Detailhandel

«Dorfläden sind ein Auslaufmodell»: Im Bucheggberg schliessen gleich mehrere Lädeli

Mit der Drogerie verliert Messen an Attraktivität als Einkaufsstandort.

Mit der Drogerie verliert Messen an Attraktivität als Einkaufsstandort.

Im Bucheggberg schliessen demnächst mehrere Läden. Besonders Messen ist vom Umbruch im Detailhandel betroffen.

Noch kann sich Messen rühmen. Als «zentral abgelegen» bewirbt Gemeindepräsidentin Marianne Meister (FDP) ihr Dorf. Zahlreiche Detailhandelsbetriebe sorgen für eine intakte Gewerbe-Infrastruktur. Und es stimmt ja auch: Messen strahlt als kommerzielles Zentrum für das Limpachtal über die Kantonsgrenzen hinaus. Doch die komfortable Einkaufssituation wird sich in den kommenden Jahren verändern. Nicht zum Guten.

Die Drogerie Lenz schliesst für immer ihre Türen. Auch die Metzgerei Zürcher wird mittelfristig dichtmachen. Bereits geschlossen wurde am 20. Mai der Blumenladen Müller. «Wirtschaftlich stimmte es nicht mehr», sagt Betreiberin Monika Müller, die den Laden vor acht Jahren übernommen hatte. Immerhin: Ab Mitte August wird der Blumenladen von der Gärtnerei Marti aus Aetingen weitergeführt. Bereits seit längerem Geschichte ist in Messen die Käserei.

«Hinterlassen eine grosse Lücke»

«Uns ist bewusst, dass wir eine grosse Lücke im Dorf hinterlassen», sagt Nathalie Fawer, Co-Geschäftsführerin der Drogerie Lenz. Seit Ankündigung der Schliessung in den grossen Schaufenstern des Geschäfts seien auf Betreiber- wie auf Kundenseite viele Tränen geflossen. Doch die harten wirtschaftlichen Umstände liessen keine andere Wahl, so Fawer. «Wir müssen schliesslich vom Geschäft auch leben können.»

Erst vor zwei Jahren hat sie zusammen mit Sonja Wüthrich den Betrieb von Elisabeth und Hans Lenz übernommen. Bereits damals sei der Umsatz nicht sehr hoch gewesen. Doch die Übernahme brachte neuen Schwung. Fawer und Wüthrich planten sogar, das Unternehmen zu kaufen. Dazu kommt es nun nicht mehr. Die beiden Geschäftsführerinnen treten neue Jobs in Schiers GR respektive Herzogenbuchsee an. 

Auch für eine der beiden Teilzeitangestellten und die Lehrtochter wurden Stellen gefunden.
Die Einkaufsgewohnheiten haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert, berichtet Nathalie Fawer. Zwar könne die Drogerie auf treue Stammkunden zählen, doch die Laufkundschaft bleibt zunehmend aus. Viele Arbeitstätige erledigen ihre Einkäufe nach Feierabend gleich in den Zentren Bern oder Solothurn. Die Drogeriebranche leide ausserdem unter einer mangelnden Selbstverantwortung von Menschen selbst bei leichten Beschwerden.

Statt eine Apotheke oder Drogerie aufzusuchen, würden viele gleich zum Arzt rennen. Zudem wüssten zu wenige, dass die Drogerie auch Lebensmittel, ein Reformsortiment sowie Putzmittel oder Körperpflegeprodukte anbiete. Und so geht die Geschichte der Messner Drogerie, die Hans Lenz vor 44 Jahren von seinem Vater übernommen hat, am 1. Juli zu Ende.

Spezialisten weniger nachgefragt

Ein Ende ist auch bei der Metzgerei Zürcher in Messen absehbar. «Sicher noch vier Jahre» wolle man den Betrieb weiterführen, sagt Hedi Zürcher, die den 1955 gegründeten Betrieb seit 1982 führt und auf das Pensionsalter zugeht. Danach sei Schluss, obwohl der «Junior» für den Metzgerberuf ausgebildet ist. «Dorfläden sind ein Auslaufmodell», sagt Zürcher, weil die Stammkundschaft allmählich wegsterbe. Läden mit spezialisiertem Sortiment seien immer weniger nachgefragt. Dass viele Geschäfte vom Bahnhofskiosk bis zum Grossverteiler heute Fleisch anbieten, drückt den Metzgern auf die Marge.

Als weitere Gründe zur Geschäftsaufgabe nennt Zürcher immer strengere Lebensmittelvorschriften sowie die zunehmende Präsenzzeit.

Diskutiert wurde die Nachfolgeregelung auch im Denner in Messen. «Schliesslich gehe ich auch auf die 60ig zu», sagt Geschäftsführer Ruedi Meister. Beklagen mag er sich allerdings nicht. «Wirtschaftlich läuft es sehr gut, wir sind zufrieden.» Die Gründe für den Erfolg seien vielfältig: Denner als national tätiger Partner des Franchising-Nehmers investiert viel in Werbung. Zudem biete man in Messen regionale Produkte inklusive des beliebten Offenkäses an. Auch das Verhältnis von Preis und Leistung sei attraktiv.

Onlinehandel drückt durch

In Messen, so Ruedi Meister, verfüge man im Verhältnis zur Gemeindegrösse noch immer über eine breite Anzahl an Geschäften. Gestärkt würde der Standort nicht zuletzt dank der Kundschaft, die das Medizentrum und die Schule ins Dorf bringen.

Als Präsident des Bucheggbergischen Gewerbevereins bemerkt Meister den Strukturwandel natürlich trotzdem. Neben den bereits genannten Gründen führt er den Onlinehandel auf, der den Detaillisten Marktanteile abspenstig macht. Dies sei ein allgemeiner Trend und nicht bloss auf dem Land zu beobachten. Bereits vor vier Jahren schloss Marianne Meister ihren Modeladen. Grund dafür sei aber weder der Internethandel, noch der Einkaufstourismus, sondern in erster Linie die Vorgaben der Lieferanten gewesen, von denen immer grössere Mengen hätten bezogen werden müssen.

Ruedi Meister räumt ein, dass der Bucheggberg keine hochfrequentierte Region ist. Ausnahmen bilden Schnottwil und das Gebiet um den Bahnhof Lohn-Lüterkofen am West- und Ostrand des Bezirks. Und doch bedauert er jede Schliessung von Detailhandelsbetrieben. «Denn die Läden erhöhen die Attraktivität des Bucheggbergs.»

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