Längst nicht alle davon interessieren sich für den mindestens so wichtigen zweiten Auftritt. Dabei trägt der Verein ein Konzertstück vor, das oft einer bestimmten Vorgabe entsprechen muss.

Der Vortrag wird von einem auswärtigen Experten beurteilt. Anschliessend wird er seine Eindrücke mit Vertretern des Vereins besprechen. Punktzahlen oder Noten erfährt das Publikum aber nicht – es gibt sie gar nicht. Genau nach diesem Muster liessen sich am Samstag acht Vereine in der Mehrzweckhalle Oekingen beurteilen. Weil sich auch da jedes Korps im besten Licht zeigen will, gab es je nach Spielstärke spannende Auftritte zu beklatschen. In den Jahren mit einem Kantonalen oder Eidgenössischen Musikfest können die Vereine aber ihre entsprechenden Festvorträge von Experten beurteilen lassen. Weil der Turnus diesmal nicht eingehalten werden konnte, findet in diesem Jahr kein Kantonales Musikfest statt. Deshalb besuchen eine ganze Anzahl solothurnische Musikvereine Musikfeste in anderen Kantonen.

So besucht der Musikverein Harmonie Gerlafingen das Berner Kantonalmusikfest in Thun. Er liess sich mit dem Selbstwahlstück «Lake oft he Moon» von Kevin Houben beurteilen. Ganz neu für alle war natürlich ihr druckfrisches Aufgabestück für Thun. Partitur und Stimmen zu den Aufgabestücken erhalten die Vereine erst 12 Wochen vor dem Fest. Dieses «Crystal Magic» von Bert Appermont für die zweite Klasse Harmonie wurde seitens des Publikums unterschiedlich aufgenommen. Von Ablehnung bis Begeisterung war fast alles zu hören. Von Seiten der Musikanten überwog eher eine zögerliche Zustimmung. Das Aufgabestück der dritten Klasse Harmonie präsentierte als erste die MG Wengi bei Büren. Auch das ist eine Neukomposition. Sie stammt aus der Feder von Marco Nussbaumer, der in Mümliswil aufgewachsen ist. Es nennt sich «Slovenian Rhapsody». Kombiniert hat es die MG Wengi mit «The Mystery of Atlantis» von Michael Geisler. Nicht ein Kantonales Musikfest besucht die Stadtmusik Solothurn. Sie hat sich für das Musik Festival in Olten angemeldet.

Besucher dieser Veranstaltung wurden in Kriegstetten gleich behandelt wie die Besucher von Kantonalen Musikfesten. Auch sie konnte ihre kompletten Wettbewerbsvorträge von Experten beurteilen lassen. Die Stadtmusik fiel durch eine ausgezeichnete Stückwahl auf. Als Konzertstück wählte sie «The Flood» eine gefällige Komposition von Mario Bürki. Für das beim Festival verlangte Solostück wählte sie mit «Rhapsody for Euphonium» von James Curnow einen Klassiker. Gefasst und selbstsicher bewältigte Yves Tschanz den Solopart auf dem Euphonium. Ihr Programm komplettierte sie mit «one2five», eine Komposition die Marco Nussbaumer zu einem 125 Jahr-Jubiläum schrieb.