Leberberg

Abschneiden, bis das Wachsen verleidet: Wie Neophyten bekämpft werden – auch ohne Glyphosat

Wo einst der Knöterich wucherte, wachsen jetzt Brennnesseln.

Wo einst der Knöterich wucherte, wachsen jetzt Brennnesseln.

Wer Neophyten los werden möchte, muss nicht zwingend Chemie anwenden. Im Leberberger Wald werden sie von Hand und mit viel Fleiss bekämpft.

«Der Einsatz von Glyphosat zur Bekämpfung von Neophyten muss nicht sein.» Thomas Studer ist Forstbetriebsleiter des Forstbetriebes Leberberg und Kantonsrat (CVP). Seine Haltung hat er in der Kantonsratsdebatte, in der es um ein totales Verbot für das Herbizid ging, in aller Deutlichkeit erklärt.

Doch die Solothurner Kreisbauämter dürfen weiter Glyphosat zur «Einzelstockbehandlung von Neophyten» benutzen. Es solle, so der Kantonsrat, auf Glyphosat verzichtet werden, sobald alternative Bekämpfungsmethoden zur Verfügung stehen, die bei verhältnismässigem Aufwand den gleichen Erfolg bei der Bekämpfung von Neophyten versprechen.

Immer wieder zurückschneiden

«Wir dürfen im Wald schon lange keinerlei Chemie mehr einsetzen», so Studer. Einzige Ausnahme sei der Einsatz von Insektiziden am geschlagenen Nutzholz, als Vorbeugung gegen den Nutzholzborkenkäfer. Darum gehe der Forstbetrieb die Problematik ganz anders an. Neophyten auszurotten gelinge vor allem, wenn man Geduld habe. «Den Knöterich beispielsweise muss man immer und immer wieder zurückschneiden. Bis er genug hat.»

Das tönt einfach, ist aber arbeitsintensiv. Kleinere Standorte mit Neophyten werden von den Angestellten des Forstbetriebes selbst bearbeitet. Bei grossflächigen Standorten helfen oftmals Schulklassen, die einen Arbeitseinsatz leisten möchten, oder «pro Work» aus Grenchen.

«Wir haben hier nicht Neues erfunden», so Studer. «Auch andere Forstbetriebe arbeiten in dieser Art und Weise.» Dass es funktioniert, kann Studer an einem Standort im Känelmoos zeigen, der ursprünglich auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern mit Japanischem Knöterich überwachsen war. Nun sind es noch 40 Quadratmeter. Zwar sind die Wurzeln immer noch im Boden, aber weil in der Zwischenzeit Brennnesseln gewachsen sind, haben die kleinen Knöteriche zu wenig Licht und wachsen nicht mehr. «Das ist unser Rezept. Wir schaffen ein Milieu, das den lichthungrigen Neophyten entgegenwirkt. Schatten, Schatten und nochmals Schatten.» Andere Pflanzen werden ausgerissen oder ausgestochen. «Wir haben mit unseren Methoden schon viel erreicht.»

Weil das Bekämpfen der Neophyten so arbeitsintensiv ist, können die Forstbetriebe beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei dank des Förderprogramms Wald um Subventionen nachfragen.

41 Standorte

Im Leberberger Wald hat es Stand Juli 41 Standorte mit Neophyten. Häufig sind es der Japanische Knöterich, Riesenbärenklau, Kirschlorbeer oder Goldruten. Dazu kommen aber auch immer wieder neue Pflanzen. So machen den Forstleuten zurzeit das Einjährige Berufkraut und Henrys Geissblatt Sorge. Noch nie von diesen Pflanzen gehört? Neophyten verbreiten sich so schnell, dass auch die Behörden Mühe haben, Schritt zu halten. Im offiziellen Praxisratgeber zur Bekämpfung von Neophyten des Kantons Solothurn, sind diese beiden Pflanzen auf alle Fälle (noch) nicht erwähnt.

Neophyten kommen gehäuft entlang von Strassen, Wald- und Bachrändern vor. Trotz aller Aufklärung und der Möglichkeit, das Grüngut via Grünabfuhr zu entsorgen, sind diese Orte immer noch beliebt, wenn es darum geht, Grünabfälle aus Privatgärten zu entsorgen. «Ein grosses Problem ist auch das Verschieben von Humus», meint Studer. Das zeige sich beispielsweise in Gruben, die aufgefüllt wurden. Zudem gelangt das Samengut an den Reifen von Fahrzeugen haftend in den Wald.

Das Einjährige Berufkraut wurde im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht. Sie wird heute nicht mehr als Gartenpflanze angeboten, hat sich aber längst in der Natur breitgemacht und besiedelt Ruderalflächen. Das Einjährige Berufkraut wird ab und zu auch mit den Kamillen verwechselt. Will man die Verbreitung stoppen, muss die Pflanze noch vor der Samenbildung ausgerissen werden. Die Pflanzen dürfen nicht im Garten oder am Feldrand kompostiert werden. Der Forstbetrieb Leberberg bekämpft diesen Neophyten nicht mehr, weil er flächendeckend vorkommt und sich rasend schnell verbreitet. (rm)

Einjähriges Berufkraut

Das Einjährige Berufkraut wurde im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht. Sie wird heute nicht mehr als Gartenpflanze angeboten, hat sich aber längst in der Natur breitgemacht und besiedelt Ruderalflächen. Das Einjährige Berufkraut wird ab und zu auch mit den Kamillen verwechselt. Will man die Verbreitung stoppen, muss die Pflanze noch vor der Samenbildung ausgerissen werden. Die Pflanzen dürfen nicht im Garten oder am Feldrand kompostiert werden. Der Forstbetrieb Leberberg bekämpft diesen Neophyten nicht mehr, weil er flächendeckend vorkommt und sich rasend schnell verbreitet. (rm)

Henrys Geissblatt ist ursprünglich in China heimisch. Seine Samen werden oft von Vögeln weitergetragen. Die Pflanze kann sich aber auch mit kriechenden Trieben ausbreiten. Als Bekämpfung kommt nur das Ausreissen infrage. Pflanzen, die bereits an einem Baum hochwachsen, sollte man abschneiden und wenn nicht anders möglich am Baum vertrocknen lassen. Die Pflanzen dürfen nicht im Garten oder am Feldrand kompostiert werden. Im Leberberger Wald wurden Hunderte dieser Pflanzen ausgerissen und auf Haufen geschichtet. (rm)

Henrys Geissblatt

Henrys Geissblatt ist ursprünglich in China heimisch. Seine Samen werden oft von Vögeln weitergetragen. Die Pflanze kann sich aber auch mit kriechenden Trieben ausbreiten. Als Bekämpfung kommt nur das Ausreissen infrage. Pflanzen, die bereits an einem Baum hochwachsen, sollte man abschneiden und wenn nicht anders möglich am Baum vertrocknen lassen. Die Pflanzen dürfen nicht im Garten oder am Feldrand kompostiert werden. Im Leberberger Wald wurden Hunderte dieser Pflanzen ausgerissen und auf Haufen geschichtet. (rm)

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