Zuchwil

«Das Sportzentrum steckt in der grössten Krise seit der Gründung 1974»

Die Badi ist sowieso noch nicht offen. Aber auch sonst läuft nichts im Sportzentrum.

Die Badi ist sowieso noch nicht offen. Aber auch sonst läuft nichts im Sportzentrum.

Der Zuchwiler Gemeinderat liess sich zu den finanziellen Auswirkungen des Betriebsstopps auf das Sportzentrum informieren.

Im Lindensaal hatte es genug Platz für den Gemeinderat, um in gebührendem Abstand zu tagen. Zwei Gemeinderäte und ein Kommissionsmitglied waren telefonisch zugeschaltet, wobei die Technik aber mehrheitlich streikte. Die Coronakrise zwang dem Gemeinderat nicht nur einen neuen Sitzungsort auf, sie führte auch zu negativen Nachrichten für die Gemeinde. So kamen Jürgen Hofer, Vizepräsident des Verwaltungsrates des Sportzentrums sowie Direktor Urs Jäggi, um die Gemeinderäte über die finanziellen Probleme der AG zu informieren.

Das Zentrum steht seit 17. März still, hat keine Einnahmen, ist aber weiterhin mit hohen Fixkosten in Form von Löhnen und Unterhalt der Anlagen belastet. «Das Sportzentrum steckt in der grössten Krise seit der Gründung 1974», so Hofer. Zusammen mit der Gemeinde habe man wichtige Massnahmen ergriffen, um die Liquidität zu sichern. «Das ist uns gelungen.» Aber die AG gerate in eine Überschuldung, die nicht alleine gelöst werden könne. «Wir müssen dieses Problem gemeinsam lösen.»

Sportzentrum-Direktor Jäggi beschrieb, welche Sparmassnahmen getroffen wurden. «Wir mähen praktisch nur noch den Rasen.» Mit Tages- und Wochenkontrolle werde versucht, Standschäden zu verhindern. Das Minus betrage monatlich 250000 Franken trotz aller Massnahmen. Eine Taskforce stehe mit dem Kanton in Kontakt. Bei der Regierung sei ein Gesuch um finanzielle Hilfe deponiert worden.

Investieren und sanieren oder sparen?

Im Zusammenhang mit der Krise stellte Gemeinderat Patrick Marti die Frage, ob die Gemeinde das Gewerbe unterstützen könnte, beispielsweise indem man Schulhaus-Sanierungen vorzieht. Gemeindepräsident Stefan Hug erklärte, dass antizyklisches Verhalten der öffentlichen Hand der Wirtschaft helfen könne. Die Frage sei aber, ob die Verwaltung genügend Kapazitäten habe, um Projekte voranzutreiben. Zudem müsse sich die Gemeinde auf finanziell schwierige Zeiten gefasst machen. «Darin haben wir Übung. Ich denke an die Finanzkrise vor zehn Jahren.» Seiner Meinung nach müsse nun eine Strategiegruppe den Investitionsplan überdenken.

Peter Baumann, Leiter Bau und Planung, wies darauf hin, dass man bereits einige kleinere Projekte vorgezogen habe wie etwa Böden sanieren oder Malarbeiten.

Prüfstein zu diesem Thema war die Behandlung eines Nachtragskredites für ein Sportzentrum-Projekt (Hallenbadsteuerung). «Den Worten von Jäggi zufolge könnte es sein, dass das Sportzentrum die Krise nicht übersteht. Macht es dann Sinn, dort jetzt etwas zu ersetzen?», so Patrick Marti. Er widerspreche sich selbst, fand Karen Bennett, habe er doch dafür votiert, dass die Gemeinde in der Krisenlage Investitionen vorziehe. Er habe von Gemeindeaufgaben gesprochen, die Schule werde es auch nach der Krise noch geben, so Marti. Daniel Grolimund zeigte sich überzeugt, dass der Gemeinderat jetzt mit positiven Signalen mehr bewirke. Der Gemeinderat genehmigte den Kredit mit grosser Mehrheit.

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