Kaum war das Inserat mit der Einladung zur «Ustrinkete» im «Azeiger» erschienen, lief das Telefon bei den Besitzern, Esther und Jürg Sperisen-Stuber, heiss. Ob das «Lamm» jetzt wirklich endgültig geschlossen werde, wollten alle wissen. Um es vorwegzunehmen: Dies ist keineswegs die Absicht der Besitzerfamilie, der das fast 200 Jahre alte Dorfrestaurant seit über 150 Jahren und bereits in der vierten Generation gehört. Im Gegenteil: Bereits seit einiger Zeit sucht Esther Sperisen eine neue Pächterin oder einen neuen Pächter. Denn für sie ist klar: «Es geht weiter». Dabei will sie sich aber genügend Zeit lassen. Denn ihr ist eine gute Lösung wichtiger als eine schnelle. Und deshalb steht bereits jetzt fest, dass das «Lamm» nach der «Ustrinkete» vom 13. Oktober für eine gewisse Zeit geschlossen bleiben wird.

Auch für die Vereine

Auch diese vorübergehende Schliessung wird für Lommiswil eine schwierige Zeit werden. Denn unzählige Vereine – vom Kirchenchor über die Damen- bis zur Männerriege trafen sich nach den abendlichen Proben bzw. Trainings im «Lamm», nicht nur zu einem Schlummertrunk, sondern oft auch zum Essen. Auch der Gemeinderat genehmigte sich nach seinen Sitzungen im «Lamm» einen Schlummertrunk – sofern die Zeit nicht bereits allzu stark fortgeschritten war. Dass in solchen spätabendlichen Runden Produktiveres entstanden sei als in den vorangehenden Sitzungen im Gemeindehaus ist allerdings nur ein unbestätigtes Gerücht.

Im Musiklokal des Gemeindehauses findet im November jetzt auch der alljährliche Behördenanlass statt. Auch das ein Termin, der bisher immer im «Lamm»-Säli stattfand. Genauso wie die jährliche Weindegustation des Vereins Dorfladen vom 23. Oktober, die jetzt wieder im katholischen Pfarreiheim abgehalten wird. Solange es in Lommiswil noch eine Fasnacht gab, spielte das «Lamm» von der Mehlsuppe nach der Chesslete am Donnerstagmorgen bis zur Houzbirli-Beerdigung am Aschermittwochabend eine Schlüsselrolle.

In früheren Jahren fand auch, alternierend zur bereits seit längerem geschlossenen «Tannegg» jeweils ein Maskenball statt. Und am traditionellen Kinder-Maskenball vergnügten sich bis zu 100 Kinder im kleinen «Lamm»-Säli. Und auch die jetzt auf das Areal zwischen Turnhalle und Dorfhalle umgezogene Lommiswiler Chilbi fand in ihren Anfängen im und um das «Lamm» herum statt.

Der 58-jährige Markus Haas, ein hervorragender Koch, führte in seiner Zeit einen monatlichen Jassnachmittag ein, der bis zu 40 Teilnehmende anzog. Beliebt waren auch die traditionellen Angebote wie Metzgete und das jährliche Angebot an Wildspezialitäten. Doch jetzt ist er nach elf Jahren erfolgreicher Tätigkeit gezwungen, seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.