Am 10. Juni 1944, also mitten im Zweiten Weltkrieg, gründeten 17 junge Männer «ohne Geld im Sack und ohne Fussballplatz» im Restaurant Spiegelberg den FC Kriegstetten. So steht es im Gründungsprotokoll. Bereits an der ersten Mitgliederversammlung, also keine zwei Wochen später, wurde erstmals der Antrag gestellt, den Verein FC Halten zu taufen – was aber abgelehnt wurde.

Somit ist es zwar kein wirklich gerades Jubiläum, dass der Haltener Sportverein HSV feiert. Es sei trotzdem immer klar gewesen, dass es «eine grosse Kiste» geben wird, sagt der 27-jährige Fabian Wüthrich, Präsident des Organisationskomitees. «Alle waren sich schon vor zwei Jahren einig, dass wir ein grosses Fest auf die Beine stellen wollen», ergänzt HSV-Präsident Benno Schläfli. «Es war irgendwie selbstverständlich und brauchte keine Überzeugungsarbeit», so Wüthrich. «Wir hatten rasch eine motivierte Gruppe zusammen, die am Karren reisst.» Am 14. und 15. Juni feiert nun der Haltener Sportverein sein 75-jähriges Bestehen. Zelebriert wird das Jubiläum mit einem grossen Fest auf dem Spiegelberg. Höhepunkt ist ein Freundschaftsspiel gegen die Suisse Legends, einem Team von ehemaligen Schweizer Nationalspielern wie zum Beispiel Stéphane Chapuisat, der sein Kommen bestätigt hat. Beni Thurnheer wird live kommentieren.

Turbulente Vereinsgeschichte

Den ersten sportlichen Erfolg feierte der FC Kriegstetten 1952 mit dem Gruppensieg in der 4. Liga und danach erschienen die ersten kurzen Spielberichte in der Zeitung. Doch ein Blick in die Festschrift verrät: Die frühen Jahre des kleinen Vereins waren geprägt von personellen und finanziellen Krisen. Das Weiterbestehen war mehrmals gefährdet. Auch der zweite Antrag einer Namensänderung, diesmal in Haltener Spielverein HSV, wurde 1961 noch abgelehnt. «Genau weiss das heute niemand mehr, aber vermutlich inspiriert durch den grossen HSV, den Hamburger Sportverein, wurde dann 1968

der Name in Haltener Sportverein HSV geändert», erklärt HSV-Präsident Benno Schläfli.
Die wohl grösste Krise erlebte der HSV in den 1970er-Jahren, als er keinen eigenen Fussballplatz mehr hatte. Die Heimspiele mussten auswärts ausgetragen werden und trainieren durfte man in Gerlafingen. Erst als 1976 der Solothurner Kantonal Fussballverband ein Ultimatum stellte, gelang es dem HSV mit Unterstützung der Einwohnergemeinde Halten, auf dem Spiegelberg, wo gerade die Liegenschaft Wanzenried abgebrannt war, den definitiven Fussballplatz einzurichten.

Der gefürchtete Spiegelberg

Im Frühling 1979 war es so weit: Der legendäre Fussballplatz auf dem Spiegelberg wurde eingeweiht. Fortan galt der HSV heimstark – denn das Spielfeld war so kurz, ja fast quadratisch, dass die Stürmer der Gäste oft erst hinter der Grundlinie merkten, dass sie viel zu weit gerannt waren. Seinen grössten sportlichen Erfolg feierte der HSV 1989 mit dem Gruppensieg in der 3. Liga und der Qualifikation für die Aufstiegsspiele. Sportlich ging es munter auf und ab und seit vielen Jahren pflegt Halten in der Nachwuchsförderung eine Partnerschaft mit dem FC Subingen.

Nach vielen Jahren in der 4. Liga gelang 2017 endlich die Rückkehr in die
3. Liga, doch nach nur zwei Jahren ist nun der Haltener Sportverein HSV ausgerechnet im Jubiläumsjahr wieder in die 4. Liga abgestiegen. «Schade», findet Wüthrich, «aber es ist kein Weltuntergang.» Sie würden den Abstieg als Chance nutzen, indem sie den Jungen in der 4. Liga eine Chance geben, ergänzt Schläfli.

Die einzige Wirtschaft im Dorf

Mit seinen 75 Jahren ist der HSV ein gesunder Verein. Die Zahl der Mitglieder ist konstant. «Die meisten kommen aus Recherswil, Halten, Kriegstetten und Oekingen», weiss Fabian Wüthrich. In der Winterpause soll das Klubhaus mit einer neuen Gastroküche ausgebaut werden. «Das Klubbeizli ist mittlerweile die einzige Wirtschaft im Dorf, und es ist wünschenswert, dass auch gutes Essen serviert werden kann», sagt Benno Schläfli.
Der HSV ist zwar ein kleiner Dorfverein, er hat aber geschafft, wovon andere Fussballklubs nur träumen können: Der Generationenwechsel in der Vereinsführung ist vollzogen. Der jugendliche Elan kommt nun dem Fest zugute. «Ich bin so ziemlich der letzte der alten Garde und auf die nächste Generalversammlung hin werde ich als Präsident zurücktreten», sagt der 51-jährige Schläfli. «Mit Wüthrich habe ich meinen designierten Nachfolger bereits eingearbeitet.»

Das Festprogramm 75 Jahre HSV: Am Freitag und Samstag werden verschiedene Künstler auftreten und im Barzelt sorgt jeweils ein DJ für Stimmung bis in die frühen Morgenstunden. Das Highlight des Wochenendes wird das Spiel der ersten Mannschaft gegen die Suisse Legends sein, das am Samstag um 17 Uhr angepfiffen wird.»