Bauprojekt

Beim Kraftwerk Flumenthal ist für 8.8 Mio. Franken ein Gewässer für die Fischgängigkeit geplant

Grundlage für das Projekt ist der parlamentarische Gegenvorschlag 2009 zur chancenlosen Volksinitiative «Lebendiges Wasser». Die 8.8 Millionen werden jedoch lediglich in die Fischgängigkeit Aare aufwärts investiert. Aare abwärts habe man noch keine Lösung finden können.

Beim Wehr in Biberist werden beinahe 5 Millionen Franken für die Fischgängigkeit Emme aufwärts und abwärts investiert. Beim Kraftwerk Flumenthal wurde nun ein Projekt vorgestellt, das gar 8,8 Millionen Franken kosten wird – nur für die Fischgängigkeit Aare aufwärts. Aare abwärts konnte noch keine Lösung für grosse Anlagen wie das Kraftwerk Flumenthal gefunden werden. Pilotprojekte werden in Bannwil und in Brugg/Wildegg getestet. Die Fische werden Aare abwärts wie bisher in die Turbinenanlage schwimmen und müssen Glück haben, wollen sie überleben. Einzig bei Hochwasser, wenn das Wehr gesenkt wird, können Fische einigermassen sicher absteigen.

Werden jemals so viele Fische im Gegenwert der Sanierungskosten die Passage am linken Aareufer nutzen? Das sei die falsche Frage, gehe es doch darum, die ökologischen Beeinträchtigungen der Wasserkraftanlagen zu beseitigen, wie Christoph Dietschi, vom Amt für Umwelt zum Start der Mitwirkung an der Nutzungsplanung vor Ort beim Kraftwerk erklärte.

Nicht die Einwohner, sondern die Stromkonsumenten zahlen

Grund für die Sanierung ist der parlamentarische Gegenvorschlag 2009 zur chancenlosen Volksinitiative «Lebendiges Wasser», der Schutz und Nutzung der Gewässer in Einklang bringen will. Mit der Revision der Gewässerschutzgebung im Jahr 2011 wurde festgelegt, dass die Wasserkraftwerke bezüglich der ökologischen Auswirkungen zu sanieren sind. Eine der Auswirkungen ist die Fischgängigkeit der Wasserkraftwerke, die heute teilweise unterbrochen ist.

In seiner strategischen Planung hat der Kanton festgestellt, dass beim Kraftwerk Flumenthal sowohl der Aufstieg als auch der Abstieg zu sanieren sind. «Im Kanton starten wir mit den Bauwerken an der Aare, die bis 2025 saniert sein sollen. Mit den kleineren Kraftwerken haben wir noch Zeit bis 2030», so Dietschi. Planung und Umsetzung liegt in den Händen der Kraftwerkbetreiber, die das Projekt auch vorfinanzieren. Begleitet wird der Bauherr vom Kanton. Finanziert werden die Sanierungen der Fischgängigkeit bei den Kraftwerksanlagen im Kanton von den Verursachern. Das sind letztlich die Stromkonsumenten, die mit ihrer Abgabe auf den Strompreis den dafür vorgesehenen Netzzuschlag-Fonds des Bundes äufnen.

Eines der grössten im Kanton neu erschaffenen Gewässer

2016 wurde eine Machbarkeitsstudie mit Varianten erarbeitet. 2017 lag ein Vorprojekt vor, das auch vom Bundesamt für Umwelt in einer Anhörung positiv beurteilt wurde. Dieses sicherte eine Finanzierung zu. Der aktuelle Fischaufstieg ist laut Ingenieur Paul Lehmann zu «schmal, zu kurz, zu klein, zu dunkel, und zu steil». Die neue Anlage wird als offenes Gewässer konzipiert. Im Oberwasser, zirka 140 Meter vom Kraftwerk entfernt, nahe der Aarebrücke, sollen die Fische nach dem Aufstieg wieder in die Aare schwimmen können. Hier entsteht das 10 Meter breite Einlaufbauwerk. 3 bis 5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fliessen von der Aare ab. «Das wird eines der grössten Gewässer im Kanton, das wir neu erschaffen», so Lehmann. Es folgt ein naturnaher Gewässerlauf mit Kiesschnellen.

Der obere Abschnitt bis zum Kraftwerk ist nicht primär als Fischaufstieg, sondern auch als Lebensraum für Fische geplant. Das Gewässer wird 10 bis 15 Meter und der Korridor wird rund 20 Meter breit sein. Beim Einlaufbauwerk beträgt der Höhenunterschied 0,75 Meter. Das naturnahe Fliessgewässer wird 130 Meter lang sein und eine Höhe von 1 Meter überwinden. Das folgende Raugerinne erstreckt sich über 290 Meter Länge und bewältigt eine Höhe von 5,35 Meter. Der Schlitzpass am Ende wird auf einer Länge von 50 Meter 1,3 Meter Höhe hinter sich bringen. Ab Raugerinne, einem durch Steinriegel beckenartig strukturierten Gerinne, beträgt die Abflussmenge noch 1 Kubikmeter. Das Wasser fliesst runter, die Fische schwimmen hoch.

Der Rest des Wassers wird in eine Röhre geleitet und treibt am Ende eine Turbine an, um den Wasserverlust für den Konzessionär möglichst gering zu halten. Hier wird auch eine Fischzählanlage installiert. Der sogenannte Schlitzpass, ein Betongerinne mit Steinen am Boden, mündet an der Sohle des Kraftwerks ins Unterwasser. Hier beginnt der Aufstieg der Fische. Ein Sammelkanal an der Sohle des Kraftwerks führt die Fische auf der ganzen Breite der Anlage zur Mündung.

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