Biberist

Dieser Speicher ist ein bäuerlicher Zeitzeuge vom Oberbiberist

So sieht der Speicher an der Bachstrasse in Biberist aus.

So sieht der Speicher an der Bachstrasse in Biberist aus.

Die kantonale Denkmalpflege erforschte in Biberist einen 351-jährigen Holzspeicher. Bauforscher Urs Bertschinger bezeichnet die Konstruktion als aussergewöhnlich.

Seit vergangenem Herbst macht eine kleine bronzene Tafel der Denkmalpflegekommission Biberist auf eines der ältesten Gebäude der Gemeinde und des Wasseramtes aufmerksam. Datiert ist der Kornspeicher der Familie Schwaller an der Bachstrasse 17 mit der eingekerbten Jahrzahl 1665.

Seit 75 Jahren steht er unter kantonalem Denkmalschutz. Urs Bertschinger, Denkmalpfleger und Bauforscher des Kantons Solothurn, ist an der Arbeit und durchleuchtet den Holzspeicher aufs Genauste.

Er macht Fotos und Skizzen. «Ich hoffe, anhand der Art der Holzkonstruktion, der nachträglichen Anbauten und des Mauerwerks die Entstehungsgeschichte herauszuschälen, gleichzeitig aber auch den Zustand zu ergründen», informiert er.

Interessante Dekorationen

Der Bauforscher bezeichnet die Art der Holzkonstruktion als aussergewöhnlich. Im Jahr 1665 seien die Speicher nämlich grösstenteils in der spätgotischen Tradition des Block- und Hälblingsbaus erstellt worden. Der Speicher an der Bachstrasse aber präsentiert sich in der Frühform eines barocken Typus eines Bohlen/Ständerbaus, der mehrheitlich erst von Ende 17./Anfang 18. Jahrhundert angewendet wurde. 

Urs Bertschinger an der Arbeit

Urs Bertschinger an der Arbeit

Der umlaufende Schwellenkranz und die vier Eckständer sind aus Eiche. Die gesamte übrige Konstruktion besteht aus Nadelholz. Der Speicher weist zudem verschiedene Dekorationen auf, etwa Konstruktionsholz mit weiss-rot und schwarz-rot betonten Zierfasen, Türen mit Kielbogensturz und gekerbten Kreuzen, Röteligraffiti sowie den ausgesägten Lüftungsschlitzen an den Wänden im Erdgeschoss.

Zweimal wurde der Speicher durch einen Anbau erweitert. Erstmals eingeschossig auf der linken Seite im 18./19. Jahrhundert, und zwar mit einem L-förmigen verputzten Mauerwerk aus grob behauenen Sandsteinquadern und Holzständerfassaden-Abschluss. Denkbar ist laut Urs Bertschinger, dass die gefundene Feuerstelle als Ofenhaus, Waschküche, Brennerei oder als kleine Schmiede-Werkstatt gedient hat.

Zum heutigen asymmetrischen Erscheinungsbild führte das damalige Anheben des Daches. Im 19./20. Jahrhundert entstand auf der rechten Seite mit einer Dachverlängerung ein gedeckter Bereich als Abstell- und Holzlagerplatz.

Gute Grundsubstanz

«Der Speicher stellt mit den beiden Bauernhäusern Schwaller und Gerber und dem kleinen Sägerei- und Schopfbau eine ursprüngliche bäuerliche Gebäudegruppe des alten Kerns vom Oberbiberist dar», sagt Urs Bertschinger. «Die Anbauten des Speichers sind typisch für Funktionserweiterungen im Laufe der Jahrhunderte.»

In seiner Grundsubstanz sei er praktisch vollständig erhalten, einige Sanierungsarbeiten aber würden notwendig. Eine genaue Schadenskartierung für die Kostenschätzung des Zimmermanns ist bereits festgelegt. Die Denkmalpflege entrichtet an die werterhaltenden Massnahmen einen namhaften Beitrag.

Meistgesehen

Artboard 1