Zur Fasnacht in Selzach gehört seit 29 Jahren die Nuggi-Guggi. Seit sechs Jahren sind Isabella Christen und ihr Partner Stefan Affolter (wieder) die treibenden Kräfte. Im Gespräch erzählen sie von den Anfängen der Gugge und damit auch ein bisschen von sich. Denn damals gabs die Gugge-Mami, die früher für die ursprünglich als Kindergugge gegründete Gruppe sorgte, obwohl sie nicht mitspielte. «Sie hat für die Kinder gekocht, darauf geachtet, dass alle die richtigen Kleider tragen und für die Getränke an den Umzügen geschaut.» Heute muss man Affolter und seine Partnerin Christen als Guggen-Eltern bezeichnen.

In der Gugge hat sich in den sechs Jahren ihres Wirkens die Mitgliederstruktur verändert. «Es war jahrelang ein Auf und Ab. Oft war niemand da, der organisierte», erzählt Stefan Affolter. Er und Isabella Christen musizierten jahrelang bei der Selzacher Gugge Fürobeblooser. Sie sind dort gar Ehrenmitglieder. Christen hat dann ihre Kinder bei der Nuggi-Gugge spielen lassen und dort auch selber in verschiedenen Funktionen mitgewirkt. Als Affolters Sohn mit sechs Jahren bei der Nuggi-Gugge mitspielen wollte, war es auch für ihn Zeit, der Nuggi-Guggi zu helfen. «Damals war gerade wieder ein Tief in der Organisation.» Später traten wieder Ältere in die Gugge ein und übernahmen selber die Organisation. «Wir waren selber noch sehr aktiv bei der Fürobeblooser-Gugge, und deshalb begrüssten wir es, dass sich die Jungen in der Nuggi-Guggi einsetzen wollten.»

Jahre später erfolgte erneut eine Anfrage an Affolter und Christen, die Organisation der Nuggi-Guggi zu übernehmen. «Wir machten damals gerade Pause, weil wir bis anhin sehr viel für die Selzacher Fasnacht getan hatten.» Sie sagten für zwei Jahre zu. Inzwischen sind sechs Jahre vergangen, in denen er präsidiert und sie musikalisch führt. Heute sind 35 Mitglieder aktiv. «Wir haben einen Wandel durchgemacht. Vorher bestand die Gugge nur aus Kindern. Heute versuchen wir ein Elternteil mit einzubeziehen, damit diese etwas gemeinsam mit ihren Kindern unternehmen können. So spielen heute Selzacher jeglichen Alters in der Nuggi-Guggi.»

Dankbare Kinder und Jugendliche

Sie hätten nie gedacht, diese Funktionen in der Nuggi-Guggi so lange auszuführen. «Es ist oft das reinste Chaos, aber ich hatte heuer Tränen in den Augen, als die Gugge am Treffen loslegte. Man spürt, wie dankbar die Kinder sind», sagt Affolter. Isabella Christen stimmt ihm zu: «Sie gaben ihr Bestes, und das ist eine grosse Motivation für uns.» Trotz verschiedenen Altersgruppen, trotz pubertierenden Jugendlichen und trotz Kleinsten, die man wie Flöhe hüten müsse. «Sie haben Freude und sie zeigen diese Freude auch.»

Um die jungen Musikerinnen und Musiker bei der Stange zu halten, haben Christen und Affolter diverse Massnahmen ergriffen. «Weniger im Trend sind heute die Blasinstrumente. Wenn einer mit sechs Trompete zu spielen anfängt, ist er als Jugendlicher eine tragende Kraft in der Gugge», erzählt Affolter. Dann komme oft der Drang, in einer grossen Gugge mitzuspielen. «Die haben ein anderes Programm als die Nuggi-Guggi früher.»

Christen und Affolter haben nun auch Nachtauftritte ins Programm aufgenommen, etwa am Fasnachtsfreitag. «Dann kommen die Jugendlichen mit, aber die Kleinen bleiben natürlich daheim.» Heute wollten die Jungen nicht mehr in eine andere Gugge wechseln. «Der Zusammenhalt hat sich super entwickelt. In der Gruppe findet man gute Kollegen, mit denen man auch sonst in den Ausgang geht», so Affolter. «Klar, wir haben auch schwierige Leute. Aber in der Gugge wird jeder integriert. Alle schauen aufeinander, es gibt keine Ausgrenzung.»

Mehrere Höhepunkte

Die Kleinsten spielen bei den Nachmittagsauftritten, an den Umzügen oder an den Kinderfasnachtsbällen. Stolz ist man, beim Kinderumzug in Solothurn mitmachen zu dürfen. Wegen dem grossen Publikum und: «Wir sind seit vier Jahren die einzige offizielle auswärtige Gugge.» Für die älteren Mitglieder sei die Selzacher Fasnacht Routine, aber für die jüngeren Mitglieder ist der Dorffasnachtsumzug der Höhepunkt. «Dann dürfen sich die Kleinen vielleicht das erste Mal im Dorf zeigen.» Der erste Höhepunkt ist aber das Guggentreffen Ende Januar. «Da ist jeder mit dabei und alle geben ihr Bestes.» Mit den Proben wird nach den Sommerferien gestartet. Erstaunlich sei, dass nur wenige Kinder mitmachen, die von der Schulmusik kommen. «Die meisten haben sich die Instrumente selber beigebracht.»

Musikalisch sorgt Christen für eine Durchmischung der Musikstile. Sie lässt meist einfache Ohrwürmer spielen. «Häufig kennen sie die Lieder aber nicht. Aber gerade mit ‹Hey Jude› on den Beatles haben wir in diesem Jahr ein Highlight gefunden, bei dem das Publikum mitsingt.» Die Nuggi-Guggi wechselt alle zwei Jahre die Kleidung. Diese entsteht in Zusammenarbeit mit einer Schneiderin. Das Schminken wird von einem Team aus der Gugge organisiert. Das Motiv wird anhand einer Fotodokumentation des Schminkchefs illustriert, was im zweiten Jahr die Arbeit erleichtert. Die Schminke muss während der Fasnacht jeden Tag neu gemacht werden und dauert für die Gruppe jeweils zwei Stunden. Gleichzeitig verpflegen sich die Gugge-Mitglieder. Finanziert werden die Kosten mit dem Verkauf von Crêpes und Currywurst, die an der Kilbi in Selzach oder an einem Stand an der Fasnacht angeboten werden. Weiter kommt etwas Geld mit den Vereins-Mitgliederbeiträgen zusammen.

Heuer auf dem Programm steht nach dem Dorfumzug am Samstag, ein Ausflug an die Solothurner Fasnacht am Samstagabend. «Dort spielen wir an drei Brunnen. Wir gehen aber früh und wollen die Kleinen nicht verlieren.» Am Sonntag wird der Oltner Fasnachtsumzug begleitet – «am Solothurner Umzug dürfen wir leider nicht teilnehmen» – und an der alten Fasnacht gehts in den Aargau nach Strengelbach, Brittnau und Zofingen.