Tradition

«Chäswil ohne Chäsi, da fehlte einfach etwas»: In Deitingen wird eine neue Käserei eröffnet

Das Schaufenster der «Land Chäsi».

Das Schaufenster der «Land Chäsi».

Am Samstag wird im Deitinger Dorfzentrum die neue «Land Chäsi» eröffnet. Nebst Käse sollen auch andere Lebensmittel aus der Region angeboten werden.

Was wäre Gotthelfs Dorf Vehfreude ohne seine Käserei? Oder wie es Deitingens Gemeindepräsident Bruno Eberhard zusammenfasst: «Chäswil ohne Chäsi, da fehlte einfach etwas.» Exakt fünf Jahre, nachdem die alte Käserei nach einigen Querelen definitiv schloss, lässt Deitingen seine alte Tradition, die zur fasnächtlichen Bezeichnung «Chäswil» führte, wieder aufleben.

Am Samstag um exakt 7 Uhr eröffnen Patrick Misteli und Jacqueline Calame im Dorfzentrum die neue «Land Chäsi». Verkauft werden neben Käsespezialitäten aus Italien und der Schweiz auch eine Deitinger Wurst aus «Uelis Metzg», Getreideprodukte der Mühle Kofmel und andere Lebensmittel aus der Region. Das biologische Gemüse wird zum Beispiel in der Justizvollzugsanstalt Schachen angebaut.

«Es war für mich eine Herzensangelegenheit», erklärt Eberhard, warum die Dorfzentrum AG, die je zur Hälfte der Einwohnergemeinde und der Bürgergemeinde gehört, mit einem Rundschreiben alle Käsereien in der Umgebung darauf aufmerksam gemacht hatte, dass «Chäswil» gerne wieder einen solchen Laden hätte.

Die Räume waren freigeworden, als die Post im Frühling ihre Filiale schloss und die Gemeinde als Agentur den Service der Post übernahm. «Unser aktives Dorfleben ist in meinen Augen ein wichtiger Standortvorteil», meint der Gemeindepräsident, «dazu müssen wir Sorge tragen.»

Bruno Eberhard (links) freut sich über die neue Käserei in Deitingen, die von Jacqueline Calame und Patrick Misteli am Samstag eröffnet wird.

Bruno Eberhard (links) freut sich über die neue Käserei in Deitingen, die von Jacqueline Calame und Patrick Misteli am Samstag eröffnet wird.

Über die Solothurner «Stadt Chäsi» der Familie Misteli ist die Anfrage zu Patrick Misteli gelangt, der in Riedholz zusammen mit seiner Lebenspartnerin Jacqueline Calame eine Käserei betrieb. «Uns wurde vom Hausbesitzer in Riedholz überraschend der Mietvertrag gekündigt, und wir waren auf der Suche nach einem neuen Standort», blickt Misteli auf turbulente Zeiten zurück. «Wir wollten unbedingt weitermachen und haben nach einem neuen Standort gesucht. Deitingen mit seiner Tradition ist für uns ideal, und die Dorfzentrum AG hat uns ein sehr faires Angebot gemacht.»

Viel Solidarität wird gezeigt

Das sei eine perfekte Fügung des Schicksals gewesen. «Wir sind noch jung und bereit, viel in den neuen Laden zu investieren», sagt dazu Jacqueline Calame. «Viele unserer Stammkunden haben schon gesagt, dass sie gerne wieder zu uns kommen wollen. Vielleicht trinken sie dann auch einen Kaffee in der Bäckerei Felber oder kaufen im Denner ein. Ich sehe die verschiedenen Läden im Dorfzentrum nicht als Konkurrenten, sondern als Anziehungspunkte, die auch uns neue Kunden bringen werden.»

In den schwierigen Zeiten des Umzuges habe er viel Solidarität erlebt, sagt Misteli. «Ein Stammkunde, Samuel Schildknecht, hat spontan angeboten, beim Ausräumen in Riedholz, der Zwischenlagerung und dem Transport nach Deitingen zu helfen.» Der Name «Land Chäsi» sei auch kein Zufall: Patrick Mistelis Eltern bauten einst die «Stadt Chäsi» auf, die heute von seiner Schwester geführt wird. Von ihr habe er auch den Ferrari unter den Fleisch-Schneidemaschinen bekommen, das sei «ein ganz tolles Ding».

Tag und Nacht haben Patrick Misteli und Jacqueline Calame diese Woche geschuftet, um den Laden in einem Endspurt rechtzeitig eingerichtet zu bekommen. Mitten in der Coronakrise eine neue Käserei zu eröffnen, sei aber kein Problem, meint Jacqueline Calame. «Für uns ist selbstverständlich, dass wir regelmässig alle Flächen desinfizieren, und die frischen Waren sind so oder so hinter Glas.» Einzig ein Apéro sei nicht möglich. «Aber vielleicht können wir ja im Frühling ein kleines Eröffnungsfest nachholen.»

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