie, damit alles zusammenpasst. Es darf keine Wiederholung haben, und es soll zur Saison passen.»

Ein halbes Jahr habe das Team gebraucht, die passenden Gerichte zu finden. «Wir hatten als Thema Swissness mit dem Motto Bern gewählt und verwendeten beispielsweise Kaviar aus dem Tropenhaus, den Swisslachs oder Forellen aus Rubigen.» Danach begann das eigentliche Kochtraining mit zwei Tage dauernden Probeläufen für die Olympiade. Mitte Februar war es so weit. Das Team kochte für die Olympiade in Stuttgart.

«Ich war sicher 40 Stunden wach»

«Ich war von Samstag früh bis Montagmorgen sicher 40 Stunden wach. Es war relativ anspruchsvoll, noch den Kopf beieinanderzuhaben», erzählt Ingold. Alles wurde nur einmal hergestellt oder gekocht, mit Ausnahme des Fingerfoods und der Pralinen. «Ein Einzelstück kann man schnell perfekt hinbringen, aber mehrere genau gleiche ist schwieriger. Wir arbeiten teilweise mit Lineal und Geo-Dreieck, damit alle gleich perfekt aussehen.»

Der Wettkampf sei für das junge Team emotional und sehr anstrengend verlaufen. «Wir haben an der Rangverkündigung nicht damit gerechnet, Gold zu holen.» Mit der Goldmedaille wurden sie zum Anwärter für den Olympiasieg in ihrer Kategorie, der am Schlusstag aufgrund von Fotos und einer genaueren Auswertung der Jury vergeben wurde. Es reichte mit dem vierten Platz nicht ganz fürs Podest. Aber die Goldmedaille sei für das junge Team schon ein grosser Erfolg gewesen.

Chefkoch, wie es im Cercle verlangt wird, ist der 24-Jährige nicht. Deshalb kocht er zwar im Team, kann aber nicht in die Vereinigung aufgenommen werden. Im Mai folgt der Abschluss. Seit eineinhalb Jahren ist er in der Weiterbildung zum Chefkoch, parallel zum Olympia-Training, seiner Arbeit im «Zum Löwen» und als Familienvater. «Bald kommt unser zweites Kind. Es war schon eine taffe Zeit, die letzten drei Jahre.»

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