Oesch

Die Arbeit der Biber hätte fast zur Katastrophe geführt – und die Grundlage für die Schadensregelung fehlt

Die Arbeit der Biber hätte fast zur Katastrophe geführt.

Die Arbeit der Biber hätte fast zur Katastrophe geführt.

Biber können grosse Schäden verursachen. Der Landwirt Martin Flury erzählt, wie er und seine Schwiegermutter mit dem Schrecken davon kamen.

Untergrabene Flurwege und gestaute Drainagen – die Schäden bleiben an den Grundeigentümern und Gemeinden hängen.

«Gesehen habe ich den Biber noch nie.» Die Schäden, die das Tier entlang der Oesch in Deitingen verursacht – die kennt Martin Flury aber bestens. Der Grossteil des Landes, das er als Landwirt bearbeitet, liegt rechts und links der Oesch in Richtung Wangen an der Aare. Der Flurweg entlang der Oesch ist viel begangen: Jogger, Velofahrerinnen, Hündeler und Spaziergängerinnen benutzen ihn. Und: Landwirte mit ihren Gefährten. Seit zwei, drei Jahren ist das aber nicht mehr ganz ungefährlich. Die Biber graben sich von der Oesch aus unter den Flurwegen entlang ins Landwirtschaftsland. Die Folge: Die Flurwege werden durchlöchert und instabil. Dazu kommen zusätzlich unterspülte und instabile Bachborde.

Fahren die Landwirte mit ihren Maschinen auf einem solch unstabilen Stück Weg, kann es passieren, dass sie einsinken. Oder gar noch schlimmer, wie Martin Flury weiss. «Wir hatten vor ein paar Jahren grosses Glück. Unser Kartoffelvollernter brach auf dem Weg ein und kippte um. Meine Schwiegermutter verletzte sich. Wäre der Wagen noch weiter gekippt, dann hätte er die fünf Leute, die darauf sassen, unter sich begraben.»

Dabei stört sich Flurynicht an der Anwesenheit des Bibers. «Auch wenn er sich ab und zu auf meinem Zuckerrüben- oder meinem Maisfeld bedient, macht das gar nichts.» Er zolle dem Tier Respekt, weil es solch grosse Dämme und Burgen erbaue. «Es kann aber nicht sein, dass ein Tier geschützt ist und niemand für die Schäden aufkommt, die es anrichtet.» Tatsächlich werden Schäden an Kulturen, sogenannte Frassschäden, gemäss Jagdrecht von Bund und Kantonen übernommen. Für die Infrastrukturschäden gibt es aber nach wie vor keine Regelung.

Dies bemängelt auch der Solothurner Bauernverband (SOBV), der sich letztes Jahr zum neuen nationalen Biberkonzept äusserte. «Grundsätzlich müssen wir festhalten, dass das Konzept Biber einseitig aus Sicht des Naturschutzes und des Schutzes des Bibers erarbeitet wurde», so der SOBV. So werde die Frage der Entschädigung von Schäden an Infrastrukturen und Drainagen erneut nicht geklärt. «Diese Frage wird mit dem einfachen Hinweis abgetan, dass keine gesetzlichen Grundlagen vorhanden seien, solche Schäden zu entschädigen.» Der SOBV hat sich deshalb klar geäussert und erklärt, dass er erwarte, dass die Schadenregulierung auf gesetzgeberischer Ebene gelöst werde. Es könne nicht sein, so der SOBV, dass sich die Gesellschaft für den Artenschutz starkmache, aber die Kosten dieser gesellschaftlichen Zielsetzung auf die Grundeigentümer und die Gemeinden abgewälzt würden.

Die Gemeinde Deitingen will für einen Unfall entlang der Oesch nicht haften. Sie hat ein Schild «Biberbau, Einsturzgefahr, Befahren auf eigene Gefahr» aufgestellt. Monatlich werden die Löcher und Mulden, die der Biber gräbt, mit Kies und Mergel aufgefüllt.

Martin Flury hatte zudem mit vernässten Feldern und einem Biberdamm zu kämpfen. «Der Damm lag im Kanton Bern. Den Rückstau und die verstopften Drainagen gab es im Kanton Solothurn.» Die beiden Kantone hätten sich die Verantwortung gegenseitig zugeschoben, so Flury. Es habe lange gedauert, bis er eine fünfseitige Vereinbarung unterschrieben musste, die es ihm gestattete, am Biberdamm einige Äste wegzunehmen, damit sich der Rückstau vermindert.

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