Obwohl der Eimattbach in Lüsslingen-Nennigkofen im Normalfall nur sehr wenig Wasser führt, geht ein nicht zu unterschätzendes Hochwasserrisiko von ihm aus. Die Gefahrenkarte der Gemeinde zeigt, dass es sowohl im Ortsteil Nennigkofen, als auch im Ortsteil Lüsslingen zu Überflutungen mit geringer und mittlerer Gefährdung kommen kann. Kritische stellen mit Kapazitätsengpässen befinden sich vorwiegend bei den vorhandenen Brücken und Durchlässen, sowie bei den Übergängen in den eingedolten Abschnitten. Schwachstellen wurden insbesondere beim Durchlass Bahnhofstrasse (bei der Gemeindeverwaltung), sowie in der Industriezone vor dem SBB-Durchlass ausgemacht.

Das Schadenpotenzial wurde im Rahmen der Arbeiten an der Gefahrenkarte auf insgesamt rund 60 Mio. Franken geschätzt. Wobei der weitaus grösste Teil der Sachschäden in einem Ereignisfall ein Hochwasser bei der Firma Aeschlimann auslösen würde. Schon 2011 wurde ein Vorprojekt erarbeitet, mit dem der Hochwasserschutz verbessert werden sollte. Aber erst im Jahr 2017 entschied der Gemeinderat, dass ein Bauprojekt erarbeitet, und das kantonale Nutzungsplanverfahren durchgeführt werden soll.

Nur auf Kantonsland

Davide Secci (BSB+Partner, Biberist) stellte dem Gemeinderat die Planung vor, die nun beim Kanton zur Vorprüfung eingereicht werden soll. Der Eimattbach soll renaturiert werden. Weil die Landbesitzer wenig Interesse an der Renaturierung zeigen, wird der Bach nur auf den beiden Parzellen, die heute dem Kanton gehören, geöffnet. Zudem wird oberhalb der Bürenstrasse ein Hochwasserrückhaltebecken erstellt.

Der Projektperimeter umfasst den westlichen Abschnitt des Eimattbaches, zwischen dem Eymatthof und der Bürenstrasse und liegt ausserhalb der Bauzone. Der Bach ist in diesem Bereich heute komplett eingedolt und wird durch zahlreich eingeleitete Drainagen gespiesen. Die Idee besteht darin, einen Damm aufzuschütten, damit das Gewässer während eines Hochwasserereignisses aufgestaut und gedrosselt werden kann. Im Rahmen der Ortsplanung, die zurzeit zur Genehmigung bei den kantonalen Behörden liegt, wird bereits eine kommunale Freihaltezone Hochwasserschutz und eine kommunale Uferschutzzone ausgewiesen, die für die Umsetzung des Renaturierungsprojektes nötig sind.

Überschwemmung der Allmend durch den Eimattbach (Ereignis vom Januar 2018)

      

250 Meter offen

Konkret soll der neue Bachlauf auf zwei Teilstücken, von total rund 250 Metern Länge, südlich des Flurweges (Eymattstrasse) erstellt werden. Der Bach wird 1,7 bis 2 Meter tief, die Böschungen abgeflacht und variabel gestaltet. Das Gewässer soll eine natürliche Fliessdynamik erhalten und gleichzeitig werden Lebensräume für Kleintiere geschaffen. Die bestehenden Drainageleitungen werden an die neuen Böschungslinien angepasst. Der Hochwasserdamm wird im Bereich der natürlichen Geländemulde beim sogenannten «Gummiwäldli» oberhalb der Bürenstrasse erstellt. Vorgesehen ist eine Aufschüttung auf einer Länge von 60 Meter, einer Breite von 25 Metern und einer Höhe von rund zwei Meter.

Im Bereich des Damms wird der Eimattbach in einer neuen Bachleitung geführt. Der Ablass  soll reguliert werden, damit im Fall eines Hochwassers weniger Wasser in den unteren Dorfteil abfliesst. Mit dem Damm könnte ein Speichervolumen von 16'000 Kubikmeter Wasser generiert werden. Das Wasser würde auf die Felder laufen, sollte dort aber nach Aussage von Davide Secci nicht viel länger als ein paar Stunden liegen bleiben.


Mit der Realisierung des Hochwasserrückhaltebeckens oberhalb der Bürenstrasse könne die Hochwassergefahr deutlich entschärft werden, erklärte Secci im Gemeinderat. Gefahr geht aber auch vom Dorfbach aus, weshalb das zweite Rückhaltebecken in der Allmend – das nicht Bestandteil des vorliegenden Projektes ist – und die übrigen Massnahmen beim SBB-Durchlass später auch noch realisiert werden sollte.
Die Massnahmen, die vorgestellt wurden, kosten rund 640'000 Franken, wobei mit rund 90 Prozent Subventionen von Bund und Kanton gerechnet werden darf.