Riedholz

Brennnesselchips und Löwenzahnpommes — Entdeckungstour im Wald bietet spezielle Speisen

Zu Fuss auf der Suche nach dem Mittagessen. Der Bericht einer speziellen Entdeckungstour im Wald von Riedholz.

Ein recht exotisch anmutendes 3-Gänge-Menu stand auf dem Speiseplan. Brennnesselchips waren die Vorspeise. Als Hauptspeise gab es Gierschrisotto mit Löwenzahnpommes, Pilzgemüse, gebratenem Fleischkäse oder Vegiburger mit Brombeersauce. Der Nachtisch war Dessert vom Buffet. Doch das Essen mussten sich die rund 20 Erwachsenen und die Handvoll Kinder, die den Weg in die Waldhütte Riedholz gefunden hatten, zuerst hart verdienen.

Der Verein Umweltplattform (UP), der seit 2018 auch in Solothurn aktiv ist, hatte zum Anlass «Food by Foot» eingeladen, einer Entdeckungstour in den Riedholzer Wald. Es ging darum, unter fachkundiger Führung Wildpflanzen und Pilze zu suchen, und diese anschliessend zu verarbeiten und zu geniessen. UP organisiert Veranstaltungen zur Förderung der Nachhaltigkeit im Alltag in der ganzen Schweiz. Ziel ist, die Leute für die Umwelt zu sensibilisieren. Sei es bei einem Anlass in der Natur, beim Kleidertausch oder bei einer Veranstaltung zur Abfallreduktion. Cornelia Büttler, Organisatorin des Anlasses, freute sich, dass trotz des kalten, feuchten Wetters viele Interessierte gekommen waren.

So einfach waren die Zutaten nicht zu finden

Nach fachkundiger Instruktion durch die Pflanzenexpertin Isabelle Bögli, wie die Pflanzen aussehen, die sie suchen mussten, und wie man Brennnesseln pflückt, ohne sich zu brennen, schwärmten die Sammlerinnen und Sammler voller Tatendrang mit ihren Körbchen in alle Himmelsrichtungen aus, um ihr Mittagessen zusammenzutragen. Begleitet von der Pflanzenexpertin und der ehemaligen Pilzkontrolleurin Joséphine Graf. Eigentlich heisst es ja, Regen lasse Pilze spriessen. Somit hätte perfektes Pilzwetter sein sollen. Doch trotz intensiver Suche unter trockenen Ästen und Farn, hinter Büschen und im Moos, war die Ausbeute mager. Bei den Pflanzen waren Brennnesseln und Löwenzahn nicht schwer zu finden. Beim Giersch, auch Geissfuss genannt, war es schwieriger. Um die Pflanze nur anhand der Blätterform und des dreieckigen Stängels erkennen zu können, musste man Experte sein. Die weissen Dolden blühen im Frühsommer und waren längst vorbei. Die Brombeeren waren mehrheitlich noch nicht reif.

Zurück von der Exkursion begann ein emsiges Treiben. Die einzelnen Grüppchen hatten die Aufgabe, ihr eigenes Menu zu kochen. Die Brennnesselblätter wurden gewaschen und frittiert, die Löwenzahnwurzeln geschält und paniert, der Giersch unter den Reis gemischt. Die Pilzexpertin breitete die Pilze auf einer Bank aus. Sie zeigte die typischen Merkmale der Pilze auf und trennte die Guten von den Schlechten. Am Schluss blieb von allen zusammengetragenen Exemplaren nur ein kleines Häufchen übrig. Graf rüstete die Pilze eigenhändig. «Ich will niemanden mit Bauchweh», machte sie klar. Die Guten landeten in der Pfanne, die Schlechten wurden wieder dem Waldboden übergeben. Auf dem Rost über dem Feuer brutzelte, dampfte und kochte es bald, und ein herrlicher Duft stieg in die Nasen der hungrigen Sammlerinnen und Sammler. Etwas skeptisch und neugierig kosteten sie die für unseren verwöhnten Gaumen etwas ungewöhnlich schmeckenden Gerichte. Der Tee aus Fichtenästen war nicht nur gut, er wärmte auch die klammen Finger auf.

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