Flumenthal
Der Markt für Altkleider ist zusammengebrochen – nun bittet Texaid die Gemeinde um Reduktion

Texaid bittet den Gemeinderat von Flumenthal um eine starke Reduktion des Abnahmepreises.

Urs Byland
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Mario Heller / THE

Wird die Textilentsorgungsfirma Texaid zum Sanierungsfall? Oder hat man im Gemeinderat Flumenthal übertrieben? Der Preis für die Altkleider sei komplett zusammengefallen und Texaid finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet, wird protokolliert. Die Firma bittet in einem Brief den Gemeinderat, nur 25 Prozent der vertraglich vereinbarten jährlichen Entschädigung für die Altkleider, die in Flumenthal gesammelt wurden, zu vergüten.

Man habe fast keine andere Möglichkeit, als dieser «Sanierungshilfe» zuzustimmen, erklärte laut Protokoll die zuständige Gemeinderätin Gaby Schneeberger. «Wir haben einen Vertrag mit der Firma, worin eine Entschädigung pro Kilogramm vereinbart ist. Ob wir nun nur einen Viertel erhalten oder nicht, ist für uns als Gemeinde nicht existentiell, für Texaid aber schon», meinte Gemeindepräsident Christoph Heiniger. «Wichtig ist, dass die Container weiterhin geleert werden», sagte Nathalie Stampfli.

Stefan Sury und Markus Zubler stimmten zu und sagten: «Jede Alternative ist schlechter.» Und Sury befürchtet: «Das ist der erste Vertragspartner der EG, der in dieser Richtung aktiv wird, was kommt da sonst noch?» Der Gemeinderat spricht sich einstimmig dafür aus, auf Dreiviertel der abgemachten Entschädigung zu verzichten.

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Die Texaid-Zentrale in Schattdorf bestätigt, dass die Corona-Pandemie vorübergehend zu einem Einbruch des weltweiten Altkleidermarktes geführt habe. Die gesammelten Alttextilien müssten deshalb in diversen zusätzlichen Lagern untergebracht werden, was mit Zusatzkosten verbunden sei. «Da der Altkleidermarkt weltweit unterbrochen war, sammelten sich europaweit Unmengen an Textilien an, welche danach alle auf den Markt drängten. Dies hat Auswirkungen auf den Verkaufspreis. Für Schweizer Altkleider ist dieser um rund einen Drittel eingebrochen. Eine Erholung zeichnet sich derzeit nicht ab», so Texaid.

Deshalb habe sich Texaid gezwungen gesehen, bei den Gemeinden anzufragen, ob sie bereit wären, auf einen Teil der Vergütungen aus der Altkleidersammlung zu verzichten. Diese Anfrage ging im letzten Jahr an alle Gemeinden in der Schweiz, nicht nur im Kanton Solothurn. Die Höhe der vereinbarten Vergütungen sind grossmehrheitlich gleich und basieren auf Konzessionsvereinbarung. Da auch mittelfristig mit deutlich tieferen Erträgen aus der Alttextilverwertung zu rechnen ist, gelte diese Anfrage bis auf Weiteres.

Laut Texaid würden die meisten Gemeinden Verständnis für die momentan herausfordernde Situation zeigen und seien der Firma entsprechend entgegengekommen. «Damit tragen die Gemeinden dazu bei, dass weiterhin eine ökologisch sinnvolle Textilverwertung ermöglicht werden kann», so die Texaid-Sprecherin.

Texaid

Hilfswerke und Private halten gemeinsam Anteile der Firma

Texaid wurde 1978 in einer Charity-Private-Partnership 1978 gegründet. Das Unternehmen stehe für eine hohe soziale Verantwortung sowie eine nachhaltige Unternehmenskultur an all ihren Standorten und entlang der gesamten Wertschöpfungskette, wird auf der Internetseite von Texaid geworben. Auch heute sind die sechs Gründungshilfswerke Schweizerisches Rotes Kreuz, Winterhilfe Schweiz, Solidar Suisse, Caritas Schweiz, Kolping Schweiz und das Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz zu 50 Prozent an der Texaid Textilverwertungs-AG und ihren Tochtergesellschaften beteiligt. Die anderen 50 Prozent werden von der Familie des CEO gehalten, welche ebenfalls zu den Gründungsgesellschaftern der Texaid zählt.