Herrenmatte

Die ersten Laubfrösche quaken in der Selzacher Witi

Das Wiederansiedlungsprojekt für Laubfrösche ist in der Witi sehr erfolgreich.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Laubfrosch in der ganzen Witi - von Grenchen bis Solothurn - heimisch. Nach der ersten Juragewässerkorrektion und dann verstärkt während der sogenannten Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg legte man das Gebiet trockenzulegen und der Laubfrosch verschwand in den 1970-er-Jahren ganz aus der Landschaft. Heute nun bemüht man sich darum, dem Laubfrosch wieder Lebensräume zur Verfügung zu stellen. Und ist bisher anscheinend erfolgreich.

Im Jahr 2014 hat man mit der Wiederansiedlung des Laubfrosches in der Grenchner Witi begonnen. Die Frösche wurden im Altwasser, im Egelsee und im Ostportal/Witihof ausgesetzt. Am wohlsten ist es den kleinen Tierchen offensichtlich im Egelsee, wo sie sich in der Zwischenzeit selbst vermehren. Im Frühling 2019 zählte man in der Grenchner Witi bereits bereits wieder über 50 rufende Männchen. Wenn man Weibchen und Jungtiere mitrechnet, könnten es in Grenchen heute wieder rund 100 Laubfrösche haben. «Das ist im schweizerischen Vergleich eine sehr grosse Population», erklärt Jonas Lüthy (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Amt für Raumplanung). Generell sei der Laubfrosch in der Schweiz immer noch stark auf dem Rückzug. «Im Reusstal konnte man ihn mit umfangreichen Massnahmen erhalten und fördern. Ebenso am Unterlauf der Saane im Kanton Bern. Aber beispielsweise im Grossen Moos ist das bisher nicht wirklich gelungen.» Umso mehr freut es Jonas Lüthy, dass sich der Laubfrosch von Grenchen her nun ausbreitet. Er wurde dieses Jahr bereits im angrenzenden Kanton Bern, in der «Günsche Witi» festgestellt.

Auch der Storch wurde seinerzeit angesiedelt

Die Abteilung Natur und Landschaft ist grundsätzlich sehr zurückhaltend gegenüber künstlichen Wiederansiedlungen. Mit der Witischutzzone hat sich der Kanton Solothurn jedoch dazu verpflichtet, verschwundene Arten wieder heimisch werden zu lassen, was in der heutigen Kulturlandschaft in vielen Fällen nicht mehr durch natürliche Einwanderungsprozesse erfolgen kann. So wird auch versucht, diverse verschwundene Pflanzenarten wieder anzusiedeln. Grundsätzlich sind solche Wiederansiedlungen sehr schwierig. Die Ursache des Aussterbens ist meist der Verlust von Lebensraum. Dieser muss wieder nachhaltig instand gestellt werden, bevor es sinnvoll ist, Tiere auszusetzen. Eines der spektakulärsten Projekte ist die Storchensiedlung von Max Blösch in Altreu. Heute ist der 1950 ausgestorbenen Weissstorch in der Schweiz wieder im Aufwind.

Versuch in der Herrenmatt begann letzten Sommer

Ziel ist eine schrittweise Besiedlung der Witi mit dem Laubfrosch bis Solothurn. Diverse Biotope sind noch geplant, damit sich wieder eine zusammenhängende Population entwickeln kann. Ende Juni 2018 wurden die ersten Laubfrosch-Larven in der Storchenwiese Herrenmatt in Selzach ausgesetzt. Schon diesen Frühling konnten die ersten Rufer festgestellt werden. «Ich habe sie selbst gehört», so Lüthy. Rufer sind männliche Laubfrösche, die mit ihrem lauten Quaken Weibchen, aber auch weitere Männchen anlocken. . «Der Laubfrosch ist mit einer Grösse von gerade mal 3 bis 5 Zentimeter vermutlich das lauteste Amphibium, das es bei uns gibt.» In der Witi, abseits von Siedlungen, ist das jedoch kein Problem.

Aus der Wiederansiedlung in Grenchen haben die Verantwortlichen einiges gelernt. Für die erfolgreiche Aussetzung von Laubfrosch-Larven und der Etablierung von Laubfrosch-Populationen braucht es zwingend Laichgewässer, die im Frühling Wasser führen und dann ab Hochsommer oder Herbst wieder austrocknen. Konkret heisst dies bei der heute zunehmenden Sommertrockenheit, dass bei Bedarf Wasser in die Gewässer gepumpt werden muss. Diese Voraussetzung ist in Selzach dank einer Solarpumpe und einem Grundwasserbrunnen erfüllt.

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