Gerlafingen

Eigentümer erhalten mickrige 6 Franken pro Quadratmeter

Mit dem Trottoirbau vor dem Gebäude rechts werden viele Anpassungen nötig, die der Kanton übernehmen muss.

Mit dem Trottoirbau vor dem Gebäude rechts werden viele Anpassungen nötig, die der Kanton übernehmen muss.

Ein altes Bauernhaus verursacht in Gerlafingen einen Strassenengpass. Mit der Sanierung wird den Eigentümern Land genommen. Sie sind aber mit dem von der Schätzungskommission festgelegten Landpreis nicht zufrieden.

Das Haus sollte eigentlich abgerissen werden. Darin sind sich so ziemlich alle einig. Die Lastwagen fahren den Bewohnern, wenn es welche gäbe, beinahe in die Stube. Die beiden Wohnungen im alten Bauernhaus an der Kriegstettenstrasse in Gerlafingen wurden aber letztmals 2009 benutzt. Heute wirkt das Gebäude baufällig, oder wie es Beat Stöckli, Vizepräsident des Verwaltungsgerichtes gelinde ausdrückt: «An der Grenze zum Abrissobjekt.»

Angesagt war ein Augenschein beim Bauernhaus, das auf der Kantonsstrasse zu einer Verengung führt. Oben an der Traufe hängt ein Pylon als Warnung, unten unter dem Vordach drängen sich die Teilnehmer des Augenscheins, während Laster um Laster vorbeidonnert, und die Furcht mitgerissen zu werden gross ist. Der Besitzer, gerüstet für solche Engnisse, holt
ein Warnschild hervor und stellt es einige Meter vom Haus entfernt an den Trottoirrand.

Genau dieses Trottoir fehlt auf der Länge der Liegenschaft. Der Kanton muss die Strasse sanieren und das Trottoir vervollständigen. Der Verkehr soll künftig ohne Engpass durchfahren können, und das unterbrochene Trottoir ergänzt werden. Dafür muss der Besitzer 120 Quadratmeter Land abgeben. Land, das heute nur ihm zur Verfügung steht, soll künftig zusätzlich von Passanten genutzt werden können. In Metern ausgedrückt wäre künftig die Strasse durchgehend 6,9 Meter breit. Heute sind es bis zu 80 Zentimeter weniger für die zwei Fahrspuren.

Wiederinstandstellung kostet

Der Kanton wird diverse Anpassungen zusätzlich bezahlen müssen. Der östlich gelegene Miststock mit dem darunterliegenden Güllenloch muss verschmälert, die Einfahrten angepasst und ein zweites Güllenloch entlang der Liegenschaft aufgefüllt werden. Im Westen hat der Besitzer im Garten mit einer Folie einen einfachen Teich erstellt, in dem er Schleien und Karpfen zieht.

Auch diese seit fünf Jahren bestehende Anlage muss unter Kostenfolge für den Kanton verschoben werden. Die Holztreppe in das obere Stockwerk kann bestehen bleiben. Sie endet auf dem künftigen Trottoir. «In dieser speziellen Situation ist das möglich. Wir haben überall im Kanton in den Dörfern Gebäude, die nahe an die später erstellten Kantonsstrassen reichen», so Stöckli.

Hobbybetrieb

Natürlich wird der Besitzer künftig mit einem Trottoir noch stärker eingeschränkt als heute schon. Ein Gefährt, etwa ein Traktor, kann nicht mehr vor dem Haus abgestellt werden. Der frühere Bauernhof wird aber nicht mehr als Landwirtschaftsbetrieb genutzt. Der pensionierte Besitzer führt einen Hobbybetrieb.

Dazu benötigt er diverse Räume, Stall und Tenne sowie Lagerplatz rund um das Haus. Im Hobbybetrieb nutzt er 8,5 Hektaren Land. Auf der Weide stehen eine Kuh, ein Muni und ein Kalb sowie zwei Geissen. Die Tiere kommen ab zirka Mitte November in den Stall, wo sie überwintern.

Die Beschwerde, weswegen ein Augenschein angeordnet wurde, betrifft die Höhe des Entgeltes für die Fläche, die der Kanton für das Trottoir beansprucht. Die Liegenschaft liegt in der Landwirtschaftszone. Die Schätzungskommission hat den Preis für die 120 Quadratmeter Land auf 6 Franken pro Quadratmeter festgelegt.

Zu wenig, wie die Beschwerdeführer finden. Beat Stöckli ist in einer vorläufigen Beurteilung ebenfalls dieser Meinung. Das Land rund um eine bebaute Fläche müsse anders bewertet werden, zudem werde die Privatsphäre der (heute nicht vorhandenen) Wohnungsnutzer reduziert. «6 Franken sind nicht ganz richtig», so Stöckli.

Anstatt Land, das Haus kaufen

Den Beschwerdeführern schwebt aber eine ganz andere Lösung vor. «Man sollte Nägel mit Köpfen machen. Wenn man hier eine saubere Sache bauen will, gehört das Haus weg.» Nach Ansicht der Beschwerdeführer müsste der Kanton oder die Gemeinde die Liegenschaft kaufen.

Ein Neubau kann an dieser Stelle kaum gebaut werden. Strassenabstand und Waldabstand lassen nur einen kleinen Streifen übrig. Sollte dieser vergrössert werden, müsste man den Wald verkleinern und andernorts ersetzen und danach noch umzonen, was allgemein als kaum durchführbar angesehen wird. Für eine Sanierung des Gebäudes scheint es zu spät, weil zu teuer und zu exponiert gelegen.

Kanton wie Gemeinde haben bisher klar signalisiert, dass sie an einem Kauf nicht interessiert seien. Oder wie es ein Kantonsvertreter sagt: «Wir wollen ein Trottoir bauen und nicht eine Liegenschaft
kaufen.»

Andererseits ist man bisher von einem viel zu hohen Preis für die 1777 Quadratmeter grosse Liegenschaft ausgegangen, wie beim Augenschein klar wird. Statt von über einer Million ist aktuell von 200'000 bis 300'000 Franken die Rede. Nachdem Richter Beat Stöckli diese Möglichkeit breiter ausleuchtete, will Gerlafingens Bauverwalter Ewald Kaiser zumindest die Möglichkeit eines Kaufs der Liegenschaft nochmals in den Gemeinderat tragen.

Wie viele Franken die Besitzer für die 120 Quadratmeter Land vom Kanton erhalten sollen, will Beat Stöckli in den nächsten drei Wochen entscheiden.

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