Luterbach

Das «Rössli» springt frühestens 2021

Das Restaurant ist seit Monaten geschlossen.

Das Restaurant ist seit Monaten geschlossen.

In der Alten Turnhalle von Luterbach fand eine abwechslungsreiche Gemeindeversammlung statt: Das Dorfrestaurant und die Dorfspitex lahmen, während die Rechnung mit grossem Überschuss abschliesst.

Die Bemühungen in Luterbach, die Bevölkerung stärker in die Dorfpolitik einzubeziehen, tragen weiter Früchte. Erinnert sei an die massive Vergrösserung des Gemeinderates, an die Einführung eines Zukunftrates etc. Die Freude des Gemeindepräsidenten Michael Ochsenbein war deshalb gross, dass trotz Coronakrise auch die Gemeindeversammlung auf reges Interesse stiess. Sie wurde von 51 Stimmberechtigten besucht, und es war vorne am Mikrofon beileibe keine Einmannshow des Gemeindepräsidenten. Referenten aus dem Dorf gaben sich im Minutentakt das Mikrofon weiter.

Zu den Referenten gehörte Richard Schwaller, der die Geschicke des gemeindeeigenen «Rösslis» als Präsident der GmbH führt. «Das Rössli bewegt das Dorf», begann er seine Erläuterungen. Seit Herbst 2019 steht das Restaurant leer und ist er auf der Suche nach einer neuen Pächterin. «Es ist schwierig, jemanden zu finden, der alle unsere Bedingungen erfüllt.» Dank Mundpropaganda ergab sich ein Kontakt zu einer entsprechenden Person, die aber mit Beginn der Coronakrise wieder zurückzog. «Seit zwei Monaten erhalten wir wieder vermehrt Anfragen», so Schwaller, darunter befänden sich auch einige vielversprechende.

«Wir werden weiter evaluieren. Aber das Restaurant wird erst im nächsten Jahr wieder eröffnen», dämpfte er zu grosse Erwartungen.

Zu hohe kantonale Anforderungen an die Spitex

Ein weiterer Referent war Gemeinderat Hans Peter Schläfli, Ressortleiter Soziales. Er hatte keine guten Nachrichten, denn die dorfeigene Spitex müsse angesichts der kantonalen Anforderungen in Bezug auf Administration und Pflege das Handtuch werfen. Der bestehende Leistungsvertrag läuft ende 2021 aus. Er wird nicht erneuert. Die Gemeinde muss sich eine neue Partnerin für die Spitex-Dienstleistung suchen.

«Das Interesse von Spitexorganisationen ist vorhanden», beruhigte Schläfli. Wahrscheinlich würden während einer zu bestimmenden Übergangszeit zwei Spitexorganisationen im Dorf wirken, die alte und die neue, um so einen fliessenden Übergang zu ermöglichen. Er setze sich dafür ein, so Schläfli, dass alle Mitarbeiterinnen der alten Spitex auch in der neuen Spitexorganisation einen Platz finden, sofern sie dies wollten.

Biogen sorgt für ein finanzielles Zwischenhoch

Die besten Nachrichten für viele Gemeinden haben ihren Ursprung in der Vor-Coronazeit. So auch in Luterbach, das mit einer formidablen Rechnung 2019 glänzen kann. «Ich habe es schon letztes Jahr sagen dürfen und darf es jetzt nochmals: Ich konnte noch nie einen so hohen Ertragsüberschuss verkünden», erklärte Gemeinderat und Ressortleiter Finanzen Kurt Hediger. Budgetiert waren 86'000 Franken, am Ende waren es aber 313'3000 Franken, die bei einem Gesamtaufwand von 1'683'7000 Franken übrig blieben. Mit dem Überschuss werden die zusätzlichen Abschreibungen (1,531 Mio. Franken) und der Bilanzüberschuss (1,603 Mio. Franken) gefüttert.

Das zusätzlich erwirtschaftete Geld musste Luterbach nicht lange suchen. Die vielen Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Biogen-Baustelle im Attisholz Süd haben insgesamt 1,428 Mio. Franken an Quellensteuern eingebracht. Dieser ausserordentliche Ertrag werde aber wieder zurückgehen, denn bereits haben sich viele Baufirmen wieder verabschiedet. Auch andernorts profitiert die Gemeinde von Biogen. Im Wasser resultierte ein Ertragsüberschuss von 355'000 Franken und dementsprechend im Abwasser von 266'000 Franken.

Zum Vergleich: Im Jahr 2019 verbrauchten die Luterbacher 209'000 Kubikmeter Wasser. Biogens Wasseruhr zeigte einen Verbrauch von 448'000 Kubikmeter Wasser an.

Der hohe Ertragsüberschuss sei aber auch den massiv höheren Steuereinnahmen von natürlichen und juristischen Personen geschuldet. Das könne natürlich Gelüste und Begehren wecken, so Hediger. Im Zusammenhang mit dem Budget 2021 werde der Gemeinderat schauen, ob die Steueren gesenkt werden können, kündigte er an. Ob diese Ankündigung wegen der Coronakrise nicht etwas gewagt ist, wird die Zukunft zeigen.

Dennoch werden viele Luterbacher Eltern im nächsten Jahr profitieren. Die Versammlung hat klar die Reglemente für die Einführung der Tagesstrukturen gutgeheissen. Einerseits sollen Eltern von Vorschulkindern von Betreuungsgutscheinen profitieren, die sie nach eigenem Gusto einsetzen dürfen. Andererseits werden schulergänzende Tagesstrukturen für die Kindergarten- und Schulkinder geschaffen. Dieses pädagogisch geleitete Betreuungsangebot ist modular aufgebaut und gebührenpflichtig.

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